Hannover - Doris Schröder-Köpf, 41, und Gerhard Schröder, 60, haben ein kleines Mädchen aus Russland adoptiert. Das Kind, das Nachbarn als "ganz reizendes Mädchen" beschreiben, lebte bislang in einem Heim bei St. Petersburg, nun wohnt es bei Ehepaar Schröder und Tochter Klara in Hannovers Zooviertel, so berichteten es verschiedene Zeitungen. Und so bestätigte es der niedersächsische SPD-Landesvorsitzende Wolfgang Jüttner der Nachrichtenagentur AP: Er habe die Schröders zusammen mit der dreijährigen Adoptivtochter bereits in der Stadt getroffen. "Ich habe den glücklichen Eltern viel Freude mit ihrem Nachwuchs gewünscht", sagte Jüttner.
Von Regierungssprecher Béla Anda war allerdings eine offizielle Stellungnahme nicht zu erhalten. "Das ist eine reine Privatangelegenheit des Kanzlers und seiner Frau. Dazu gibt es von unserer Seite nichts zu sagen."
Wer Kinder aus dem Ausland adoptieren will, muss sich in der Regel an die strengen Auflagen der Adoptionsvermittler halten. Der Verein "Zukunft für Kinder e.V.", eine anerkannte Auslandsvermittlungsstelle, die in den vergangenen drei Jahren etwa 200 Kinder in neue Familien vermittelt hat, beschreibt auf seiner Internetseite die Voraussetzungen. Gesetzliche Vorgaben gibt es allerdings nicht, es handelt sich um Empfehlungen:
Die Stadt Hannover betonte, dass für einen Bundeskanzler bei einer Adoption die gleichen Regeln gälten wie für jedermann. "Die Eltern, die ein Kind adoptieren wollen, müssen eine intakte Familie mit ausreichenden Einkommen bilden und natürlich einen festen Wohnsitz haben", sagte der Sprecher der Stadtverwaltung, Dieter Sagolla. Die Voraussetzungen müssten beim Kanzlerehepaar gegeben sein. "Sonst wäre ihnen die Adoption verweigert worden", betonte Sagolla.
Woher genau das Kind stammt, war von offizieller Seite der Verwaltung der Stadt St. Petersburg nicht zu erfahren. Eine Sprecherin des Komitees für Familie, Kinder und Jugend in St. Petersburg, das für Adoptionen zuständig ist, sagte gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Der Name des Waisenhauses ist ein Geheimnis". Und auf jede Preisgabe eines Staatsgeheimnisses drohe dem, der es verrate, eine Gefängnisstrafe.
Laut russischen Agenturangaben trug Schröder den Adoptionswunsch persönlich seinem Duzfreund Wladimir Putin vor. "Die Adoption ist in völliger Übereinstimmung mit der russischen Gesetzgebung und auf Grund des Beschlusses eines russischen Gerichts erfolgt", wird ein namentlich nicht genannter Kreml-Sprecher zitiert. Doris Schröder-Köpf sei bei dem Verfahren anwesend gewesen. Weitere Angaben wurden nicht gemacht. "Das ist eine Privatangelegenheit der Familie Schröder", sagte der Kreml-Beamte.
Schröder, der mit Schröder-Köpf in vierter Ehe lebt, hat bislang keine leiblichen Kinder. Der Vater der dreizehnjährigen Klara ist der Fernsehjournalist Sven Kuntze.
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