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20.09.2004
 

Batman auf Buckingham-Palast

Britisches Parlament prüft Familienrecht

Das britische Parlament will jetzt untersuchen, ob Scheidungskinder und ihre Eltern durch das nationale Familienrecht benachteiligt werden. Wenige Tage zuvor war ein als Batman verkleideter Vater in einer spektakulären Protestaktion auf den Buckingham-Palast geklettert, um seine Kinder wiedersehen zu dürfen.

Der geschiedene Jason Hatch als Batman auf dem Buckingham-Palast: "Abhängig von Pornos und ein schlechter Vater"
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AP

Der geschiedene Jason Hatch als Batman auf dem Buckingham-Palast: "Abhängig von Pornos und ein schlechter Vater"

London - Die parlamentarische Untersuchung soll sich mit Fragen zu Vormundschaft und Kontaktarrangements zwischen getrennt lebenden Eltern beschäftigen, teilte BBC News heute mit. Das gesamte Familienrecht solle in diesem Zusammenhang neu bewertet werden. Unnötige und für alle Beteiligten belastende Verzögerungen bis zur Urteilssprechung sollen in Zukunft vermieden werden.

Auch die verantwortlichen Richter müssen sich einer Prüfung stellen. Die Kommission soll herausfinden, ob sie für die Familienrechtssprechung ausreichend gerüstet sind. Laut dem Vorsitzenden des Verfassungskomitees, Alan Beith, gibt es Richter, die nur ungern "in einer Atmosphäre großer Emotion und Besorgnis" über Familiendispute zu Gericht säßen. Die Kommission will deshalb auch betroffene Kinder selbst und deren Vertreter in Organisationen dazu befragen, wie sie die Gerichtssituation erleben.

Beith widersprach Vermutungen, nach denen die Untersuchungskommission jetzt als Reaktion auf eine Reihe von waghalsigen Stunt-Aktionen britischer Väter gegründet worden sei. Die Väter kämpfen darum, ihre Kinder sehen zu dürfen. Beith sagte, sein Komitee habe schon vor Monaten mit der Planung des Projektes begonnen. Er bestätigt jedoch: "Es gibt Väter, die das Gefühl haben, dass ihre Seite der Medaille ignoriert wird und dass sie nicht den Zugang zu ihren Kindern erhalten, der ihnen vom Gesetz garantiert wurde."

Erst vor einer Woche war der 32-jährige Jason Hatch als Batman verkleidet auf den Buckingham-Palast geklettert, um für sich und seine Leidensgenossen das Recht einzufordern, auch nach der Scheidung die eigenen Kinder treffen zu können. Hatch ist Mitglied der Organisation "Fathers 4 Justice" ("Väter für Gerechtigkeit"), die für eine Änderung des britischen Sorgerechts kämpft. Der gelernte Anstreicher hat seine beiden Kinder seit vier Jahren nicht mehr gesehen und stellte nach seiner Show-Einlage fest: "Es war einfacher, auf den Balkon der Queen zu gelangen, als meine eigenen Kinder zu sehen."

Nur zwei Tage vorher war ein als Spiderman verkleidetes Mitglied der Organisation auf das Riesenrad "London Eye" geklettert und hatte es für einen Tag stillgelegt. Zuvor hatten andere Mitglieder Premierminister Tony Blair im Unterhaus mit Kondomen beworfen, die mit Farbpulver gefüllt waren. Ein Sprecher von Blair sagte, die Aktion am Buckingham Palast werde dem komplexen Thema Scheidungskinder nicht gerecht.

Der Vorsitzende des Verfassungskomitees Beith sieht die Lösung des Problems eher jenseits der Gerichtssäle. "Nach dem totalen Zusammenbruch einer Beziehung sollten Probleme mit Besuchszeiten und dem Zugang zu den eigenen Kindern lieber über Vermittler in einem Schlichtungsprozess gelöst werden, als auf eine Art Salomonisches Urteil zu warten."

Dass sich nach einer Trennung beide Parteien unvereinbar gegenüberstehen und in der Öffentlichkeit häufig eine Menge schmutziger Wäsche waschen, illustrieren auch die jüngsten Anschuldigungen von Jason Hatchs Ex-Freundin in dem Boulevard-Blatt "News of the World": Die 20-jährige Gemma Polson bezichtigt den "Palast-Batman", abhängig von Hardcore-Pornofilmen zu sein, sie während ihrer Schwangerschaft mental und emotional missbraucht zu haben und ein schlechter Vater gewesen zu sein.

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