Kirn - Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach gegenüber SPIEGEL ONLINE bestätigte, wird gegen den Geschäftsführer und einen Erzieher des Jugendheims in Kirn (Rheinland-Pfalz) wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen und Körperverletzung ermittelt. Nach Berichten des Südwestrundfunks verbrachte der seit einem Jahr in der Einrichtung der "Kreuznacher Initiative schafft Stellen" ("Kiss") untergebrachte Teenager acht Nächte in einem Toilettenraum. In dem Zimmer habe sich neben den Sanitäranlagen lediglich eine einfache Matratze auf dem Fußboden befunden.
Der Besitzer eines Kiosks in der Nähe der offenen Einrichtung hatte den Bürgermeister von Kirn verständigt und Strafanzeige erstattet, nachdem ihm der Junge von dem Vorfall erzählt hatte. Das Stadtoberhaupt hatte sich daraufhin an die Behörden gewandt.
Der Leiter der Einrichtung, Norbert Görner, erklärte gegenüber SPIEGEL ONLINE, er weise jeden Vorwurf der Misshandlung oder einer Verletzung der Menschenwürde von sich. Der Junge sei ausquartiert worden, weil er in der bisherigen, ihm zur Verfügung gestellten Wohnung Chaos verursacht hätte. Zwar habe der Jugendliche seit seiner Überstellung in die Einrichtung wichtige Ziele wie den Hauptschulabschluss und ein Praktikum als Gärtner erreicht. Im Bereich Hygiene habe er allerdings immer wieder "extreme Auffälligkeiten" gezeigt - unter anderem einen "starken Körpergeruch", ein "verwahrlostes Äußeres" und eine "gesundheitsschädigende Wohnsituation".
Die hygienischen Zustände in seiner Wohnung seien nicht mehr zu tolerieren gewesen. Andere Jugendliche hätten sich geweigert, weiter mit dem Jungen zusammenzuleben. Weil kein anderer Raum zur Verfügung gestanden habe, sei die Toilette als neue Bleibe gewählt worden. Der Jugendliche habe den Schlüssel zu seinem Übernachtungsraum gehabt und sich frei bewegen können. Er sei intensiv pädagogisch betreut worden und habe jederzeit die Möglichkeit gehabt, durch Säubern seiner Wohnung in dieselbe zurückzukehren.
Dem Heimleiter zufolge hat der Junge nach den Vorfällen in einem Gespräch mit dem Jugendamt den Wunsch geäußert, in der Einrichtung bleiben zu dürfen. Der 17-Jährige lebt inzwischen in einer anderen Wohnung in Idar-Oberstein.
Annette Langer
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