Colombo - Der Erdstoß unter dem Meeresgrund vor der Insel Sumatra löste eine riesige Flutwelle aus, die Menschen von Indonesien bis Sri Lanka in den Tod riss. Bis zu sechs Meter hohe Wellen zog Bewohner von Küstenregionen, Fischer und Touristen mit sich fort. Mehrere tausend Menschen wurden noch vermisst. In Südostasien wird eine solche Riesenwelle Tsunami (japanisch: große Welle im Hafen) genannt.
Das Beben um 2 Uhr (MEZ) hatte nach jüngsten Messungen der US-Erdbebenwarte in Colorado eine Stärke von 8,9 und war damit das weltweit schwerste seit 40 Jahren. Sein Zentrum lag 40 Kilometer unter dem Meeresboden vor der Nordwestküste von Sumatra. Mehrere Nachbeben erreichten die Stärke von 7,0. Die von der gewaltigen Erschütterung am Meeresgrund ausgelöste Flut erreichte 1600 Kilometer weiter westlich ihre größten Ausmaße.
Angriff auf Sri Lanka und Indien
Allein in Sri Lanka kamen nach Angaben der Behörden 1500 Bewohner der Küstenregionen ums Leben, Tausende wurden verletzt, rund 100.000 obdachlos. Bis zu sechs Meter hohe Flutwellen brachen nach dem Beben am Sonntag über die Küste in den Bezirken Muttur und Trincomalee herein. "Wir sind in einer sehr tragischen Lage", sagte der Polizeisprecher in Muttur, Rienzie Perera. Einige Krankenhäuser der Region seien nicht mehr in der Lage, Verwundete aufzunehmen.
Der Hafen der Hauptstadt Colombo wurde geschlossen, nachdem das Hafengebäude überflutet worden war.
Auch in Indien wütete die Flutwelle verheerend. So starben im Unionsstaat Tamil Nadu mindestens 1625 Menschen, etwa 200 in Andhra Pradesh. An den Stränden von Madras, der Hauptstadt des Unionsstaates Tamil Nadu, wurden mindestens 100 Leichen geborgen; aus der Küstenstadt Cuddalore wurden 150 Tote gemeldet.
Dem Zentrum des Erdbebens am nächsten lag die indonesische Provinz Aceh, wo nach Angaben der örtlichen Behörden mindestens 243 Menschen ums Leben kamen. Weite Teile der Region wurden überflutet. Allein aus dem Bezirk Bireun an der Nordküste von Aceh wurden 50 Tote gemeldet. Nach dem Beben vor der Westküste der Provinz waren zahlreiche Ortschaften von der Außenwelt abgeschnitten, so dass das ganze Ausmaß der Katastrophe noch nicht abzuschätzen war. Seismologen registrierten mindestens zehn Nachbeben nach dem ersten Erdstoß.
Desaster in Thailand
In Thailand brach die Flutwelle über mehrere Touristenregionen im Süden ein, wo tausende von Ausländern ihren Weihnachtsurlaub verbringen. Mindestens 158 Menschen kamen nach Angaben der Regierung ums Leben, mehr als 1.900 wurden verletzt. Auf einem Strand der Ferieninsel Phuket ertranken mindestens vier Touristen. Die Flutwelle war dort bis zu vier Meter hoch. In Phang Nga bei Phuket suchten die Menschen auf Hausdächern Zuflucht vor den Wassermassen.
Unter den zahlreichen Verletzten im Krankenhaus Watcharat von Phuket waren nach Angaben eines Kliniksprechers auch viele ausländische Touristen aus den Hotels an den beliebten Stränden Kamala und Patong. Der Flugverkehr mit Phuket wurde eingestellt. Zum Zeitpunkt der Flutwelle befanden sich Augenzeugen zufolge auch mindestens 30 Boote mit Touristen auf dem Meer.
Aus Malaysia wurden 25 Tote und 60 Verletzte gemeldet, darunter auch mehrere Ausländer. Hier brach die Flut über die Ferieninsel Penang herein. Auch der internationale Flughafen der westlich von Sri Lanka gelegenen Malediven musste wegen der Flutwelle geschlossen werden.
Erdbeben auch in Bangladesch
Am Morgen erschütterte dann ein Erdbeben der Stärke 7,3 den Süden von Bangladesch. Die Küsten wurden von einer gewaltigen Flutwelle überschwemmt. Das Epizentrum des Bebens lag nach offiziellen Angaben rund 1000 Kilometer südlich der Hafenstadt Chittagong im Golf von Bengalen. Über Schäden und die Zahl der möglichen Opfer gab es keine Informationen.
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