Mittwoch, 10. Februar 2010

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Tsunami 2004

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28.12.2004
 

Südasien-Katastrophe

Mindestens 55.000 Menschen starben in den Fluten

Zwei Tage nach der Erdbebenflut wird die Tragödie in Südostasien auch zu einer deutschen Tragödie. Mehrere hundert Feriengäste werden an den Sonnenstränden von Thailand vermisst. Das Auswärtige Amt rechnet mit einer dreistelligen Zahl. Neusten Meldungen zufolge sollen bis zu 60.000 Menschen ums Leben gekommen sein.



Außenminister Fischer: "Wir müssen das Schlimmste befürchten"
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DDP

Außenminister Fischer: "Wir müssen das Schlimmste befürchten"

Berlin - Die Strände nördlich von Phuket gehören zu den Traumzielen dieser Welt, unberührte Sandflächen, Palmen bestandene Ufer, freundliche Gastgeber. Doch zwei Tage nach der katastrophalen Erdbebenflut erhärtet sich der furchtbare Verdacht, dass an diesen paradiesischen Ufern Hunderte Touristen in den Tod gerissen wurden. Die Tragödie, die ganz Südostasien heimsuchte, droht nun auch zu einer deutschen Tragödie zu werden.

Noch immer fehlt jede Spur von Hunderten Feriengästen aus Deutschland. "Wir müssen das Schlimmste befürchten", sagte Bundesaußenminister Joschka Fischer. In Südostasien spiele sich eine "wahrhafte Jahrhundertkatastrophe" ab. Es handele sich um eine "menschliche Tragödie, wie ich sie noch nicht erlebt habe". Unter den Toten sind Tausende Kinder, die von der Flutwelle ins Meer gespült wurden und ertranken. Bundeskanzler Gerhard Schröder brach seinen Urlaub ab.

Mittlerweile ist die Zahl der Toten in Südostasien auf fast 50.000 gestiegen, in Thailand rechnet die Regierung mit mehr als 2000 Todesopfern. Unter ihnen seien mehr als 700 Ausländer, teilte der stellvertretende Innenminister Sutham Saengprathum mit. Die meisten Toten gab es in der Provinz Phang Nga mit einem 30 Kilometer langen Strandabschnitt zwischen Takua Pa und Khao Lak sowie auf der Ferieninsel Phuket. Mehr als 1000 Menschen in Thailand werden noch vermisst.

"Apokalyptische Landschaft"

Das überwiegend mit deutschen Touristen belegte Sofitel-Hotel "Magic Lagoon Khao Lak" rund 50 Kilometer nördlich von Phuket ist nach einem Radiobericht "völlig zerstört" worden. Nach Angaben der Accor-Gruppe, zu der das Hotel gehört, waren die meisten der etwa 350 Hotelgäste Deutsche.

"Es ist eine völlig apokalyptische Landschaft", berichtete ein Reporter des Rundfunksenders Europe 1 am Dienstag über die Lage in Khao Lak. Die Verantwortlichen des Hotels hätten ihm gesagt, sie wüssten nichts über den Verbleib von rund 250 Hotelgästen. "Man kennt auch noch nicht die Zahl der Opfer unter dem Personal", berichtete der Reporter von Europe 1 aus dem Hotel.

"Es stehen zwar noch einige Mauern, und alles kann aus der Ferne noch den Eindruck erwecken, ein Hotel zu sein", fuhr der Journalist in seinem Bericht fort, "im Inneren ist aber alles völlig verwüstet". Nach seinen Angaben "bringen Soldaten weiterhin Körper aus den Hotelzimmern". Die Menschen, die sich im Gebäude aufhielten, als die Flutwelle kam, hätten wie in einer Falle gesessen. Das gesamte "berühmte paradiesische Touristengebiet von Khao Lak ist völlig verwüstet, das ist eine Katastrophe großen Ausmaßes". Das Militär habe 800 Leichen geborgen.

Geruch verwesender Leichen

Der Reisebüroverband bestätigte die Berichte nicht und geht zurzeit noch immer von insgesamt vier toten Deutschen aus. Der Reiseveranstalter TUI meldete dagegen 80 deutsche Urlauber aus dem Gebiet Khao Lak als vermisst. Wie eine Sprecherin des Reisekonzerns heute in Hannover mitteilte, bestehe zu den dort untergebrachten Gästen noch immer kein Kontakt. "Wir hoffen, dass sie sich ins Hinterland geflüchtet haben und sich so retten konnten."

Auch dem Tourismuskonzern Thomas Cook fehlen Informationen über rund 300 Gäste, die im etwa 50 Kilometer entfernten Gebiet Phuket untergebracht waren. "Wir hoffen, sie nach und nach wieder zu finden", sagte ein Unternehmenssprecher heute im hessischen Oberursel. Von den vermissten Gästen seien möglicherweise viele in Panik ins Hinterland geflüchtet, andere könnten verletzt in Krankenhäusern liegen.

In einigen Küstenregionen hing der Geruch verwesender Leichen in der Luft. Weitgehend zerstört wurde das Similan Beach and Spa Resort auf einer der Similan-Inseln bei Phuket. Dort hielten sich zum Zeitpunkt der Flutwelle etwa 60 zumeist aus Deutschland stammende Touristen auf. Zerstört wurden die ersten beiden Stockwerke des Hotels Sofitel Magic Lagoon Resort. Die thailändischen Behörden suchten noch nach etwa 100 Fischern, deren Boote zum Zeitpunkt der Flutwelle in der Nähe von Phuket auf See waren. In einem buddhistischen Tempel in Takua Pa, 150 Kilometer nördlich von Phuket, wurden am Dienstag 200 Leichen aufgebahrt.

Die Zahl der Opfer steigt

Die Zahl der Opfer in den ebenfalls betroffenen Staaten steigt stündlich. In Sri Lanka starben nach offiziellen Angaben mehr als 18.500 Menschen. Dort entgleiste ein Zug mit mehr als 1000 Passagieren, nachdem die Wassermassen die Schienen weggerissen hatten.

Überall im Land wurden Massenbegräbnisse vorbereitet. Die meisten Leichen seien weiterhin nicht identifiziert, teilten die Behörden mit. Sie lägen in Leichenhallen, auf Krankenhausfluren und unter freiem Himmel und müssten bald beerdigt werden.

In Indien sind nach Angaben des staatlichen Fernsehens rund 9500 Todesopfer zu beklagen. Allein auf den Inseln Andaman und Nicobar in der Bucht von Bengalen gab es 3000 Tote. 3000 Menschen werden dort noch vermisst.

Die indonesische Regierung gab am Abend MEZ bekannt, dass mehr als 27.000 Menschen bei der Naturkatastrophe umgekommen sind. Die ufernahen Gegenden um die Provinzhauptstadt Banda Aceh im Norden Sumatras sind völlig verwüstet.

Kinder sind am schlimmste betroffen

Nach Uno-Angaben sind Millionen von Menschen von Krankheiten bedroht. Das Trinkwasser sei ungenießbar. Am schlimmsten betroffen sind arme Fischerdörfer an den Küsten Südindiens und Sri Lankas.

Mindestens ein Drittel der Toten sind Kinder. Die Uno forderte alle Staaten, die zur Hilfe in der Lage sind, zu großzügiger Unterstützung auf. "Die Situation ist weit dramatischer als bisher angenommen. Es muss schnell gehandelt werden", sagte Martin Baumann von der Deutschen Welthungerhilfe. "Für die Kinder sind die nächsten Tage entscheidend", sagte Carol Bellamy, die Direktorin des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef).

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