ThemaTsunami 2004RSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
30.12.2004
 

Flutkatastrophe

Deutsche spendeten zehn Millionen Euro - Briten 28 Millionen

Angesichts der katastrophalen Fluten in Asien haben Bundesbürger rund zehn Millionen Euro für die Opfer gespendet. Im Vergleich zu den Briten ist das allerdings recht kläglich: Im Königreich kamen bereits umgerechnet 28 Millionen Euro zusammen. Inzwischen haben viele deutsche Unternehmen Geld- und Sachspenden angekündigt.

Flutopfer im indischen Cuddalore: "Die Katastrophe zeigt, dass wir in einer Welt leben"
Zur Großansicht
AFP

Flutopfer im indischen Cuddalore: "Die Katastrophe zeigt, dass wir in einer Welt leben"

Berlin - Die "Aktion Deutschland hilft" (ADH) hat bereits 7,2 Millionen Euro Spenden gesammelt, teilten die Organisatoren am Donnerstag in Köln mit. In der Aktion sind die Malteser, Johanniter und die Arbeiterwohlfahrt, der Arbeiter-Samariter-Bund, die action medeor, care, Help, Adra, der Paritätische Wohlfahrtsverband und World Vision vereinigt. Beim DRK sind nach eigenen Angaben 3,4 Millionen Euro an Spenden eingegangen. Britische Privatleute haben dagegen bereits umgerechnet 28 Millionen Euro gespendet. Ein Sprecher des Dachverbands der britischen Hilfsorganisationen bezeichnete dies als "phänomenal". Man sei "überwältigt von der Großzügigkeit der britischen Öffentlichkeit". Die Privatspenden überträfen bereits die von der Regierung versprochenen Hilfsmittel in Höhe von umgerechnet 21 Millionen Euro. In Großbritannien leben rund 59,2 Millionen Menschen - in Deutschland 82,5 Millionen.

"Spenden Sie für die Opfer und den Wiederaufbau", appellierte Bundespräsident Horst Köhler heute auf einer Pressekonferenz an die Bevölkerung. "Jetzt geht es darum zu helfen." Gleichzeitig nannte Köhler die von der Bundesregierung eingeleiteten Hilfsmaßnahmen richtig. Neben den kurzfristigen Maßnahmen solle die Katastrophe aber auch Anlass sein, insgesamt darüber nachzudenken, wie die Weltpolitik neu gestaltet werden könne. Schuldenerleichterungen sollten Teil des Konzepts sein. Außerdem müssten Warnsysteme organisiert werden.

Köhler zeigte sich fassungslos angesichts des Ausmaßes der Zerstörung. Er habe in seinem Leben schon viel Elend und Leid gesehen, aber das, was jetzt in Asien geschehen sei, sei einfach unvorstellbar. Er denke an die Eltern, die keine Kinder mehr hätten, und an Kinder, die ihre Eltern verloren hätten. "Die Katastrophe zeigt, dass wir in einer Welt leben", sagte der Präsident in seiner Stellungnahme. "Wir bangen mit allen, die in furchtbarer Ungewissheit schweben, weil sie noch nichts von ihren Lieben gehört haben. Unsere Gedanken sind mit den Opfern", sagte Köhler. Auch Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatten zuvor die Bundesbürger aufgefordert, angesichts der Flutkatastrophe ihr Geld an Silvester karitativen Organisationen zur Verfügung zu stellen, statt in Böller zu investieren.

Eine Reihe von Unternehmen kündigte inzwischen erste Geld- und Sachspenden an. Viele Unternehmen haben ihre Belegschaften mit dem Versprechen zu Spenden aufgerufen, die eingesammelten Beträge zu verdoppeln. Der Pharmakonzern Altana spendet 750.000 Euro für die medizinische Versorgung in den betroffenen Gebieten. "Wir wollen als international agierendes Unternehmen unseren Teil dazu beitragen, schnell und unbürokratisch zu helfen", sagte Altana-Chef Nikolaus Schweickart. Über die Unternehmensbereiche in Asien würden gezielt Projekte unterstützt.

Der Chemiekonzern Bayer spendet Medikamente (Antibiotika), Geld und gibt technische Unterstützung durch Landesgesellschaften. Die Sach- und Geldspenden hätten eine Größenordnung von 500.000 Euro, teilte das Unternehmen mit. Diese Summe werde aber noch ansteigen. Der Handelskonzern Metro gibt 250.000 Euro als Geld- und Sachspende an indische Fischer.

DaimlerChrysler stellt eine Million Euro für deutsche Hilfsorganisationen sowie für direkte Sachleistungen in der Region zur Verfügung. Bereits in den ersten 24 Stunden habe sich DaimlerChrysler über seine Ländergesellschaften an Hilfsaktionen - wie die Bereitstellung von Nutzfahrzeugen für Hilfskonvois - beteiligt, hieß es.

Die Deutsche Telekom überweist eine Million Euro an die Aktion Deutschland Hilft (ADH), die Deutsche Vermögensberatung spendet dem Kinderhilfswerk Unicef eine Million Euro. Eine Million gibt der Energiekonzern E.ON.

Der Hersteller von Medizintechnik B. Braun Melsungen hat den Tochterunternehmen in der Region 100.000 Euro zur ersten Hilfe zur Verfügung gestellt. Da das Unternehmen in allen betroffenen Ländern mit Vertriebs- und teilweise auch Produktionsstätten vertreten ist, vollziehe sich der größte Teil der Hilfe direkt vor Ort auf kurzem Wege, hieß es.

Die Deutsche Bank leistet über ihre Stiftung DB Asia Foundation Soforthilfe vor Ort. Die Organisation biete neben ihrer Expertise auch Geld- und Sachleistungen in nicht beziffertem Umfang. Zudem hat die Bank alle Mitarbeiter zu Spenden aufgerufen. Der Vorstand will die Summe anschließend verdoppeln. Die Bekleidungs-Kette C&A überweist 250.000 Euro an die Kinderhilfsorganisation terre des hommes. Die Deutsche Lufthansa leistet über ihr Hilfsnetzwerk HelpAlliance finanzielle Hilfe für die Opfer der Flutkatastrophe.

Die Boehringer Ingelheim Pharma GmbH kündigte "einen größeren Betrag" an. Die genaue Summe stehe nächste Woche fest, da die Unternehmensleitung noch darüber entscheiden müsse.

Der Chef der Deutschen Bahn, Hartmut Mehdorn, forderte die rund 230.000 Bahn-Beschäftigten des Konzerns zu Spenden auf. Das Unternehmen werde den eingegangenen Betrag dann verdoppeln, mindestens aber 50.000 Euro als Soforthilfe bereitstellen. Die Bahn ist über ihre Logistik-Tochter Schenker mit Niederlassungen in Indien, Malaysia, Thailand und Indonesien vertreten.

Der Chemiekonzern BASF beschloss, eine Soforthilfe von einer Million Euro zu geben. Er rief darüber hinaus die Mitarbeiter zu Spenden auf. Der bis zum 31. Januar 2005 eingegangene Betrag werde verdoppelt. Das Aachener Pharmaunternehmen Grünenthal spendet fünf Tonnen Medikamente im Wert von 730.000 Euro für Opfer in den Krisengebieten Thailand und Sri Lanka.

Der Berliner Pharmakonzern Schering hilft über seine Tochterunternehmen in den betroffenen Ländern. Medikamente aus eigener Produktion würden nicht ausgegeben, weil Schering die benötigten Präparate nicht herstelle. Welche Geldsumme der Konzern dazu bereitstelle, könne noch nicht gesagt werden.

Auch der Getränkehersteller Coca-Cola leistet Hilfe über sein lokales Netzwerk der Niederlassungen vor Ort. "Es geht jetzt um schnelle und kurzfristige Soforthilfe", sagte Sprecher Geert Harzmann. Darüber hinaus würden Medikamente, Verbandszeug und Desinfektionsmittel sowie Lastwagen zum Transport von Hilfsgütern bereitgestellt. Schwerpunkt sei auch die Versorgung mit in Flaschen abgefülltem Trinkwasser.

Auch in der Kulturszene laufen immer mehr Benefiz-Aktionen für die Opfer der Flutkatastrophe in Südostasien an. So haben die Berliner und die Wiener Philharmoniker hohe Spenden zugesagt. Die deutsche Kinokette CinemaxX zweigt Geld am Neujahrswochenende von jedem Ticket für den Film "Alexander" ab. Theater in Stuttgart und mehreren nordrhein-westfälischen Städten sammeln direkt nach den Vorstellungen. Das Rockfestival im dänischen Roskilde gibt eine Million Kronen (134.000 Euro).

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
alles zum Thema Tsunami 2004

© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP