Aus Banda Aceh berichtet Andreas Lorenz
Ununterbrochen starten graue Helikopter der US-Armee in abgelegene Küstenorte, um Nahrungsmittel und Medikamente abzuliefern. Sie sind auf dem Flugzeugträger "Abraham Lincoln" stationiert, der aus Hongkong kommend vor Banda Aceh vor Anker gegangen ist. Einige der insgesamt zwölf Hubschrauber bringen Verletzte nach Banda Aceh. Marinesoldaten rennen umher, die Hubschrauber werden lediglich mit Handzeichen eingewiesen.
In den verwüsteten Dörfern sind die Piloten begeistert empfangen worden. Die Menschen, die seit einer Woche auf Hilfe warten, hätten den US-Soldaten Kusshändchen zugeworfen und sie regelrecht gefeiert, berichtet ein Reuters-Reporter. "Gestern war der beste Tag meiner Flieger-Karriere", wird Seahawk-Pilot Joel Moss zitiert.
Die Soldaten berichten von Flüchtlingen, die zu Tausenden auf dem Weg in die Provinzhauptstadt seien. Viele Menschen hätten sich aber auch einfach in höher gelegene Gebiete gerettet, dort hätten sie provisorische Lager errichtet. Die Flutopfer hätten von vielen Verletzten berichtet, die noch immer nicht versorgt worden seien.
Gestern wurden die ersten amerikanischen Marine-Ärzte nach Meulaboh verlegt. Weil die Mediziner den Namen der Stadt nicht aussprechen konnten, nannten sie die Ortschaft schlicht "Malibu". Nun werden sie im Krankenhaus vor Ort ihren Dienst beginnen.
| Todesopfer nach Ländern* | |
| Indonesien | 98.489 |
| Sri Lanka | 30.680 |
| Indien | 15.782 |
| Thailand | 5291 |
| Somalia | 298 |
| Birma | 90 |
| Malediven | 82 |
| Malaysia | 74 |
| Deutschland | 60 |
| Schweden | 52 |
| Großbritannien | 41 |
| USA | 35 |
| Japan | 23 |
| Schweiz | 23 |
| Frankreich | 22 |
| Italien | 20 |
| Norwegen | 16 |
| Australien | 17 |
| Finnland | 15 |
| Südkorea | 11 |
| Tansania | 10 |
| Österreich | 10 |
| Russland | 10 |
| Südafrika | 10 |
| Singapur | 9 |
| Hongkong | 8 |
| Dänemark | 7 |
| Niederlande | 7 |
| Belgien | 6 |
| Kanada | 5 |
| Polen | 5 |
| Israel | 4 |
| China | 3 |
| Taiwan | 3 |
| Bangladesch | 2 |
| Brasilien | 2 |
| Argentinien | 2 |
| Neuseeland | 2 |
| Mexiko | 2 |
| Kenia | 1 |
| Kroatien | 1 |
| Irland | 1 |
| Tschechien | 1 |
| Chile | 1 |
| Kolumbien | 1 |
| Türkei | 1 |
| *amtliche Angaben | |
Das deutsche Lazarettschiff "Berlin", das bislang am Horn von Afrika stationiert war, ist auf dem Weg zur Insel Sumatra. Der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Klaus Scharioth, sagte heute in Berlin, das Schiff werde Mitte kommender Woche vor Ort erwartet.
Die Bundeswehr-Delegation besteht aus neun Soldaten, darunter ein Oberstleutnant der Militärpolizei. Die Gruppe hat drei kleine Zelte auf dem militärischen Teil des Flughafens von Banda Aceh aufgeschlagen. Heute Vormittag konferierten die deutschen Militärs mit der indonesischen Armee und internationalen Hilfsorganisationen. Insgesamt sind inzwischen acht Uno-Organisationen, das Internationale Rote Kreuz und 21 Nicht-Regierungsorganisationen aus aller Welt in Banda Aceh.
Canders Fazit: "Der Zulauf von Hilfsgütern ist völlig unkoordiniert. Das Hauptproblem ist die Verteilung." Dass es dabei Engpässe gibt, geben Helfer vor Ort zu. Besonders schwierig ist es, die Ortschaften an der Küste zu versorgen. Weite Teile des Uferstreifens im Westen der Provinz sind derzeit nur aus der Luft oder von der See zugänglich, da die Flutwellen die einzige Straße weggespült haben. Die meisten Orte sind schwer verwüstet und bislang ohne wesentliche Hilfe, die Überlebenden warten verzweifelt auf Trinkwasser und Reis.
Auf dem Rollfeld der Provinzhauptstadt landen ununterbrochen Militärfrachter. Am Abend soll eine Maschine des deutschen Roten Kreuzes eintreffen. Direkt neben den Zelten der deutschen Soldaten stoppt eine Herkules der neuseeländischen Luftwaffe.
In Banda Aceh besteht immer noch die Gefahr, dass Seuchen ausbrechen. Es erscheint sicher, dass eine enorme Zahl von Leichen nach wie vor unter den Trümmern oder im Schlamm liegt.
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