• Drucken
  • Senden
  • Feedback
03.01.2005
 

Gesetzesinitiative

Zypries will heimliche Vaterschaftstests verbieten lassen

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) plant in diesem Jahr ein Verbot heimlicher Vaterschaftstests. In der Zeitschrift "Brigitte" kündigte die Politikerin einen Gesetzentwurf dazu an. Bestraft werden sollen demnach Männer, die ohne schriftliche Einwilligung der betroffenen Frauen genetische Spuren testen lassen.

Werbung für Vaterschaftstests der Firma Humatrix: "Schwerer Eingriff in die Intimsphäre"
Zur Großansicht

Werbung für Vaterschaftstests der Firma Humatrix: "Schwerer Eingriff in die Intimsphäre"

Berlin - Ebenso sollen Labors, die solche Tests vornehmen, strafrechtlich verfolgt werden. Zypries äußerte sich empört über das florierende Geschäft mit den Vaterschaftstests. Es handle sich dabei "um einen schweren Eingriff in die Intimsphäre". Es sei "unglaublich", dass "Labors sogar in U-Bahnen werben, man solle anonym genetische Spuren einschicken". Zypries will das Verbot heimlicher Vaterschaftstests als Teil des geplanten Gendiagnostikgesetzes regeln.

Eine Ministeriumssprecherin betonte, dass es durchaus rechtliche Möglichkeiten gibt, die Vaterschaft auf legalem Wege feststellen zu lassen. Dazu müsse aber der Rechtsweg beschritten werden.

Für den heimlichen Abstammungstest brauchen Väter lediglich Genmaterial von sich und dem Kind. Dazu genügen im Einzelfall ein benutzter Schnuller, ein Trinkglas oder eine Haarbürste. Das Geschäft kann meist vollständig per Post und Internet abgewickelt werden, wobei die Männer in der Regel das Ergebnis eine Woche später erfahren. Zweifelnden Vätern geht es dabei meist um Unterhaltszahlungen, die mancher nicht für ein "Kuckucksei" zahlen will.

Bundesjustizministerin Zypries: Widerstand vom Kollegen aus Stuttgart
Zur Großansicht
MARCO-URBAN.DE

Bundesjustizministerin Zypries: Widerstand vom Kollegen aus Stuttgart

Ihr sei bewusst, dass das Gesetz umgangen werden könne, da die Tests in zahlreichen europäischen Nachbarländern erlaubt seien, sagte Zypries. Sie wolle sich deshalb für eine europäische Regelung einsetzen. Gleichzeitig sei es wichtig, in Deutschland eine öffentliche Diskussion über das Problem anzustoßen und zu fragen, "warum Männer den Frauen so massiv misstrauen", dass sie heimliche Tests machen ließen.

Nach früheren Umfragen finden mehr als 80 Prozent aller Männer anonyme Vaterschaftstest völlig berechtigt. 93 Prozent der Befragten würden das Kind nicht mehr akzeptieren, sollte sich herausstellen, dass sie nicht der Erzeuger sind. Viele verlangen sogar rechtliche Konsequenzen für Mütter, die einem Mann ein Kind unterschieben.

Experten vermuten, dass zwischen fünf und zehn Prozent aller Kinder nicht vom vermeintlichen Vater sind. Schätzungen zufolge werden in Deutschland jährlich rund 40.000 Vaterschaftstests gemacht - ein Großteil in privaten Labors für mehrere hundert Euro.

Der baden-württembergische Justizminister Goll (FDP) kritisierte den Zypries-Vorstoß und forderte zumindest Ausnahmen von dem geplanten Verbot: "Die Väter, die nach dem Gesetz schon heute anfechtungsberechtigt sind und ihre Vaterschaft in jedem Fall durch ein Gerichtsverfahren klären lassen könnten, sollten auch heimlich einen Vaterschaftstest durchführen dürfen", sagte der Justizminister den "Stuttgarter Nachrichten". Dies seien neben den Ehemännern all jene, die ihre Vaterschaft anerkannt hätten. Nach Ansicht Golls dienen heimliche Tests zudem oft dem Familienfrieden. Durch die Anfechtung der Vaterschaft vor einem Gericht werde oft viel Unruhe und offenes Misstrauen in die Familien getragen: "Da kann es im Einzelfall besser sein, wenn die Tests heimlich durchgeführt werden."

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama

© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP