Balapitiya - Der 60-jährige mutmaßliche Menschenhändler hatte 100.000 Rupien, umgerechnet etwa 1000 Dollar, für die Kinder verlangt. Er war gestern in einem Obdachlosen-Camp nahe der südlichen Küstenstadt Balapitiya festgenommen worden, nachdem er versucht hatte, zwei Jungen im Alter von sieben und neun Jahren zu verkaufen. Nur durch einen Trick war es der Polizei gelungen, den Mann zu überführen: "Ein ausländisches Ehepaar hat uns von den Absichten des Mannes unterrichtet. Wir haben daraufhin die beiden als Lockvögel benutzt, um ihn auf frischer Tat zu ertappen", sagte Inspektor W. D. T. Wijesena, der die Operation leitete. Die Kinder befänden sich zurzeit in der Obhut der Polizei.
Der Verdächtige wurde bereits dem Richter vorgeführt und inzwischen gegen Kaution freigelassen. Der Rechtsbeistand des Mannes erklärte heute, sein Klient habe nichts Falsches getan. "Der Mann ist unschuldig. Man konnte ihm nichts beweisen und deshalb wurde er auf Kaution freigelassen", betonte Rechtsanwalt Sumith Dhammika de Silva.
Interpol hatte bereits gestern davor gewarnt, dass kriminelle Banden sich auf den Verkauf von verwaisten oder von ihren Eltern getrennten Kindern spezialisieren könnten. Man sei sehr besorgt darüber, dass es vereinzelte Versuche gegeben habe, in Zeiten der Katastrophe Unschuldige auszubeuten, sagte Interpol-Generalsekretär Ronald Noble. "Ein Unglück wie dieses bringt das Beste in den einen und das Schlimmste in den anderen zum Vorschein", fügte er hinzu.
Nachdem erste Berichte von gewaltsam verschleppten Waisen aufgetaucht waren, hat Sri Lanka die Adoption sämtlicher durch das Seebeben vom 26. Dezember verwaister Kinder bis auf weiteres verboten. All jenen, die bereits ohne staatliche Genehmigung Waisen adoptiert hätten, empfahl die Regierung, die Nationale Kinderschutzbehörde zu informieren und die Kinder zurückzugeben. Zurzeit führen Regierungsvertreter eine Zählung aller obdachlosen Minderjährigen durch und versuchen zu bestimmen, unter welchen Bedingungen es in Zukunft möglich sein soll, elternlose Kinder in neuen Familien unterzubringen. In Sri Lanka starben mehr als 31.000 Menschen an den Folgen der Flut, Hunderttausende wurden obdachlos.
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