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16.02.2005
 

Fatale Operationen

Organe von Tollwut-Infizierter transplantiert

Mindestens drei Patienten haben in Deutschland Organe erhalten, die von einer offenbar mit Tollwut infizierten Frau stammten. Ohne sofortige Impfung nach der Ansteckung verläuft die sehr seltene Krankheit fast immer tödlich.

Neu-Isenburg - Die Spenderin war im Dezember in ein Krankenhaus gebracht worden, dort erlitt sie nach Angaben der Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) einen Herzstillstand und starb. Die Ärzte entnahmen ihr Lunge, Niere, Bauchspeicheldrüse, Leber und Augenhornhaut und pflanzten die Organe mehreren kranken Patienten ein.

Drei der Patienten zeigten inzwischen die Symptome einer Tollwuterkrankung, teilte die DSO heute im hessischen Neu-Isenburg mit. Der Gesundheitszustand der drei Organempfänger, die in Hannover, Hannoversch-Münden und Marburg behandelt würden, sei "äußerst kritisch". Zum Teil werden sie künstlich beatmet. Laboruntersuchungen müssten zeigen, ob die Spenderin tatsächlich mit Tollwut infiziert war. Die Wahrscheinlichkeit dafür sei jedoch hoch.

Nach Angaben der DSO erhielten drei weitere Patienten Organe der Frau: Ein Patient in Heidelberg bekam die Leber implantiert, zwei Patienten in Mainz erhielten die Augenhornhäute der mutmaßlich Tollwutinfizierten. Allen drei Patienten gehe es jedoch gut.

Die verstorbene Spenderin habe vor ihrem Tod keine Symptome einer Tollwuterkrankung gezeigt, hieß es in einer Erklärung der DSO. Der Vorstand der DSO, Günter Kirste, betonte, einen ähnlichen Fall habe es zuvor in Deutschland noch nicht gegeben. "Leider ist es medizinisch nicht möglich, solche seltenen Infektionen im Voraus auszuschließen", sagte Kirste. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts hat es in den letzten zehn Jahren nur zwei Fälle von Tollwut beim Menschen in Deutschland gegeben. Beide Male hätten sich die Patienten im Ausland angesteckt und seien gestorben.

In den USA waren im vergangenen Jahr vier Patienten an Tollwut gestorben, denen infizierte Organe übertragen worden waren. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörden handelte es sich um den ersten bekannten Fall, in dem Menschen mittels Organtransplantationen mit der Krankheit infiziert wurden.

Tollwut ist eine Viruserkrankung, die ohne Schutzimpfung fast immer tödlich verläuft. Das Virus wird überwiegend durch den Biss infizierter Füchse oder Hunde übertragen. Das Virus greift das zentrale Nervensystem an und führt zu Aggressivität, Wesensveränderungen und Lähmungserscheinungen. Die Inkubationszeit liegt für Menschen bei einem bis drei Monaten. Ist die Krankheit ausgebrochen, dauert es maximal sieben Tage bis der Tod eintritt.

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