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Schwarze Witwen "Menschen töten ist wie Vögel abschießen"

2. Teil: Lesen Sie im zweiten Teil: Die Attentäterin von Beslan: "Ihr habt mich betrogen"

"Wie einen Vogel abzuschießen"

Mord im Namen Mohammeds: "Permanenter Ausnahmezustand von Tod und Verlust"

Mord im Namen Mohammeds: "Permanenter Ausnahmezustand von Tod und Verlust"

Etwa 80.000 Soldaten schickte Russland in den vergangenen zehn Jahren nach Tschetschenien. 200.000 Zivilisten kamen bei den blutigen Auseinandersetzungen ums Leben - unter ihnen Zehntausende Kinder. Menschenrechtlerin Libkan Bassajewa ist sich sicher: "Frauen werden eben dort zu Selbstmordattentäterinnen, wo das Niveau an alltäglicher Gewalt extrem hoch ist und die Grausamkeiten sehr lange andauern." Jeden Tag würden die Leute beobachten, wie Menschen getötet oder gekidnappt werden und für immer verschwinden. "Einen Menschen umzubringen ist inzwischen so normal geworden, wie einen Vogel abzuschießen. Weil jeder permanent in einem Ausnahmezustand von Tod und Verlust, Elend und Angst lebt, folgt irgendwann der psychische Zusammenbruch und dann überschreiten solche Frauen die Grenze zu Selbstmord und Mord. Nicht im Namen irgendeiner Freiheit oder einem irdischen Ziel - sie gehen in den Tod weil sie das Leben nicht mehr ertragen."

Angebot und Nachfrage

Das Phänomen Selbstmordattentäterinnen existiere, "weil russische und auch tschetschenische Kriegstreiber das Blutvergießen nicht stoppen wollen, denn daran verdient es sich trefflich. Weil arabische Fundamentalisten einen neuen Nährboden für ihre mörderischen Lehren gefunden haben", schreibt Rundfunk-Journalistin Sabine Adler im Nachwort ihres gerade erschienenen Buchs "Ich sollte als schwarze Witwe sterben".

Die langen Vorbereitungszeiten der Anschläge und der hohe Organisationsgrad der Gruppierungen sind vor allem aus Regierungssicht ein Zeichen dafür, dass der islamistische Extremismus in Tschetschenien teilweise ausländischer Herkunft ist. Uwe Halbach befürchtet, dass der Konflikt "dschihadisiert" wird. Die Kampfideologie im Untergrund trage zunehmend islamistische Züge: "Europa muss begreifen, dass es sich bei Tschetschenien nicht um einen eingekapselten Konflikt handelt, sondern um einen Krieg, dessen Folgen über die Kriegszone hinaus wirken." Russland habe zudem mit seinen Anti-Terror-Operationen seit 1999 ein Paradebeispiel dafür gesetzt, wie der Kampf gegen den Terror nicht auszusehen habe.

"Die größte Gefahr ist, dass jede beliebige Frau von der Polizei zur Schahidin und damit zur potenziellen Mörderin erklärt werden kann", betont Menschenrechtlerin Bassajewa und beruft sich auf den Fall der 21-jährigen Sara Murtasalijewa, die am 17. Januar zu einer neunjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Der Tschetschenin wurde angelastet, ein Bombenattentat in einem Moskauer Einkaufszentrum geplant zu haben. Außer dem Foto einer Rolltreppe der Shopping-Mall habe man Sprengstoff bei der Angeklagten gefunden, behaupteten die Behörden.

"Man wollte an ihr ein Exempel statuieren", widerspricht Bassajewa, die den Aussagen Murtasalijewas glaubt. Demnach habe man der jungen Frau während des Verhörs auf der Polizeiwache in Moskau heimlich ein Stück Plastiksprengstoff in die Handtasche gelegt und sie vor Verlassen der Wache noch einmal durchsucht. Zwei Freundinnen Murtasalijewas seien von den Polizisten gezwungen worden, den Sprengstoffbesitz zu bestätigen. Zwar hätten die Frauen später vor Gericht ihre Falschaussage widerrufen, Sara sei jedoch trotzdem verurteilt worden.

Funktion erfüllt?

Journalistin Julia Jusik wagt einen Ausblick in die Zukunft: "Ich glaube, die Terror-Strategen werden eine neue Form von Anschlägen wählen. Die Frauen habe ihre Funktion bereits erfüllt." Weibliche Dschihad-Kämpfer würden in Zukunft seltener bei Terrorakten eingesetzt. Grund sei die Katastrophe von Beslan, bei der die Geiselnehmer ihre Ziele nicht erreicht hätten: "Nordossetiens Präsident Alexander Dsassochow sitzt noch immer in seinem Sessel, die Beliebtheit Putins sank nur für kurze Zeit, einen Krieg zwischen Ossetien und Inguschien hat es nicht gegeben und die russische Gesellschaft hat erschüttert auf den Tod Hunderter Kinder reagiert."

Beslan habe gezeigt, dass Frauen in der Regel keine entscheidende Rolle bei Terroranschlägen spielen. Im Gegenteil: "Die weibliche Psyche hat es nicht vermocht, den Mord an Kindern hinzunehmen - bereits am ersten Tag wurde eine der beiden Schahidinnen vor Ort von Rebellen in die Luft gejagt, weil sie erkannt hatte, dass sie mit falschen Versprechungen zu dem Kommando abberufen worden war. Bevor sie starb schrie sie: 'Ihr habt mich betrogen.'"


Die Bücher zum Thema:

  • Julia Jusik: "Die Bräute Allahs - Selbstmordattentäterinnen aus Tschetschenien". NP Buchverlag 2004
  • Sabine Adler: "Ich sollte als Schwarze Witwe sterben - die Geschichte der Raissa und ihrer toten Schwestern". Deutsche Verlags-Anstalt 2005
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