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21.03.2005
 

Sterbehilfe-Debatte

"Dies ist ein trauriger Tag für Terri"

Der Rechtsstreit um das Schicksal der amerikanischen Koma-Patientin Terri Schiavo ist beispiellos. Nun soll ein Bundesgericht in einer Anhörung über Leben oder Tod der Kranken entscheiden. Viele Sterbehilfe-Gegner bejubeln diese Entwicklung, doch der Ehemann der Kranken sieht darin keinen Grund zur Freude - im Gegenteil.

Tampa - Ein Anwalt beantragte heute die Wiedereinsetzung der Magensonde, die die Patientin am Leben halten soll. US-Präsident George W. Bush hatte zuvor in der Nacht ein vom Kongress im Eiltempo verabschiedetes Gesetz unterzeichnet, das den Eltern der 41-Jährigen nach Ausschöpfung des Rechtswegs in Florida die Klage vor einem Bundesgericht ermöglicht.

Das nun angerufene Bundesgericht in Tampa setzte für 15 Uhr Ortszeit (21 Uhr MEZ) eine Anhörung an. "Dies ist ein trauriger Tag für Terri", sagte ihr Mann Michael Schiavo im Fernsehsender ABC. "Und es ist auch ein trauriger Tag für jeden in diesem Land, weil die US-Regierung auf persönlichen, familiären Angelegenheiten herumtrampelt." Michael Schiavo hatte die Entfernung der Magensonde am Freitag nach einem siebenjährigen Rechtsstreit durch alle Instanzen der Gerichtsbarkeit von Florida durchgesetzt. Terri Schiavo liegt seit ihrem Herzstillstand 1990 in einem Wachkoma.

Einmaliger Vorgang in der US-Geschichte

Die Einschaltung der Bundesgerichtsbarkeit durch den Kongress ist ein beispielloser Vorgang. Bush reiste eigens zur Unterzeichnung des Gesetzes nach Washington. Er "stehe auf der Seite derjenigen, die das Leben aller Amerikaner verteidigen, auch von denen mit Behinderungen", erklärte der US-Präsident. Der Fraktionsführer der Republikaner im Repräsentantenhaus, Tom Delay, sagte: "Wir haben Terri Schiavo alles gegeben, was wir konnten - eine Chance zu leben."

Neben den republikanischen Abgeordneten stimmte bei der nächtlichen Sondersitzung auch die Hälfte der anwesenden Demokraten für das Gesetz. Wegen der Osterferien fehlten 174 der 435 Parlamentarier.

Ein Anwalt Michael Schiavos bezeichnete das Sondergesetz im Fernsehsender CNN als "Angriff auf die Gewaltenteilung". Auch einige demokratische Abgeordnete kritisierten, es stehe dem Parlament nicht zu, in den Fall einzugreifen.

Schiavos Schicksal hat in den USA eine emotionale Wertedebatte ausgelöst. Vor dem Krankenhaus in Pinellas Park demonstrierten in der vergangenen Nacht rund 50 Menschen für die Wiedereinsetzung der Magensonde. Die Nachricht von der Verabschiedung des Sondergesetzes wurde mit Jubel begrüßt.

"Ich fühle mich wie betäubt"

Terris Vater Bob Schindler sagte: "Ich fühle mich wie betäubt. Diese ganze Sache ist schwer zu glauben." Während die Eltern der 41-Jährigen erklären, ihre Tochter reagiere noch auf vertraute Personen, verweist Michael Schiavo auf ärztliche Gutachten, denen zufolge seine Frau hirntot ist. Eine schriftliche Erklärung der Patientin zur Nutzung lebenserhaltender Maßnahmen gibt es nicht, Michael Schiavo beruft sich auf Gespräche mit seiner Frau über dieses Thema. Seine Gegner werfen ihm vor, er trete erst dafür ein, sie sterben zu lassen, seit der Patientin in einem Kunstfehlerprozess über eine Million Dollar zugesprochen wurden.

Eine erste "Lex Schiavo" des Gouverneurs von Florida und Präsidentenbruders Jeb Bush war vom Obersten Gerichtshof des US-Staats für verfassungswidrig erklärt worden. Der Gouverneur hatte Ende 2003 angeordnet, dass die nach einem Gerichtsbeschluss entfernte Magensonde wieder eingesetzt wurde.

Vickie Cachere, AP

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