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22.03.2005
 

Sterbehilfe

Gericht lehnt Zwangsernährung für Koma-Patientin Schiavo ab

Die Eltern der Koma-Patientin Terri Schiavo haben den Kampf um das Leben ihrer Tochter anscheinend verloren: Ein Bundesrichter in Florida entschied, dass die künstliche Ernährung nicht wieder aufgenommen wird. Bleibt es dabei, wird Schiavo binnen weniger Tage verdursten. Ihre Eltern haben bereits Berufung eingelegt.

Pinellas Park in Florida: Demonstranten protestieren vor dem Woodside-Hopiz, in dem Terri Schiavo liegt
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AFP

Pinellas Park in Florida: Demonstranten protestieren vor dem Woodside-Hopiz, in dem Terri Schiavo liegt

Tampa - Die künstliche Ernährung der Koma-Patientin Terri Schiavo wird nicht wieder aufgenommen, wie der US-Bundesrichter James Whittemore heute entschied. Er lehnte damit den Eilantrag der Eltern von Schiavo ab, die am Freitag entfernte Magensonde wieder einzusetzen. Whittemore entschied, sie hätten keinen Nachweis erbracht, dass die verfassungsmäßigen Rechte ihrer Tochter verletzt wurden.

Anwälte der Eltern riefen bereits das Berufungsgericht an. Im Fall eines Scheiterns auch dort bliebe dann praktisch nur noch der Zug vor den Obersten Gerichtshof der USA, der es aber schon einmal abgelehnt hatte, sich mit dem Fall zu beschäftigen.

Bei der zweistündigen Anhörung vor der Entscheidung des Bundesrichters erklärte der Anwalt der Eltern, David Gibbs, die Sterbehilfe widerspreche den Glaubensgrundsätzen der katholischen Patientin.

Schiavos Ehemann machte über seinen Anwalt George Felos geltend, dass der Rechtsweg längst ausgeschöpft sei. Eine Wiedereinsetzung der Magensonde würde die Rechte seiner Frau verletzen. "Ja, das Leben ist heilig", sagte Felos. "Aber ebenso verhält es sich mit der Freiheit, insbesondere in diesem Land."

"Es gibt kein Happy End", hatte ihr Ehemann Michael Schiavo bereits gestern Abend (Ortszeit) im Fernsehsender CNN gesagt. Aber es entspreche dem Wunsch seiner Frau, nicht weiter am Leben erhalten zu werden. "Sie wird in Frieden ruhen. Sie wird bei Gott sein", sagte Schiavo,

Terri Schiavos Bruder Bobby Schindler zeigte sich nach dem Urteil fassungslos. Seine Familie sei völlig niedergeschmettert, sagte er. Es sei barbarisch zu beobachten, wie seine Eltern gezwungen seien, durch dieses Verfahren zu gehen, sagte er dem TV-Sender ABC.


Der Gouverneur von Florida und Bruder des Präsidenten, Jeb Bush, äußerte sich nach Angaben einer Sprecherin "äußerst enttäuscht" über die Entscheidung des Bundesrichters. Einer Umfrage zufolge sind annähernd 60 Prozent der Amerikaner der Meinung, dass Terri Schiavo nicht wieder künstlich ernährt werden soll.

Die 41-jährige Frau liegt seit 15 Jahren im Wachkoma. Nach Einschätzung der Ärzte wird Terri Schiavo ohne künstliche Ernährung innerhalb von ein bis zwei Wochen sterben.



Michael Schiavo hatte die Entfernung der Magensonde in einem sieben Jahre währenden Rechtsstreit erzwungen. Das Schicksal der Frau hat in den USA zu großer Anteilnahme geführt. Der Kongress verabschiedete am Sonntag im Eiltempo ein Gesetz, das den Eltern die Klage vor einem bislang nicht zuständigen Bundesgericht ermöglichte. US-Präsident George W. Bush reiste eigens von seiner Ranch in Texas nach Washington zurück, um das Gesetz umgehend zu unterzeichnen. Daraufhin riefen die Eltern gestern das Gericht in Tampa im US-Staat Florida an. Mit seinem Spruch verpasste Richter Whittemore auch dem US-Kongress eine schallende Ohrfeige.

Demonstranten vor der Klinik, in der die 41-Jährige liegt, reagierten entsetzt auf das heutige Urteil. "Es ist furchtbar. Sie reden und reden und Terri stirbt derweil", sagte eine ältere Kalifornierin.

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