Bis tief in die Nacht hatte das Berufungsgericht in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia über die Wiederaufnahme der künstlichen Ernährung der Wachkoma-Patientin Terri Schiavo beraten. In ihrem Urteil würdigten die Berufungsrichter zwar die besondere Tragik des Falls. Zwei der drei Richter schlossen sich jedoch der Begründung der vorherigen Instanz an, nach der es keine Grundlage für den Antrag der Eltern Schiavos gebe und die bisherigen Entscheidungen korrekt seien.
"Unabhängig davon, dass wir Frau Schiavo wünschen, sie hätte niemals solch ein schreckliches Unglück erleiden müssen, sind wir ein Rechtsstaat und die Gesetze müssen angewandt werden", hieß in der Urteilsbegründung laut der "Los Angeles Times". Der überstimmte Richter Charles Wilson hatte argumentiert, dass angesichts der lebensbedrohlichen Situation der Patientin erst einmal der Klage hätte stattgegeben werden sollen.
Die Eltern der 41-Jährigen hatten die Wiederaufnahme der Ernährung ihrer Tochter gefordert. Sie legten Berufung gegen das Urteil eines Bundesgerichts ein, das am Dienstag ihren Antrag abgelehnt und damit die Position von Schiavos Ehemanns gestützt hatte. Er will das Ende der künstlichen Ernährung durchsetzen
und gibt an, damit dem Willen seiner Frau zu folgen.
Der gerichtliche Streit ist ein Wettlauf mit der Zeit: Die Frau wird seit nunmehr fünf Tagen nicht mehr ernährt. Der Anwalt der Eltern Bob and Mary Schindler sagte bei der Verhandlung, Terri Schiavo gehe es zunehmend schlecht und ihr Tod stünden kurz bevor. Experten zufolge wird sie ohne Nahrungszufuhr innerhalb von zwei Wochen sterben. Aber auch mit dem Urteil des Berufungsgerichtes dürfte der Fall noch nicht entschieden sein. Nach Einschätzung eines Anwalts des Ehemannes werden beide
Seiten den Rechtsstreit wohl bis zum Obersten Gerichtshof
ausfechten.
Terri Schiavo war 1990 nach einem Herzinfarkt mit schweren
Hirnschäden ins Koma gefallen. Ihr Ehemann hatte sich gegen
lebensverlängernde Maßnahmen eingesetzt und argumentiert, seine
Frau hätte nicht gewollt, in diesem Zustand dauerhaft künstlich
am Leben erhalten zu werden. Nach mehreren Gerichtsverfahren und
einem jahrelangen Rechtsstreit hatten die behandelnden Ärzte am
Freitag eine Magensonde entfernt, mit der die Frau bis dahin
ernährt worden war. Ihre streng christlichen Eltern lehnen dies
ab und klagten dagegen auf Grundlage eines eigens am Wochenende
vom US-Kongress verabschiedeten Gesetzes.
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