Köln - Der Trierer Bischof Reinhard Marx hat sich vehement gegen aktive Sterbehilfe ausgesprochen. Marx sagte heute im Deutschlandfunk, kein Mensch habe ein Recht, seinen eigenen Tod zu bestimmen, so wie er auch nicht das Recht habe, sich selber ins Leben zu bringen. Passive Sterbehilfe könne es zwar geben. Der katholische Bischof sprach sich für christliche Patientenverfügungen auch in Deutschland aus, betonte aber, dass diese erst greifen dürften, wenn die "Sterbephase" eingetreten sei.
Ein Wachkoma wie im Fall der US-Amerikanerin Terri Schiavo sei keine Sterbephase. Marx räumte ein, dass es Diskussionen über deren Beginn geben könne. Wichtig sei aber, dass man unmissverständlich wisse, was der Patient gewollt habe. Für Christen sei das menschliche Leben in jeder Phase unantastbar, sagte er.
Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, hat zu Ostern heftige Kritik an der aktiven Sterbehilfe geübt. Huber sagte in seiner heutigen Predigt im Berliner Dom, das Leben sei in seiner Begrenztheit ein kostbares Geschenk aus Gottes Hand, über das "weder an seinem Beginn noch an seinem Ende" willkürlich verfügt werden dürfe. Zwar feierten die Christen mit der Auferstehung Christi die Überwindung des Todes. Damit sei aber gerade nicht gemeint, das Leben aus eigener Kraft unendlich verlängern zu müssen.
Fürsprache und Fürsorge für das menschliche Leben seien Folge dieser Verheißung von seinem Anfang bis hin zum Eintreten für ein Sterben in Würde. "Deshalb wenden wir uns auch jetzt gegen jede Vorstellung davon, dass die aktive Sterbehilfe, der bewusst herbeigeführte Tod ins Kalkül gezogen wird", betonte Huber. Andere Wege seien nötig und möglich.
Der EKD-Ratsvorsitzenden sprach sich ausdrücklich für Patientenverfügungen aus. Damit werde die Fürsorge von anderen nicht außer Kraft gesetzt, sondern ihr werde die Richtung gewiesen. "Wie gut wäre es gewesen, wenn Terri Schiavo sich mit solcher Klarheit hätte äußern können", sagte Huber zum aktuellen Fall in den USA. "Wenn Menschen im Vorhinein beschreiben, wann für sie diese Zeit gekommen sein wird, dann ist dies zu respektieren", betonte der Bischof.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, hat zu Mitgefühl mit Todkranken, ihren Angehörigen sowie Ärzten und Pflegern aufgerufen. Lehmann sagte in seiner Osterpredigt im Mainzer Dom, Menschen an ihrem Lebensende zu begleiten gehöre zu den sieben Werken der Barmherzigkeit. Angesichts des aktuellen Falles der US-Amerikanerin Terri Schiavo warnte der Kardinal aber vor Sterbehilfe als "verführerischer Idee".
Es sei keine Lösung, Menschen etwa durch Verhungern schneller in den Tod zu befördern. Der sterbende Mensch dürfe nicht zum Objekt degradiert werden, sagte Lehmann. "Der Arzt darf das kreatürliche und solidarische Fundament des Menschseins, das Arzt und Patient miteinander elementar verbindet, nicht auflösen", erklärte er. Die Segnungen der Medizin würden zur Bürde, wenn die Verlängerung des Lebens für die Beteiligten zur Qual werde.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Panorama | Twitter | RSS |
| alles zum Thema Wachkoma | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH