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28.03.2005
 

Indonesien

Gewaltiges Seebeben, Todeswelle bleibt aus

Drei Monate nach der Tsunami-Katastrophe mit über 300.000 Toten hat ein schweres Seebeben vor Indonesien erneut Angst und Schrecken ausgelöst. Von einer erneuten Todesflut blieb Südasien verschont; auf der Insel Nias starben jedoch nach Behördenschätzungen bis zu 300 Menschen in den Trümmern ihrer Häuser.

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SPIEGEL ONLINE

Jakarta - Der stellvertretende Bezirkschef von Nias, Agus Mendrofa, erklärte, zahlreiche Menschen seien unter den Trümmern ihrer Häuser begraben. Wie hoch die Zahl der Opfer ist, sei noch unklar. Er betonte: "Es hat keinen Tsunami gegeben." Die Polizei teilte mit, dass etwa 70 Prozent der Gebäude auf der Insel durch die Erschütterungen eingestürzt seien. Nach Polizeiangaben kamen möglicherweise Hunderte Menschen ums Leben. Die Rettungsarbeiter kommen in der Nacht kaum voran. Das Epizentrum des Bebens lag der bei Surfern beliebten Insel sehr nahe.

Die US-Erdbebenwarte in Golden gab die Stärke des Bebens mit 8,7 an; zunächst hatte sie 8,2 gemessen. Das Beben ereignete sich in Indonesien um kurz nach 23 Uhr (etwa 18 Uhr MESZ).

Der indonesische Erdbebenforscher Prihar Yadi vom Geophysikalischen Institut in Jakarta sagte einige Zeit nach dem Beben, wenn es einen Tsunami gegeben hätte, müsste er inzwischen die Küste von Sumatra erreicht haben. "Und wenn es keinen Tsunami an der Küste nahe dem Epizentrum des Bebens gibt, gibt es auch keinen in eine andere Richtung", erklärte Yadi. Inzwischen hob auch die thailändische Regierung die Tsunami-Warnung auf. Auch auf Sri Lanka wurde inzwischen wieder Entwarnung gegeben.

Ein Experte des Potsdamer Geoforschungszentrums erklärte im ZDF, ein Seebeben löse nur dann einen Tsunami aus, wenn es zu einer vertikalen Verschiebung des Meeresbodens komme. Werde bei dem Beben der Meeresboden lediglich horizontal bewegt, entstünden keine Flutwellen, sagte Professor Jochen Zschau im "Heute Journal".

Banda Aceh: Die Erschütterungen des Bebens trieben die Menschen in Angst aus ihren Häusern
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REUTERS

Banda Aceh: Die Erschütterungen des Bebens trieben die Menschen in Angst aus ihren Häusern

Auch das Pazifik-Tsunami-Zentrum auf Hawaii hat keine größere Flutwelle in der Nähe des Epizentrums beobachtet. Lediglich vor den zu Australien gehörenden Cocos Islands (rund 1000 Kilometer südwestlich von Java) sei eine kleinere Flutwelle registriert worden, hieß es in einem Bulletin. Wie ein Sprecher ergänzend sagte, handelte es sich um eine Veränderung des normalen Wasserstandes um etwa zehn Zentimeter.

US-Experten halten es für möglich, dass eventuelle Tsunamis in Richtung afrikanische Küste laufen, obwohl an der Küste Sumatras keine Flutwelle beobachtet wurde. Robert Cessaro von dem Pazifischen Tsunami-Warnzentrum sagte dem Sender CNN, ein Tsunami habe möglicherweise die Form eines "nach Süden gerichteten Energiestrahls" angenommen. Es sei möglich, das Mauritius von einer Flutwelle getroffen werde.

Küstenbewohner in mehreren Ländern, darunter Thailand, Sri Lanka und Japan, wurden unmittelbar nach dem zweiminütigen Beben aufgefordert, höher gelegene Orte aufzusuchen. In Banda Aceh, der Hauptstadt der gleichnamigen indonesischen Provinz, flohen Tausende Einwohner panisch aus niedrig gelegenen Stadtvierteln. "Die Menschen sind immer noch traumatisiert, angsterfüllt, sie fliehen auf höher gelegene Orte", sagte ein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation, Feri.

Mitarbeiter des Malteser Hilfsdienstes auf Sumatra berichteten, dass viele Menschen aus der Küstenregion ins Landesinnere flüchten. Man raffe alles zusammen, was man transportieren kann, berichtete ein Helfer aus Banda Aceh. Zur Zeit sind elf Helfer der Organisation auf der Insel als Berater für den Wiederaufbau nach der Flutkatastrophe vom Dezember tätig. Sie haben nach Angaben einer Sprecherin das Seebeben deutlich gespürt. Ihre Häuser seien zwar nicht beschädigt worden, jedoch hätten auch sie im Freien Zuflucht gesucht, berichtete der Helfer. Behördensprecher Budi Waluyo sagte, das Beben sei auf ganz Sumatra zu spüren gewesen.

Das Epizentrum befand sich in rund 30 Kilometer Tiefe 200 Kilometer west-nordwestlich der Stadt Sibolga auf Sumatra und 240 Kilometer südwestlich von Medan auf Sumatra, teilte die US-Erdbebenwarte mit. Ein Sprecher der US-Geologen in Golden, Dale Grant, sprach von einem Nachbeben des 9,0-Erdstoßes vom 26. Dezember. "Es ist im selben Grabensegment", sagte er. Wir erwarten Nachbeben." Er betonte, keine Hinweise auf einen Tsunami zu haben.

Erschütterungen waren bis Malaysia und Thailand zu spüren; an der malaysischen Westküste flohen Tausende von Menschen aus Hochhäusern und Hotels.

Der Meeresboden nach dem Beben im Dezember

3D-Modell der Crashzone: "Riesige Spannungsänderungen"


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Am 26. Dezember hatte ein Seebeben der Stärke 9 im Indischen Ozean einen Tsunami ausgelöst, der mit der Geschwindigkeit eines Passagierjets auf die Küsten südostasiatischer Länder zurollte. Mehr als 174.000 Menschen kamen ums Leben, 106.000 werden bis heute vermisst.

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