Mexiko-Stadt - Fast die Hälfte der eine Milliarde Katholiken weltweit lebt heute in Nord- und Lateinamerika. In Afrika und Asien verzeichnet die römisch-katholische Kirche stetig steigende Mitgliederzahlen. Deshalb fordern viele Gläubige und Geistliche jetzt, das Konklave, das frühestens am 17. April zur Papst-Wahl zusammentreten wird, müsse auf diese Entwicklung reagieren. Er hoffe, dass die Kardinäle den ersten afrikanischen Papst wählen würden, sagte der anglikanische Erzbischof Desmond Tutu aus Südafrika.
Ein Schwarzer an der Spitze der katholischen Kirche, das wäre zweifellos eine Revolution. Schon die Wahl von Papst Johannes Paul II. war eine: Der Pole war nach 455 Jahren der erste Nicht-Italiener auf dem Heiligen Stuhl.
Einige Beobachter glauben allerdings, dass die italienischen Kardinäle nach mehr als 26 Jahren Fremdherrschaft darauf bestehen werden, der neue Papst müsse wieder aus ihren Reihen kommen. Im Konklave ist Italien noch immer das am stärksten repräsentierte Land, 20 der 117 wahlberechtigten Kardinäle sind Italiener. Insgesamt kommen aus Europa 57, Lateinamerika und die Karibik sind dagegen nur mit 21 Kardinälen im Konklave vertreten, Afrika mit 11.
Das alles spiele für die Wahl eines Papstes keine Rolle, betonte der Erzbischof von São Paulo, Claudio Hummes. "Es wird nicht danach gehen, von welchem Kontinent er kommt. Es geht darum, dass die Kardinäle vor Gott stehen, unter Eid, und dass sie denjenigen wählen müssen, von dem sie glauben, dass er der Mann für diesen Augenblick in der Geschichte der Kirche und der Welt sein wird." Der dominikanische Kardinal Nicolas de Jesus Lopez Rodriguez machte dagegen deutlich, dass er die Interessen der lateinamerikanischen Katholiken stärker gewichtet sehen möchte: "Wer immer gewählt wird, sollte sein Augenmerk besonders auf diesen Kontinent richten."
Viele Beobachter sehen das ähnlich und halten den Brasilianer Hummes für einen aussichtsreichen Kandidaten. Weitere Geistliche aus Entwicklungsländern, denen gute Chancen nachgesagt werden, sind der Erzbischof der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa, Oscar Andres Rodriguez Maradiaga, und der Nigerianer Francis Arinze, bisher Leiter des Päpstlichen Rates für den Dialog mit den Religionen. Aber auch eine ganze Reihe europäischer Kardinäle sind im Gespräch. Rodriguez Maradiaga sagt dazu: "Nur der Heilige Geist weiß, wer der Nachfolger seiner Heiligkeit sein wird. Aber es macht mich glücklich, dass ich erwähnt werde - so erfährt die Welt, dass es in Honduras Gutes gibt."
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