Hamburg - Nur wenige Stunden nach der Wahl Joseph Ratzingers zum Papst kündigten zahlreiche Katholiken ihren Austritt aus der Kirche an. Wie viele es sein werden, die die Wahl Ratzingers als Anlass zum Kirchenaustritt nehmen werden, ist nach Ansicht des Religionssoziologen Helmut Geller bislang allerdings kaum vorherzusagen. Allen Erfahrungen nach hätten diejenigen, die die Papstwahl als Auslöser für den Austritt nehmen, sich schon länger mit dem Austrittsgedanken getragen, sagte er.
Im Internetforum Kirchenaustritt.de herrschte direkt nach der Wahl Ratzingers Hochbetrieb. Um 19.39 Uhr gestern Abend kündigte ein Nutzer namens Thomas als erster seinen Austritt an. Mit Ratzinger als Papst werde sich "die nächsten Jahre in Bezug auf Verhütung, Priesterehen, die Rolle der Frau" nichts ändern, so sein Schluss. Dies sei im Zeitalter der Gleichberechtigung und angesichts der wachsenden Zahl Aids-Infizierter Menschen nicht mehr zeitgemäß. Eineinhalb Stunden später hatten bereits zehn Nutzer ihren Kirchenaustritt auf der Internetseite angekündigt, wenige Stunden später waren es 18.
Während andere noch einmal abwarten wollen, welche Kirchenpolitik der neuen Papst wirklich betreibt, steht auch für Nutzer Horst der Austritt fest: "Gegen Bush kann ich leider nicht viel machen, doch Ratzinger werde ich auf keinen Fall auch noch finanziell unterstützen", schreibt er.
Seit Anfang der neunziger Jahre liegt die Zahl der Kirchenaustritte im sechsstelligen Bereich: 2003 traten nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz 129.598 Gläubige aus der Kirche aus, im Jahr davor waren es 119.405. In der evangelischen Kirche fallen die Zahlen allerdings noch höher aus: In den vergangenen 30 Jahren waren es über 5,2 Millionen.
"Signal aus Rom tief deprimierend"
Schwarzer: "Tief deprimierend"
"Ratzinger war als Chef der Glaubenskongregation für diese entmündigende Sexualpolitik verantwortlich - und wird als Papst Benedikt XVI. auch in dem Punkt der verlängerte Arm seines Vorgängers sein", kritisierte die Herausgeberin der Zeitschrift "Emma".
Auch im Zusammenhang mit dem bisherigen Verbot der Priesterweihe für Frauen kritisierte Schwarzer die katholische Kirche: "Wäre es denkbar, dass im 21. Jahrhundert Schwarze nicht Priester oder Kardinal werden könnten? Nein." Aber Frauen verweigere man weiterhin den Zutritt "zu diesem ältesten Männerbund der Welt", sagte Schwarzer. "Das ist kein Rassismus - aber nackter Sexismus." Indirekt forderte sie Frauen auf, aus dieser Kirche auszutreten. Es sei an den Katholikinnen, ihre Konsequenzen daraus zu ziehen.
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