• Drucken
  • Senden
  • Feedback
11.05.2005
 

Terroralarm in Washington

Cessna im Anflug - Kampfjets feuerten Warnschüsse

Erinnerungen an die Anschläge vom 11. September wurden wach: Ein Flugzeug näherte sich der Sperrzone über Washington. Blitzartig wurden das Weiße Haus und das Kapitol geräumt. US-Kampfjets stiegen auf, feuerten Schüsse ab. Wenig später kam die Entwarnung. Die Piloten hatten sich verirrt.

Abfangmanöver: Eine F-16 und die Cessna über Washington
Zur Großansicht
AP

Abfangmanöver: Eine F-16 und die Cessna über Washington

Washington - Nur wenige Minuten nachdem der Alarm ausgelöst worden war, gab der Sicherheitsdienst des Präsidenten Entwarnung. Eine Cessna sei in das Sperrgebiet um das Kapitol eingedrungen, teilte der US-Heimatschutz mit. Kampfflugzeuge seien aufgestiegen. Zuvor waren das Weiße Haus und das Kongressgebäude evakuiert worden. In dem Gebäude hätten Alarmglocken geschrillt, Wachen hätten "raus, raus!" gerufen, berichteten Zeugen. Bilder von Hunderten überstürzt flüchtenden Mitarbeitern des Weißen Hauses und des Kongresses ließen Erinnerungen an die Terroranschläge vom 11. September 2001 wach werden.

Ein Sprecher des Weißen Hauses teilte mit, um 11.59 Uhr(Ortszeit) sei Alarmstufe "gelb" ausgerufen worden, F-16-Kampfjets seien alarmiert worden. Um 12.01 Uhr sei die Alarmstufe auf "orange" erhöht und die Evakuierungen eingeleitet worden. Präsident George W. Bush war zu der Zeit auf einer Fahrradtour in einem Naturpark in Maryland, doch seine Frau Laura sei "an einen sicheren Ort" gebracht worden. Vize-Präsident Dick Cheney sei ebenfalls evakuiert worden. Beide seien inzwischen wieder zurückgekehrt.

Die Wachen riefen "raus, raus!"

Zu diesem Zeitpunkt sei die Maschine noch 16 Kilometer nördlich vom Weißen Haus entfernt gewesen. Zwei Minuten später sei "rot" ausgerufen worden, der Flieger habe sich bis auf etwa fünf Kilometer angenähert. Damit ist der Flieger bis in den innersten Kreis der Flugverbotszone eingedrungen, die sich in einem 25-Kilometer-Radius rund um das Washington Monument erstreckt.

Mitarbeiter des Kapitols werden evakuiert: "Raus, raus!"
Zur Großansicht
AP

Mitarbeiter des Kapitols werden evakuiert: "Raus, raus!"

Um 12.11 Uhr habe festgestanden, dass die Maschine erfolgreich abgedrängt worden sei. Daraufhin sei die Alarmstufe auf "gelb" zurückgesetzt worden. Der Präsident, der während des Vorfalls auf einer Fahrradtour außerhalb der Hauptstadt unterwegs war, sei von seinem Adjutanten über den Vorfall informiert worden.

Das Heimutschutzministerium teilte mit, die beiden F-16-Kampfflugzeuge hätten das einmotorige Sportflugzeug des Typs Cessna mehrere Kilometer vor der Hauptstadt abgefangen und Mit Leuchtmunition Warnschüsse abgegeben. Mehrere Wagen mit Sicherheitskräften rasten noch während des Alarms in das Parlaments- und Regierungsviertel.

Ein Mitarbeiter des Heimatschutz-Ministeriums berichtete, der Pilot der Cessna habe erst abgedreht, kurz darauf aber wieder auf den US-Regierungssitz zugesteuert. "Es wurden Standardprozeduren befolgt", beschrieb der Beamte den Alarm-Einsatz. Der Nachrichtensender CNN meldete, das Flugzeug komme aus dem US-Bundesstaat Pennsylvania.

Der Pilot der Cessna sei nicht in Funkkontakt mit der Luftraumüberwachung gewesen, teilten die Sicherheitsbehörden mit. Nur Flugzeuge, die einen speziellen Identifizierungscode senden, dürfen den Luftraum über Washington passieren. Dabei handelt es sich hauptsächlich um kommerzielle Fracht- und Passagierflüge.

Kampfhubschrauber eskortierten das Geisterflugzueg

Nach Angaben eines Sprecher des Weißen Hauses wurde die Sportmaschine von Jagdflugzeugen und Blackhawk-Kampfhubschraubern beim Flug aus der Flugverbotszone heraus eskortiert und im nahen US-Bundesstaat Maryland zur Landungen gezwungen. Der Pilot und ein Begleiter wurden sofort festgenommen und vom Secret Service und der Polizei vernommen. Am Abend berichtete der Sender CNN unter Berufung auf die Polizei, die Maschine sei "versehentlich" in den gesperrten Luftraum über Washington eingedrungen. Die beiden Insassen seien nach dem Verhör wieder freigelassen worden. Gegen die beiden werde vorerst keine Klage erhoben.

Wegen des Alarms war eine Sitzung des Senats im Kapitol unterbrochen worden. Alle Anwesenden hätten das Gebäude in zwei Minuten räumen müssen, berichtete CNN. Auch das Finanzministerium sowie das Oberste Gericht seien kurzfristig geräumt worden.

An der New Yorker Wall Street sackten die Kurse nach Bekanntwerden der Evakuierung kurzzeitig ab.

Terror-Alarme keine Seltenheit für Präsident Bush

Falscher Terroralarm ist keine Seltenheit. Bei den Trauerfeierlichkeiten für Ex-Präsident Ronald Reagan im Juni vergangenen Jahres, flog irrtümlich ein Flugzeug mit dem Gouverneur des Bundesstaates Kentucky an Bord in die Sperrzone und löste einen Alarm in der Innenstadt Washingtons aus.

Der letzte falsche Alarm erfolgte vor knapp drei Wochen. Am 27. April flüchtete US-Präsident George W. Bush wenige Minuten in einen Bunker unter dem Weißen Haus. Dabei handelte es sich den Angaben zufolge um eine reine Vorsichtsmaßnahme, nachdem es Hinweise auf das Eindringen eines Flugzeuges gegeben habe. Sicherheitskräfte untersuchten nach dem Vorfall, ob eine Anomalie des Radars den Alarm ausgelöst haben könnte. Nach den Worten des Sprechers des Weißen Hauses, Scott McClellan, suchte Bush auch bei anderer Gelegenheit den Bunker auf.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama

© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP