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22.06.2005
 

Überhitzt

59 junge Feuerwehrleute in Ohnmacht gefallen

Bei einem Trainingslager der Feuerwehr an der Ostsee sind Dutzende Nachwuchsfeuerwehrleute ohnmächtig geworden. Die 10- bis 18-Jährigen mussten in der Mittagshitze in voller Montur zum Appell antreten. Kurz darauf fiel einer nach dem anderen um.

Grömitz - Die Angehörigen der Jugendfeuerwehr mussten in der Mittagshitze in Dienstkleidung und mit dunkler Dienstmütze zum Appell antreten, wie ein Polizeisprecher in Eutin heute mitteilte. 59 der Kinder und Jugendlichen fielen in Ohnmacht. Die Staatsanwaltschaft Lübeck leitete ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Körperverletzung ein.

Insgesamt waren 350 Angehörige des Feuerwehrnachwuchses aus dem Kreis Schleswig-Flensburg in ein Zeltlager nahe Grömitz gefahren. Gestern traten sie zur Siegerehrung für die Wettkämpfe der vorigen Tage an. Um 12.46 Uhr erhielt die Rettungsleitstelle die Meldung, dass ein Jung-Feuerwehrmann zusammengebrochen sei. "Danach ging es Schlag auf Schlag", sagte der Eutiner Polizei-Sprecher Horst Ehrhardt. Insgesamt wurden fünf Notärzte, ein Rettungshubschrauber, fünf Rettungswagen und zwei Einsatzgruppen in das Zeltlager geschickt. Augenzeugen der Johanniter-Unfallhilfe sprachen von einem richtigen "Domino-Effekt".

Offenbar habe sich die Hitze unter den Feuerwehrmützen gestaut. Als die Zahl der Kollabierten immer größer wurde, seien Feldbetten aufgestellt worden. 24 der 59 Ohnmächtigen wurden vorsorglich ins Krankenhaus gebracht, da sie unter einem klassischen Überhitzungssyndrom litten.

Die Staatsanwaltschaft Lübeck und die Polizei ermitteln nun wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung. "Damit stellen wir nicht die Feuerwehr insgesamt unter Generalverdacht", erklärte Polizei-Sprecher Ehrhardt. Es stelle sich die Frage, "ob da nicht jemand die Hitze hätte einkalkulieren müssen". Bis zum Mittwochvormittag konnten alle Jugendlichen die Klinik wieder verlassen.

Behörden auf Hitzewellen schlecht vorbereitet

Warme Temperaturen werden offenbar nicht nur in Einzelfällen unterschätzt. Deutsche Behörden sind einem Bericht der Wochenzeitung "Die Zeit" zufolge nicht ausreichend auf länger andauernde Hitzeperioden vorbereitet. Dem Bericht zufolge hatte der Leiter für Medizin-Meteorologie beim Deutschen Wetterdienst, Gerd Jendritzky, am vergangenen Wochenende für den Südwesten Deutschlands Hitzealarm ausgelöst. Besonders alte und kranke Menschen sollten wegen des extrem warmen Wetter gewarnt werden. Die Warnungen seien allerdings in weiten Teilen Deutschlands verpufft, da die Gesundheitsämter vieler Bundesländer nicht einmal alle Adressen der Altenheime zur Verfügung gehabt hätten.

Bis auf Hessen habe kein Bundesland ausreichende Notfallpläne für den Hitzealarm, schreibt das Blatt. "Ich war völlig hilflos", sagt Jendritzky. Er habe noch nie in seinem Leben so oft die Worte "nicht zuständig" gehört. In Frankreich liegen laut "Zeit" für solche Fälle inzwischen umfassende Notfallpläne vor, in den USA sind sie schon seit einigen Jahren in Kraft. Der Deutsche Wetterdienst betreibt seit Mai einen Hitzewarndienst.

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