Bern - Ab etwa 18.00 Uhr standen im ganzen Land die Züge still, sagte der Sprecher der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), Roland Binz. Ursache seien Schwankungen im Stromnetz der Bahn im Tessin gewesen, die sich auf das ganze Netz ausgebreitet hätten. Die Spannung der Eisenbahn-Stromnetze war plötzlich von den üblichen 15.000 Volt auf 12.000 Volt abgefallen. "Es gab keine andere Möglichkeit, als den kompletten Schienenverkehr still zu legen", sagte Binz.
Er betonte, dass die Ursache des Zusammenbruchs nicht in einer Computerpanne gelegen habe. Weitere Erkenntnisse zur Ursache der wohl größten Panne in der Geschichte der Schweizerischen Bahnen lagen zunächst nicht vor.
Chaos auf den Bahnhöfen
Der Stromausfall mitten in der Stoßzeit hatte dazu geführt, dass mehr als 100.000 Reisende auf Bahnhöfen strandeten oder in Zügen festsaßen. Die Menschen waren zum Teil bei brütender Hitze in den Waggons eingeschlossen. Denn auch die Klimaanlagen waren ausgefallen.
An den Hauptbahnhöfen von Genf, Zürich und anderen Städten herrschte Chaos; die Bahnsteige in Genf waren von wartenden Menschenmassen überfüllt. In der größten Schweizer Stadt Zürich saßen etwa 50.000 Menschen fest. Hier brach auch das Straßenbahn-Netz komplett zusammen.
Erst gegen 20:00 Uhr gelang es den SBB, das Hochspannung-Stromnetz schrittweise wieder hochzufahren. Gegen 22:00 Uhr stand das Bahnnetz wieder unter Strom und in der ganzen Schweiz fuhren die Züge wieder, allerdings nicht nach Fahrplan. "Wir rechnen damit, dass wir am Donnerstag den fahrplanmäßigen Betrieb wieder aufnehmen können", sagte der Leiter Infrastruktur der SBB, Hansjörg Hess, im Schweizer Fernsehen. Es werde aber wohl auch am Tag nach dem Bahnkollaps noch zu Einschränkungen kommen.
Von dem kompletten Stromausfall im Schweizer Bahnschienennetz war auch der Zugverkehr im angrenzenden Baden-Württemberg betroffen, teilte Bahnsprecher Jürgen Friedmann mit. Von Deutschland gab es vorübergehend quasi keinen Zugverkehr mehr in Richtung Schweiz.
Panne könnte teuer werden
Die SBB sprachen von einer "absolut außergewöhnlichen" Panne, die es so noch nie gegeben habe. Das einzige bisher vergleichbare Ereignis gab es im Jahr 1997. Damals kollabierte allerdings lediglich für 40 Minuten das Stromnetz der Bahn im Westen der Schweiz.
Der jetzige Vorfall dürfte die SBB viel Geld kosten. Seit Juni gibt es bei Verspätungen von mehr als einer Stunde so genannte Entschuldigungs- (Sorry-) Schecks. Reisende der ersten Klasse bekommen 15, der zweiten Klasse zehn Franken (6,40 und 9,70 Euro) Vergütung.
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