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29.07.2005
 

Festnahme in Sambia

Terrorverdächtiger soll Bin Ladens Leibwächter gewesen sein

Sechs Jahre lang war Haroon Rashid Aswat auf der Flucht, nun sitzt er in einer Gefängniszelle in der sambischen Hauptstadt Lusaka. Sicherheitskräfte vor Ort sagen, es bestünde eine direkte Verbindung zwischen Aswat und dem Terrorfürsten Osama Bin Laden. Der Gefangene habe ausgesagt, er sei einst Bin Ladens Leibwächter gewesen.

Gefängnis in Lusaka: Briten wollen Identität des Gefangenen selbst klären
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AFP

Gefängnis in Lusaka: Briten wollen Identität des Gefangenen selbst klären

London - Der Brite, der in Sambia in Haft sitzt, habe zugegeben, in enger Verbindung mit Osama Bin Laden gestanden zu haben, sagten die Sicherheitskräfte. Ihre Namen nannten sie nicht, weil sie offiziell nicht dazu berechtigt seien, mit der Presse über den Gefangenen zu sprechen. Aswat sei in der vorigen Woche von Botswana aus eingereist. Mitarbeiter des Geheimdienstes hätten ihn bis zu seinem Unterschlupf in Lusaka verfolgt und ihn dort festgenommen, hieß es.

Aswat ist britischen Zeitungsberichten zufolge bereits seit zehn Jahren als militanter Islamist bekannt. Seit drei Jahren sind ihm westliche Geheimdienste auf der Spur. Alle Stationen passen laut Berichten zur üblichen Karriere eines Qaida-Mannes: Er besuchte die berüchtigten Londoner Finsbury-Moschee regelmäßig, bekam in einem von Osama Bin Ladens Terrorlagern in Afghanistan seine Ausbildung und soll dem Qaida-Chef dort auch persönlich begegnet sein.

Scotland Yard warnt zwar vor voreiligen Schlüssen, dass der Festgenommene tatsächlich Hintermann und Drahtzieher der Londoner Terroranschläge vom 7. Juli mit mehr als 50 Toten ist. Dennoch setzen die Fahnder große Hoffnungen in ein Verhör. Nun wollen sie sich selbst davon überzeugen, dass es sich bei dem Mann tatsächlich um Aswat handelt. Schon in der vorigen Woche hatten die Fahnder gehofft, Aswat gefasst zu haben: bei einer Razzia in Pakistan. Sicher könne man sich erst sein, wenn britische Diplomaten den Gefangenen in Sambia besucht und seine Identität geklärt hätten. Zugang zu dem Festgenommenen erhoffen sie sich binnen der nächsten zwei Tage.

Er habe sich Wochen vor den Anschlägen in London in Südafrika aufgehalten und dort wegen des Verdachts der Beteiligung an Plänen für den Aufbau eines Terroristen-Ausbildungslagers im US-Staat Oregon unter amerikanischer Überwachung gestanden, berichtet CNN. Sein Komplize sei Abdullah Kassir gewesen, der inzwischen zu zehn Jahren Haft verurteilt worden sei. Das Vorhaben sei aber nie realisiert worden, schreibt die "Times".

Ein Ersuchen der USA an Südafrika, Aswat festnehmen zu dürfen, sei an Großbritannien weitergeleitet worden. Die dortigen Behörden hätten aber den Antrag mit Blick auf die britische Herkunft des Mannes abgelehnt.

Aswat wurde nach Angaben des "Independent" am 22. September 1974 in Dewsbury bei Leeds geboren. Seine aus Indien eingewanderten muslimischen Eltern und acht Geschwister leben dort immer noch. In den vergangenen zehn Jahren haben sie ihn kaum zu Gesicht bekommen, sagen seine Angehörigen. "Wir wissen auch nur das, was man in den Nachrichten hört", sagte sein Bruder Eliyas, 27, der "Daily Mail".

Die Verbindung Aswats zu den Londoner Attentätern ist noch nicht geklärt. Die Ermittler vermuten, dass er im vorigen Jahr in einer radikalen Koranschule zwei der späteren Londoner Selbstmordattentäter getroffen habe. Zwei Wochen vor den Anschlägen soll er über den südenglischen Hafen Felixstowe nach Großbritannien eingereist sein. Dort habe er dann alle vier Attentäter getroffen. Wie seine eigene Familie lebten sie im Raum Leeds.

Unter Berufung auf Geheimdienstquellen berichtete die "Times", Aswat habe auch die Ziele für die Anschläge in London ausgesucht. Die Polizei prüft auch Hinweise, dass er kurz vor den Anschlägen mit mindestens einem der Attentäter telefoniert hat. Nur wenige Stunden vor der Tat ist er laut "Times" vom Flughafen Heathrow aus wieder abgeflogen.

In London sind die Sicherheitskräfte weiter in höchster Alarmbereitschaft. Drei Wochen nach den ersten Terroranschlägen war die Polizeipräsenz gestern auf den Straßen, vor U-Bahnhöfen und Bushaltestellen noch stärker als in den vergangenen Tagen.

Scotland Yards wichtigster Zeuge macht "Pausen"

Scotland-Yard-Chef Sir Ian Blair befürchtet, dass die drei noch flüchtigen Rucksackbomber ihrer Festnahme zuvorkommen wollen, indem sie noch einen Anschlag verüben: "Es bleibt möglich, dass die flüchtigen Täter wieder zuschlagen werden", warnte er. "Und es bleibt möglich, dass es andere Terrorzellen gibt, die ebenfalls darauf aus sind, wieder zuzuschlagen." Am Mittwoch war der mutmaßliche Rucksackbomber Yasin Hassan Omar in Birmingham überwältigt worden.

Seine Vernehmung geht laut einem Pressebericht nur langsam voran. Der seit 13 Jahren in Großbritannien lebende Mann habe einen Dolmetscher angefordert und medizinische Betreuung verlangt, berichtete die Tageszeitung "Times" am Freitag unter Berufung auf Ermittlerkreise. Zudem mache der aus Somalia stammende Omar unter Hinweis auf gesundheitliche Probleme immer wieder "Pausen". Er beklage sich über Kopfschmerzen und Brechreiz, nachdem er am Mittwoch unter Einsatz einer Elektroschockpistole festgenommen worden war.

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