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04.08.2005
 

Terror-Entschädigung

London will Hinterbliebene mit 16.000 Euro abspeisen

Von Annette Langer

Die Trauer der Angehörigen ist noch nicht überwunden, da sorgen britische Behörden für Unmut: Nur etwa 16.000 Euro will die Regierung den Familien der bei den Anschlägen vom 7. Juli getöteten Menschen als Entschädigung zahlen. Die Betroffenen sind empört und sprechen von "Almosen".

Hinterbliebene in London: "Schlag ins Gesicht"
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AFP

Hinterbliebene in London: "Schlag ins Gesicht"

London - Eine Sprecherin des Londoner Innenministeriums erklärte gestern, dass die Hinterbliebenen der 56 Terroropfer mit dem Betrag abgefunden werden sollen. Wie die zuständige Behörde zur Entschädigung der Opfer von Straftaten (Criminal Injuries Compensation Authority) bekannt gab, reduziert sich diese Summe bei mehreren Antragstellern aus einer betroffenen Familie auf 5500 Pfund (etwa 7900 Euro). "Es geht nicht darum, den Preis eines Lebens einzuschätzen, das kann niemand tun", resümierte die Sprecherin.

Die Vergabepraxis sei ein "Schlag ins Gesicht der Trauernden" empört sich der "Daily Mirror". Während Betroffenenverbände von einem "Hungerlohn" sprechen, lobt das Innenministerium sein Entschädigungssystem als eines der großzügigsten der Welt. Angesichts der Kompensationspraxis in den Vereinigten Staaten wirkt diese Aussage zumindest fragwürdig. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hatten Angehörige hier rund zwei Millionen Dollar (etwa 1,6 Millionen Euro) erhalten.

Immerhin: Für Familienmitglieder, die finanziell von den Opfern abhängig waren, besteht in Großbritannien die Möglichkeit, eine zusätzliche Entschädigung für den Verdienstausfall zu beantragen. Zudem erhalten minderjährige Waisen umgerechnet knapp 2900 Euro im Jahr. Für die rund 700 Verletzten der Anschläge vom 7. Juli will das Ministerium Entschädigungszahlungen von bis zu 250.000 Pfund leisten. Das hänge von der Schwere der Verletzungen ab, erläuterte die Sprecherin. Zusammen mit dem Verdienstausfall und durch die Finanzierung besonderer Behandlungsmethoden könne der Betrag sich im Einzelfall auf bis zu 500.000 Pfund erhöhen, hieß es.

Solche Summen werden in der Praxis allerdings äußerst selten vergeben. Die BBC berichtet von einmaligen Zahlungen an Hinterbliebene, die nur einen Bruchteil der maximalen Entschädigungen ausmachten. Die Kompensationsbehörde betrachte diese als "Zeichen öffentlicher Anteilnahme". "Wir wenden dieselben Regeln an wie bei Tod oder Verletzung durch kriminelle Gewalt", zitiert der Sender einen Sprecher der Criminal Injuries Compensation Authority, die in ihren Richtlinien akribisch sämtliche Verletzungsarten und die zu erwartenden Entschädigungszahlungen aufgeführt hat.

Das Geschäft mit den Trauernden blüht

Dass einige Hinterbliebene sich nicht mit staatlichen "Almosen" zufrieden geben, hat nun auch Geschäftemacher auf den Plan gerufen. Getreu dem Motto "No win, no fee" (Kein Gewinn, kein Honorar) versprechen sogenannte "claim companies" den Terroropfern, vor Gericht eine größtmögliche Entschädigung zu erkämpfen - und dabei kräftig mitzuverdienen.

Bereits wenige Tage nach den Anschlägen in London habe eine dieser Firmen im Internet eine Website gelauncht, auf der sie "risikofrei" professionelle Hilfe anbietet, schreibt die "Times". Der Präsident der Anwaltskammer, Kevin Martin, sagte gegenüber der Zeitung, dass die "claim companies" versuchten, Geld mit den Bombenanschlägen zu verdienen, indem sie Betroffene "mit Verträgen ködern, die ihnen große Teile der Entschädigungssummen zu sichern". "Wir haben Sorge, dass die Opfer Verträge unterzeichnen, die nicht in ihrem Interesse sind", so Martin.

Ein Sprecher der Kompensationsbehörde sagte der "Times", Terroropfer müssten in der Regel nicht für rechtlichen Beistand zahlen. "Wir versuchen, den Prozess so einfach wie möglich zu gestalten."

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