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25.08.2005
 

Hochwasser-Entwarnung

Das Wunder von Moosburg

Von Roman Heflik, Moosburg

Die ganze Nacht über haben die Helfer in Moosburg um ihren Isar-Deich gekämpft. Jeden Moment drohte der Dammbruch. Noch immer herrscht Katastrophenalarm, doch die größte Gefahr scheint gebannt.

Treibholz staut sich an einem Isarwehr bei Moosburg: "Nach allen Regeln der Statik hätten die Deiche brechen müssen"
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Treibholz staut sich an einem Isarwehr bei Moosburg: "Nach allen Regeln der Statik hätten die Deiche brechen müssen"

Moosburg - Eigentlich weiß Uwe Lerchbaumer alles über Deiche. Der Mann vom Wasserwirtschaftsamt kennt sich aus mit Hochwasser und dem Schutz davor. Und Lerchbaumer weiß auch, wann der Deich vor dem Bruch steht. Der Druck des Wassers, der Zustand des Erdreiches - Uwe Lerchbaumer kann sie mit den Gesetzen der Statik miteinander verrechnen. Und er weiß, wann das Wasser gewinnt.

Gestern Abend gegen 21 Uhr war es so weit: In zwei Stunden würden die Deiche brechen, erklärte Lerchbaumer - wenn es den Einsatzkräften nicht gelänge, das Blatt doch noch zu wenden. Den ganzen Tag war die Lage schon angespannt gewesen, der bayerische Umweltminister hatte Moosburg sogar als den kritischsten Punkt des ganzen Freistaates bezeichnet. Und nun drohte tatsächlich Land unter.

Die Uhr tickte. In rasender Hast schlugen die Helfer Bäume und Sträucher vom Deich, der sich teilweise durch dichtesten Wald schlängelte. Mit Baggern und Lastern schafften Technisches Hilfswerk, Feuerwehr und zivile Helfer Tonne auf Tonne Sand heran, um die Deichkrone über Hunderte von Metern aufzuschütten.

Freiwillige eilten mit Schubkarren heran, um bei der Verteilung der Sandsäcke zu helfen. An besonders unzugänglichen Stellen warfen Hubschrauber der Bundeswehr und der Polizei eine Sandsack-Ladung nach der anderen ab. Es wurde dunkel, doch niemand hörte auf zu schippen und zu schleppen.

Und trotzdem: Die Isar stieg immer weiter, stellenweise schwappte das Wasser den Helfern über die Füße. Von der Innenseite des Deiches erklang lautes Plätschern - der Deich leckte. Es schien ein vergeblicher Kampf: Lerchbaumers Prognose würde in Erfüllung gehen.

Aber die Katastrophe ist ausgeblieben. Uwe Lerchbaumer ist verblüfft: "Es grenzt an ein Wunder, dass die Deiche noch stehen. Nach allen Regeln der Statik hätten sie brechen müssen", sagt der Experte. Er ist erschöpft: Seit mehr als 50 Stunden ist er jetzt schon auf den Beinen, um bei der Koordination der Einsätze zu helfen. Aber noch ist an Schlaf nicht zu denken: Das Sickerwasser macht den Einsatzleitern Sorgen. Wenn man das nicht in den Griff kriegt, droht der Auffangdamm hinter dem eigentlichen Deich überzulaufen.

Auch Anita Meinelt, die Bürgermeisterin von Moosburg, will noch keine Entwarnung geben. Doch die Erleichterung ist ihrer Stimme deutlich anzuhören: "Die Situation ist jetzt so, dass wir sagen können: 'Wir haben die Deiche zurzeit im Griff.'" Der Wasserstand falle langsam, aber er falle. Meinelt weiß, wie knapp ihr Städtchen am Unglück vorbeigeschrammt ist: "Das war schon Unterkante Oberlippe." Wenn alles gut gehe, sagt Meinelt, werde sie morgen zum ersten Mal seit Wochenanfang wieder länger als zwei Stunden schlafen können. Und schon meldet sich der Alltag zurück: Am Samstag wird Meinelt wieder unterwegs sein - diesmal allerdings nicht auf dem Deich, sondern bei Wahl des städtischen Seniorenbeirats.

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