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01.09.2005
 

Hurrikankatastrophe

Uno befürchtet größere Schäden als nach Tsunami

Hurrikan "Katrina" hat nach Einschätzung der Uno eine der schlimmsten Naturkatastrophen der Geschichte verursacht – die materiellen Schäden seien größer als nach dem Tsunami-Drama in Asien. Experten befürchten jetzt den Ausbruch von Seuchen in den Hurrikan-Gebieten.

New Orleans: Feuerwehrleute beim Einsatz
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AFP

New Orleans: Feuerwehrleute beim Einsatz

New York - Die gute Vorbereitung der Behörden und die rechtzeitige Evakuierung vor dem Wirbelsturm hätte zu einer weit geringeren Opferzahl als in Südostasien geführt, erklärte Uno-Hilfskoordinator Jan Egeland gestern in New York.

"Gemessen an den zerstörten Häusern und den betroffenen Menschen ist dies eine der zerstörerischsten Naturkatastrophen, die je gemessen wurden", sagte Egeland. Er lobte die Behörden für die "sehr effektiven Warnungen vor der Gefahr und für die sehr erfolgreichen Evakuierungen". Nach Angaben des Bürgermeisters von New Orleans, Ray Nagin, kamen allein in seiner Stadt Tausende Menschen ums Leben. Auch in Mississippi werden Hunderte Opfer befürchtet. Die Tsunami-Katastrophe vom 26. Dezember hatte 180.000 Menschen das Leben gekostet.

Die Sorge wächst, dass sich Seuchen wie Typhus und Cholera ausbreiten könnten. "Die Bedingungen verschlechtern sich rapide", warnte ein Gesundheitsexperte von der Staats-Universität Louisiana.

Während die Opferzahl in Asien dramatisch höher lag, ist der materielle Schaden, den "Katrina" verursachte, deutlich größer. Schätzungen zufolge könnte er sich auf bis zu 25 Milliarden Dollar belaufen, die Schäden in Asien nach der Flutwelle summierten sich insgesamt auf 10 Milliarden Dollar.

Egeland sagte der US-Regierung jede erdenkliche Hilfe zu, obwohl die USA "die weltweit größten Ressourcen für die Suche nach Opfern, für die Versorgung der Verletzten und für den Wiederaufbau haben." Bislang sei allerdings keine Anfrage eingegangen. Uno-Generalsekretär Kofi Annan drückte den Betroffenen sein Beileid aus und nannte die Naturkatastrophe "wirklich tragisch". "Ich weiß, dass die US-Regierung alles versucht, um zu helfen. Aber wir haben die Kraft der Natur zu spüren bekommen und gesehen, was sie anrichten kann."

"Die Leute haben kein Trinkwasser"

Die Lage in den verwüsteten Gebieten im Südosten der USA spitzt sich weiter zu. US-Sender berichteten über die wachsende Frustration und Verzweiflung der Betroffenen in den Katastrophengebieten. Tausende Menschen sollen in der verwüsteten Küste am Golf von Mexiko in ihren überfluteten Häusern noch immer gefangen sein. "Die Lage ist schrecklich, es ist heiß und feucht und die Leute haben kein Trinkwasser", räumte Michael Brown, Chef der US-Behörde für Katastrophenmanagement (FEMA) ein.

Die US-Regierung rief gestern bereits vorsorglich für die betroffene Küstenregion den "Gesundheitsnotstand" aus. Augenzeugen berichteten von zahlreichen im Wasser treibenden Leichen und von Menschen, die wegen ausbleibender Versorgung mit Wasser und Lebensmittel zusammenbrechen und sterben würden. "Wir hätten besser auf so eine Katastrophe vorbereitet sein müssen", sagte die demokratische Senatorin Mary Landrieu aus Louisiana dem Sender CNN.

Auf einer Autobahn bei New Orleans, die noch passierbar ist, versammelten sich Hunderte Menschen und riefen vorbeifahrenden Autoinsassen zu: "Bitte helft uns." Andere streckten leere Becher aus und bettelten um Wasser. Weinende Menschen flehten Journalisten vor Ort an, ihnen bei der Suche nach vermissten Familienangehörigen zu helfen.

Wachsende Angst vor Seuchen

Auch die Plünderungen nehmen immer schlimmere Ausmaße an. Nach Fernsehberichten räumten gestern in der nach einem Dammbruch zu 80 Prozent überfluteten Metropole New Orleans (Louisiana) "ganze Horden von Menschen" Läden aus. Plünderer benutzten in einem Fall sogar einen Gabelstapler, um Fensterscheiben in einem höheren Stockwerk einzuschlagen. Die Rettungsdienste gingen davon aus, dass sich noch rund 80.000 Menschen in New Orleans aufhalten. Die zu großen Teilen bereits vor dem Sturm evakuierte Stadt war ohne Strom, das Trinkwasser verunreinigt. Für die Zurückgebliebenen wurden die Lebensmittel knapp.

Im Nachbarstaat Texas rüstete man sich unterdessen für das Eintreffen von tausenden Katastrophen-Flüchtlingen. Um Mitternacht (Ortszeit) sollten die erste Busse aus New Orleans vor dem Astrodome- Stadion in der texanischen Hauptstadt Houston anrollen. Dort sollen die schätzungsweise 23.000 bis 30.000 Menschen, die bisher unter unerträglichen sanitären Umständen im Footballstadion "Superdome" in New Orleans campierten, vorübergehend eine Bleibe finden.

US-Präsident George W. Bush verschaffte sich auf seinem Rückflug von seiner Ranch in Crawford nach Washington an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One aus der Luft ein erstes persönliches Bild von der Lage in Louisiana und in Mississippi, wo nach inoffiziellen Angaben bereits mindestens 110 Tote gezählt worden und ganze Straßenviertel im Wasser verschwunden sind. Nach Angaben von Bush befanden sich gestern insgesamt 78.000 Menschen in Notunterkünften.

Der Wiederaufbau in den drei hauptsächlich betroffenen Staaten Louisiana, Mississippi und Alabama werde Jahre dauern, sagte Bush nach einem Flug über die betroffenen Gebiete. "Aber wir werden es schaffen." Im Einzelnen kündigte er die Entsendung mehrerer Marineschiffe, amphibischer Fahrzeuge sowie Hubschrauber und die Einrichtung dutzender großer Feldlazarette mit insgesamt 10.000 Betten an. Hunderte von Lastwegen stünden für Hilfsgütertransporte bereit, beispielsweise für die Anlieferung von 5,4 Millionen Paketen Fertignahrung. Bush will auch zusätzliche 11.000 Nationalgardisten in die Katastrophengebiete schicken. 5000 von ihnen sollen der Polizei helfen, für Ruhe und Ordnung zu sorgen.

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