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05.09.2005
 

New Orleans

Polizei erschießt Plünderer

Die Lage im Katastrophengebiet der US-Südstaaten bleibt chaotisch. In New Orleans erschossen Polizisten mindestens fünf bewaffnete Männer, die Arbeiter einer Pioniereinheit der US-Armee angegriffen haben sollen. Immer mehr Einsatzkräfte verzweifeln an ihren Aufgaben.

Militär in New Orleans: Enorme psychische Belastung der Sicherheitskräfte
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REUTERS

Militär in New Orleans: Enorme psychische Belastung der Sicherheitskräfte

New Orleans - Die insgesamt 14 Arbeiter waren im Auftrag der Einheit auf dem Weg zu Reparaturarbeiten an einem Kanal der Stadt, wie ein Militärsprecher mitteilte. Dabei wurden sie von den Polizisten eskortiert. Der Vorfall ereignete sich gestern auf der Danziger Brücke über einen Kanal, der den See Pontchartrain mit dem Mississippi verbindet.

Der Absturz eines privaten Hubschraubers in New Orleans verlief nach Angaben der Behörden glimpflich. Die beiden Besatzungsmitglieder hätten bei dem Unfall rund sechs Kilometer vom Stadtzentrum entfernt lediglich Schürf- und Schnittwunden erlitten, teilte ein Sprecher der Katastrophenschutzbehörde von Louisiana mit. Es gebe bislang keinen Hinweis darauf, dass der zivile Hubschrauber beschossen worden sei. Allerdings sei derzeit völlig unklar, was der Helikopter in der Stadt gemacht habe, betonte der Sprecher. Er sei nicht im offiziellen Auftrag unterwegs gewesen.

US-Außenministerin Condoleezza Rice verteidigte nach einem Besuch im Katastrophengebiet das Krisen-Management von Präsident George W. Bush. Es könne keine Rede davon sein, dass dem Präsidenten das Schicksal der Schwarzen in New Orleans gleichgültig sei, sagte Rice gestern in ihrem Heimatstaat Alabama. Zuvor hatten politische Führer der schwarzen Minderheit, unter ihnen Pfarrer Jesse Jackson, der Regierung vorgeworfen, sie habe zu spät auf die Katastrophe reagiert, weil die Opfer überwiegend Schwarze und Arme seien.

Nach der Evakuierung des Superdomes und des Kongresszentrums begannen die Einsatzkräfte in New Orleans damit, sich auf die Bergung von Toten zu konzentrieren. Die Behörden befürchten, dass die Gefahr von Seuchen zunehmen könnte. Es wird vermutet, dass die Katastrophe mehrere tausend Menschen das Leben gekostet hat. Im Gefängnis St. Gabriel wurde eine Leichenhalle eingerichtet; allein dort rechneten die Gesundheitsbehörden mit 1000 bis 2000 Toten. In einer ersten offiziellen Zählung bestätigten die Behörden 59 Tote im Raum New Orleans, unter ihnen zehn aus dem Superdome, dem Footballstadion der Stadt.

Selbstmorde unter Polizisten

US-Heimatschutzminister Michael Chertoff bereitete seine Landsleute auf das Schlimmste bei einem Rückgang der Flut vor. Der Anblick nach Abfließen des Wassers werde "so schlimm sein wie nichts, was wir jemals in diesem Land gesehen haben, vielleicht mit Ausnahme des 11. Septembers", sagte er dem US-Fernsehsender Fox. Viele Menschen seien in tödliche Fallen geraten, als sich in ihren Häusern versteckten und dort vom Wasser eingeschlossen wurden.

Inzwischen häufen sich die Berichte über eine wachsende psychische Belastung der Einsatzkräfte. Mindestens zwei Polizisten setzten ihrem Leben mit einem Schuss in den Kopf ein Ende. In den nicht unmittelbar vom Hurrikan "Katrina" betroffenen Staaten wächst inzwischen die Sorge, wie die mehr als 500.000 obdachlos gewordenen Menschen versorgt werden können. Allein in Texas trafen mehr als 230.000 Flüchtlinge ein.

Derweil nahmen die USA das Hilfsangebot der Vereinten Nationen für das Hurrikan-Katastrophengebiet an. Ein Uno-Koordinierungsteam lote derzeit in Washington aus, wie die Weltorganisation die Bemühungen der USA am besten unterstützen könne, sagte ein Uno-Sprecher am Sonntag in New York. Die Uno sei bereit, "Hilfspersonal und eine Vielzahl von Hilfsgütern" zur Verfügung zu stellen. Dabei sollten auch Unterorganisationen wie das Kinderhilfswerk Unicef, die Weltgesundheitsorganisation WHO, das Welternährungsprogramm WFP sowie das Hochkommissariat für Flüchtlinge mit eingebunden werden.

US-Präsident Bush ordnete landesweit an, im Gedenken an die Katastrophenopfer Flaggen an Amts- und Militärgebäuden auf halbmast zu setzen. Die Direktive gelte bis Dienstag zum Sonnenuntergang, teilte das Weiße Haus mit. Gleiches gelte auch für alle US-Vertretungen im Ausland.

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