New Orleans - Bewaffnet ziehen Polizisten und Soldaten von Haus zu Haus, suchen nach Überlebenden und beschlagnahmen deren Waffen. Die Polizei rechnet bei den Evakuierungen mit heftigen Protesten und Reibereien mit uneinsichtigen Bewohnern, eine gewalttätige Auseinandersetzung mit den Ausharrenden soll verhindert werden. Den Bewohnern wird eine Frist gesetzt, in der sie die Stadt zu verlassen haben. Die Zurückgebliebenen haben die Wahl - entweder sie gehen freiwillig, oder sie werden dazu gezwungen und in Handschellen abgeführt.
Viele Bewohner lehnen es ab, New Orleans zu verlassen - sie haben genügend Vorräte, ihre Häuser wurden nicht oder nur unwesentlich beschädigt. Die Gründe, zu bleiben, sind vielfältig: Einige wollen nicht gehen, sondern beim Wiederaufbau ihrer Stadt helfen, andere wollen ihre Tiere oder ihr Hab und Gut nicht allein zurücklassen.
Die Situation in den meisten Stadtteilen ist jedoch noch immer sehr schlecht. Ein Großteil der Häuser ist von der Stromversorgung abgeschnitten, und sofern es noch Leitungswasser gibt, ist dies nicht trinkbar. Viele der Ausharrenden schöpfen ihr Trinkwasser aus Schwimmbädern und Springbrunnen.
Die durchsuchten Häuser werden von den Einsatztrupps mit Codes markiert, die anzeigen, ob lebende oder tote Menschen in dem Gebäude gefunden werden konnten. "Die Menschen müssen die Stadt verlassen, damit wir die Arbeit, die Stadt wieder aufzubauen, fortfahren können", erklärte Vize Admiral Thad W. Allen, der den Einsatz koordiniert, dem Sender CBS. Man werde zwar versuchen, so wenig Zwang wie möglich anzuwenden, es bestehe aber nicht die Option, in der Stadt zu bleiben, zitiert die "Washington Post" Compass.
Einige Bewohner der Katastrophengebiete in den USA sind dennoch hartnäckig. Weder "Katrina" noch drohende Plünderungen oder die verseuchten Wassermassen können sie davon abhalten, in ihren Häusern auszuharren. Am Mittwoch hatte Bürgermeister Ray Nagin angeordnet, die Stadt notfalls unter Anwendung von Gewalt zu räumen.
Trotz der Anordnung Nagins setzen die Streitkräfte aber noch auf Überzeugung. Man werde behutsam mit den Menschen umgehen, sagte der Polizeichef von New Orleans, Eddie Compass. "Wir werden nicht grob sein und ein Minimum an Zwang anwenden", so Compass weiter.
Die Zwangsevakuierung war aus Gesundheitsgründen angeordnet worden. E.coli-Bakterien und andere gesundheitsschädliche Keime sind im Wasser gefunden worden. Mehrere Menschen sind bereits durch mit dem Schmutzwasser infizierte Wunden gestorben.
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