Houston - Der Hurrikan hat sich weiter abgeschwächt und ist zum Tropensturm herabgestuft worden. Der Sturm weise nur noch Geschwindigkeiten von rund einhundert Stundenkilometern auf, teilte das Nationale Hurrikan-Zentrum am Samstag mit. Trotzdem sei noch "tagelang" mit schweren Regenfällen im US-Bundesstaat Texas zu rechnen, hieß es.
Die Hauptsorge gilt im Augenblick der Region um Lake Charles, wo mit den schlimmsten Schäden, vor allem Überschwemmungen, gerechnet wird. Bislang sind die Rettungskräfte noch nicht dorthin vorgedrungen. Erste Berichte einer mobilen Sendeeinheit von CNN deuten auf massive Überflutungen in diesem Bereich hin.
Die zu 90 Prozent evakuierte Inselstadt Galveston in Texas ist nach ersten Einschätzungen von "Rita" nicht so hart getroffen worden wie befürchtet. Zwar seien Häuser beschädigt und Straßen überflutet worden, berichtete der TV-Sender CNN. Aber so weit man es im Dunkeln sehen könne, hielten sich die Schäden in Grenzen.
Es scheine keine Straße zu geben, die unpassierbar sei, und in einigen Stadtteilen gebe es Lichter in den Häusern. Auch die Überschwemmungen seien anscheinend nicht gravierend: Das Wasser werde sich vermutlich im Laufe des Tages weitgehend oder völlig zurückziehen. "Wir wollen nicht voreilig sein, aber die Einwohner werden wahrscheinlich Glück haben", sagte ein Reporter.
Auch in Houston scheinen die Schäden deutlich geringer zu sein als befürchtet worden war. "Sieht aus, als ob Houston und Galveston wirklich Glück hatten", sagte Max Mayfield, Direktor des National Hurricane Center. Allerdings brennen in Galveston, Houston und Pasadena mehrere Gebäude. Die Feuer seien vermutlich durch heruntergerissene Stromleitungen ausgelöst worden, teilten die örtlichen Behörden mit. "Es war wie in einem Kriegsgebiet, Feuer schoss über die Straße", sagte ein Feuerwehrmann. Die immer noch mächtigen Winde fachen die Flammen stetig weiter an. Verletzte gab es nach Angaben der örtlichen Behörden nicht.
"Houston hält stand"
Alles in allem ist Housten aber offenbar glimpflich davongekommen. "Houston hält Stand", sagte Bürgermeister Bill White am Samstag im Morgengrauen vor Journalisten. Es lägen keinerlei Berichte über Opfer vor, die Polizei habe wesentlich weniger Notrufe registriert als an normalen Tagen. Die Lage sei so ruhig gewesen, dass die Feuerwehr ins 80 Kilometer entfernte Galveston geschickt worden sei, um dort beim Löschen von Bränden zu helfen. Die Bewohner von Houston wurden dennoch aufgefordert, vorerst in ihren Häusern zu bleiben.
White kritisierte gleichzeitig die Umstände der Evakuierung von Texas, die am Freitag ausgesetzt worden war. Es sei "total inakzeptabel", dass die Benzinreserven in Texas für die aus der Stadt fliehenden Autofahrer nicht ausgereicht hätten, bemängelte er. Zehntausende Autofahrer hatten am Donnerstag und Freitag auf der Flucht vor "Rita" in Monster-Staus festgesessen. Viele mussten ihre Autos schließlich stehen lassen, nachdem ihnen das Benzin ausging.
Der Regen birgt weiterhin Gefahren
Der Bereich, in dem die stärksten Winde auf die Küste trafen, ist eine relative dünn besiedelte Gegend, so dass die eigentlichen Sturmschäden möglicherweise nicht so dramatisch ausfallen. Größere Gefahr geht von den extremen Regenfällen aus, die der Hurrikan weit ins Landesinnere trägt.
US-Experten sprechen von bis zu 60 Zentimetern Niederschlag pro Quadratmeter, die innerhalb der nächsten Stunden in einigen Gebieten fallen könnten. Die Menschen in der Region werden davor gewarnt, bei nachlassendem Wind wieder in ihre Autos zu steigen, denn schon wenige Zentimeter fließendes Wasser könnten Fahrzeuge von befestigten Straßen spülen. Gleichzeitig drohen lokale Tornados, die sich um die sogenannte "Eyewall" den Bereich um das Auge des Hurrikans herum, entwickeln könnten.
Fliegendes Glas und Stromausfälle
Im texanischen Beaumont, das in der Nähe des Ortes liegt, an dem "Rita" auf die Küste traf, flogen Scherben von zerschmetterten Fensterscheiben, Äste und Ziegel durch die Luft. Inzwischen haben sich die Bedingungen dort erheblich verbessert. Der Wind hat nachgelassen, seit 45 Minuten regnet es heftig, berichtete ein CNN-Reporter vor Ort gegen 14 Uhr deutscher Zeit. Es gebe keine Anzeichen für größere Überflutungen.
In Tyler County, Texas, riss der Wind Dächer von Gebäuden. Auch das örtliche Polizeirevier war betroffen. Viele Einwohner der Region müssen ihren Tag aufgrund von Sturmschäden ohne Strom beginnen. Etwa 500.000 Haushalte sind davon nach Angaben der lokalen Energieversorger im Augenblick betroffen.
Besorgnis herrscht nach wie vor mit Blick auf die Ölbohrplattformen vor der texanischen Küste und Raffinerien und Chemiefabriken entlang der Uferlinie. In der Region befindet sich etwa ein Viertel der gesamten Raffinierie-Kapazität der USA. Ersten Berichten zufolge halten sich aber auch dort die Schäden in Grenzen. Die meisten Fabriken und Raffinerien seien nicht betroffen, sagte der Republikanische Politiker Ted Poe auf CNN.
Das Hurrikan-geschädigte New Orleans ist erneut bis zu eineinhalb Meter hoch mit Wasser bedeckt, die Regenfälle haben dafür gesorgt, dass die notdürftig geflickten Dämme erneut brachen. Genauere Informationen aus der Stadt gibt es derzeit nicht, weil die Sonne in der Region noch nicht aufgegangen ist. Ein Militärsprecher sagte CNN, die Pumpen sollten im Laufe des Vormittags wieder angeworfen werden, um die erneuten Überschwemmungen zu bekämpfen. Man werde erneut Sandsack-Barrieren errichten, um die Dämme zu verstärken, sagte der verantwortliche Offizier zu CNN. Er hoffe, das Wasser könne schneller abgepumpt werden als nach Hurrikan "Katrina". Wie weit "Rita" die Aufräumarbeiten zurückgeworfen habe, könne er derzeit noch nicht sagen. Die Innenstadt und das "French Quarter" wurden aber offenbar verschont - "Downtown ist trocken" meldete ein CNN-Reporter erleichert, als in New Orleans die Sonne aufging.
US-Präsident George W. Bush ist am Freitag zu einer US-Militärbasis in Colorado gereist, um sich ein Bild von der Lage vor der Ankunft von Hurrikan "Rita" an der US-Golfküste zu machen. Zuvor hatte Bush kurzfristig seine Reisepläne geändert und einen Besuch im US-Bundesstaat Texas abgesagt, um dort nicht Such- und Rettungsmannschaften zu behindern. Stattdessen entschied sich der Präsident, direkt nach Colorado zu reisen. Wie das US-Präsidialamt mitteilte, sei nun für heute doch noch ein Besuch Bushs in Texas geplant. Demnach soll Bush zunächst nach Austin und dann nach San Antonio fliegen, wo er übernachten wird.
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