Mexiko-Stadt/Havanna - "Wilma" war heute Morgen zum Sturm der Kategorie fünf hochgestuft worden. Die Meteorologen des Hurrikanzentrums in Miami (US-Bundesstaat Florida) ordneten den Wirbelsturm in ihrem jüngsten Bericht als "extrem gefährlich" ein. Schneller habe sich noch kein Sturm zum Hurrikan entwickelt, sagte der Meteorologe Hugh Cobbs. Seitdem herrschte etwa im Ferienzentrum von Cancun an der Nordspitze Mexikos große Besorgnis. Dem Sturm fielen bereits zwölf Menschen zum Opfer.
Die Vorbereitungen zum Schutz vor dem Hurrikan liefen an Mexikos Küste auf vollen Touren. Die Schiffe wurden in den riesigen Mangrovenwäldern in Sicherheit gebracht, Häuser abgesichert, die Halbinsel Holbox evakuiert und Veranstaltungen abgesagt. Touristen in Cancun strömten zum Flughafen, um sich über mögliche Rückflüge zu informieren. Der Musiksender MTV sagte die Preisverleihung zu den Latin Music Awards ab, die in einem Park an der Küste südlich von Cancun stattfinden sollte. Die Feier wurde auf einen unbestimmten Termin verschoben.
Die meisten modernen Hotels in Cancun sind sehr stabil gebaut und gelten als hurrikansicher. Doch für Sturmgeschwindigkeiten von 280 Stundenkilometern gibt es keinerlei Erfahrungen. "Hoffentlich zieht der Sturm an uns vorbei", sagte ein Einwohner von Cancun. "Wir haben dieses Mal sehr große Angst."
Wie der Hurrikan-Experte Thomas Sävert vom Wetterdienst Meteomedia in Deutschland mitteilte, lag heute der Luftdruck im Zentrum des Sturmes mit 884 Hektopascal noch tiefer als bei dem bisherigen Spitzenreiter "Gilbert" aus dem Jahr 1988. Damals waren 888 Hektopascal gemessen worden. Weltweit waren bisher lediglich einige Taifune stärker. Den Rekord hält laut Sävert der Taifun "Tip", für den am 12. Oktober 1979 ein Luftdruck von 870 Hektopascal geschätzt wurde.
"Wilma" stand heute mehrere hundert Kilometer östlich der mexikanischen Halbinsel Yucatan und südlich von Kuba und Jamaika. Er entwickelt Windgeschwindigkeiten von 280 Kilometern pro Stunde. Sein Zentrum bewegt sich nach Angaben der regionalen Wetterdienste mit 13 Stundenkilometern nach Nordwesten auf den Golf von Mexiko zu. Nach Berechnungen der US-Marine in Norfolk wird "Wilma" am Freitag oder Samstag zwischen der Nordspitze von Yukatan und Westkuba den Golf erreichen. Dann werde er sich auf Südflorida zubewegen, wo er nach dem Wochenende erwartet wird.
"Wilma" ist nach "Katrina" und "Rita", die in den USA große Verwüstungen angerichtet hatten, der dritte Wirbelsturm der höchsten Kategorie in diesem Jahr. Der Wirbelsturm ist der zwölfte Hurrikan der Saison. Diese Anzahl der Wirbelstürme wurde in der bis 1851 zurückreichenden Statistik bisher nur 1969 beobachtet.
Bereits am Dienstag waren Teile Kubas, Haiti, die Dominikanische Republik und Jamaica von schweren Regenfällen heimgesucht worden.
Wegen Überschwemmungen wurden nach Angaben der Behörden des Karibikstaates Kuba rund 5000 Menschen in den östlichen Landesteilen in Sicherheit gebracht. Rund 200 Gebäude seien beschädigt worden.
Eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern warnt in einer neuen Studie zur globalen Erderwärmung vor neuen Fluten, Dürreperioden und Hitzewellen in den USA. Extreme Wetterlagen würden sich in den nächsten 100 Jahren verschärfen, heißt es in dem Bericht von Forschern der Purdue University (US-Bundesstaat Indiana) und des Internationalen Zentrums für Theoretische Physik in Triest (Italien).
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