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21.10.2005
 

Hurrikan

"Wilma" verwüstet Mexikos Küste

Gigantische Regenmengen, peitschende Winde, umherfliegende Trümmer - Hurrikan Wilma wütet über dem mexikanischen Ferienparadies Cancun. Da sich das Auge des Wirbelsturms nur sehr langsam weiterbewegt, werden schwerste Zerstörungen befürchtet.

Havanna/Cancun - Mit sintflutartigen Regenfällen und Windgeschwindigkeiten von 230 Stundenkilometern wütet "Wilma" jetzt über Mexiko. Der Hurrikan peitschte zunächst über die Insel Cozumel hinweg und prallte dann mit unbändiger Wucht auf die Küste der Halbinsel Yucatan. In der Stadt Cancun füllten sich die Straßen wegen starker Regenfälle mit Wasser. Die Strände wurden ersten Informationen zufolge schwer beschädigt und teilweise weggespült.

Überschwemmungen in Cancun: mit bis zu 1000 Liter Niederschlag pro Quadratmeter wird gerechnet
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AFP

Überschwemmungen in Cancun: mit bis zu 1000 Liter Niederschlag pro Quadratmeter wird gerechnet

Auf der Insel Cozumel gingen durch den starken Sturm diverse Fensterscheiben zu Bruch, Bäume stürzten um und Dachziegel flogen durch die Luft. Die Menschen versuchten verzweifelt, sich in Sicherheit zu bringen. Während Hunderte Touristen von Cozumel geflohen waren, hatten 970 Touristen darauf bestanden, auf der Insel zu bleiben. Die meisten von ihnen drängten sich in den zu Notunterkünften umfunktionierten Tanzsälen der großen Hotels. Mehr als 10.000 deutsche Touristen befinden sich nach Schätzungen des Auswärtigen Amtes in den bedrohten Gebieten.

Der Hurrikan der zweithöchsten Kategorie vier hatte zuvor wieder an Stärke gewonnen und war intensiver als "Katrina" beim Auftreffen auf die amerikanische Golfküste am 29. August. Damals kamen mehr als 1200 Menschen um. "Wilma" hat in der Karibik bereits 13 Menschen das Leben gekostet - zwölf auf Haiti und einen auf Jamaika.

Nach Angaben des Hurrikan-Centers in Miami handelt es sich bei "Wilma" um einen ungewöhnlich großen Hurrikan. Sein Auge habe einen Durchmesser von 65 Kilometern und bewege sich nur sehr langsam weiter. Dies führe dazu, dass der Regen in den betroffenen Gebieten noch länger anhalte als befürchtet. Stellenweise werden bis zu 1000 Liter Niederschlag pro Quadratmeter erwartet.

Während das Auge über Land ziehe, herrsche womöglich stundenlang ein Zustand der trügerischen Ruhe, warnten die Meteorologen. An den Rändern aber tobten Stürme, die noch in 300 Kilometern Entfernung katastrophale Verwüstungen anrichten könnten. Die Wetterexperten rechnen damit, dass "Wilma" von Yucatan aus in Richtung Florida ziehen und dabei die Westspitze von Kuba streifen werde.

Im US-Staat Florida wurde die Ankunftszeit des Hurrikans auf Montag terminiert, einen Tag später als zuvor erwartet. Die Touristen auf Key West, der Inselkette an der Südspitze Floridas wurden zur Abreise aufgefordert. In dem Landkreis Monroe County und auf der Insel Sanibel vor der Westküste ordneten die Behörden die "freiwillige Evakuierung" an. Sanibel-Polizeichef Bill Tomlinson sagte dem Nachrichtensender CNN, dass "eine Zwangsevakuierung jeweils nach Einzelfällen geprüft werden wird".

Schulen und Behörden wurden in zahlreichen Gemeinden Floridas am Freitag geschlossen. Im Südwesten Floridas führte ein Ansturm auf Tankstellen zu Engpässen. Auf vielen Straßen stauten sich die Fahrzeuge der Menschen, die vorsorglich vor der drohenden Ankunft des Hurrikans fliehen wollten.Zugleich erhöhte sich die Sorge über die länger anhaltenden ausgiebigen Regenfälle. Der Sprecher von US-Präsident George W. Bush, Scott McClellan, betonte, die Menschen sollten den Hurrikan sehr ernst nehmen. Die Regierung verfolge die Situation genau.

Die Stadt Cancun hatte sich seit Tagen auf den gefährlichen Sturm vorbereitet. Die Discos brachten ihre riesigen Neon-Schilder vor dem nahenden Hurrikan in Sicherheit. Die Angestellten von Bars und Restaurants nagelten Bretter vor die Fenster und Türen. Touristen brachten sich in Sicherheit. Viele Hotels stehen danach leer. Das beliebteste Urlaubsziel in Mexiko macht einen verlassenen Eindruck.

Der Flughafen der Stadt ist geschlossen. Wer die Flucht nicht rechtzeitig ergriffen hat, ist jetzt auf die Notunterkünfte angewiesen. 2500 Urlauber haben im Cuxin-Baxal-Stadion Zuflucht gesucht. An der Disco "Mr Froggs" brachten Feriengäste ein Transparent an: "Wilma, du bist nicht zu unserer Party eingeladen". Doch die Party ist ohnehin vorbei. Die Behörden haben der trinkfesten Stadt nun sogar ein Alkoholverkaufsverbot auferlegt.

Jeff und Robyn Bakken aus Wisconsin hatten sich ihre Ferien auch anders vorgestellt. Jetzt feiern sie ihren 15. Hochzeitstag in einer riesigen Turnhalle, in der sie mit 1500 anderen darauf warten, dass "Wilma" vorüberzieht. An einem Campingtisch in der Halle verkaufen zwei Einheimische T-Shirts. "I survived Hurricane Wilma" ("Ich habe Hurrikan Wilma überlebt") steht darauf. "Da können wir den Kindern wenigstens eine großartige Geschichte erzählen", sagt Bakken der "San Diego Union-Tribune".

Etwa 38.000 Touristen, überwiegend aus den USA und Europa, verbrachten bereits die Nacht in Notaufnahmelagern. Von den 33.000 Urlaubern, die in Hotels am Strand von Cancun untergebracht waren, wurden 8000 in Turnhallen und Schulen der Stadt umgesiedelt.

Auch bis zu 6000 deutsche Pauschal- und Individualreisende halten sich in Cancun auf. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes sind in einigen "exponierten Hotels" Evakuierungsmaßnahmen angelaufen oder bereits abgeschlossen. Der deutsche Honorarkonsul in Cancun sagte, Reiseveranstalter und mexikanische Behörden hätten ein Kommunikationsnetz aufgebaut. Die deutsche Botschaft werde zusätzliche Konsularbeamte in die Region entsenden. Etwa 2500 Deutsche seien auf Kuba und 3000 deutsche Touristen im US-Bundesstaat Florida. Von Reisen in die Gebiete riet das Auswärtige Amt dringend ab.

Auch im Westen Kubas brachten sich die Menschen nach nachdrücklichen Warnungen der Behörden so gut es ging in Sicherheit. "Der Feind ist da", sagte José Rubiera, der Chef des kubanischen Wetterdienstes. Rund 550.000 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen. 300.000 waren es in dem besonders gefährdeten Westteil des Inselstaats, davon allein 120.000 in der Provinz Pinar del Rio. Weitere 250.000 Menschen sollten aus den Gefahrengebieten der 2,3 Millionen Einwohner zählenden Hauptstadt Havanna gebracht werden.

Der Schul- und Universitätsbetrieb wurde ausgesetzt. Aus den ebenfalls als gefährdet angesehenen Urlaubszentren Cayo Largo del Sur, María la Gorda und Cayo Levisa wurden die Touristen in sichere Gebiete von Havanna und Städte im Inneren des Landes geschickt.

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