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23.10.2005
 

Hurrikan

"Wilma" nimmt Kurs auf Florida

Der Hurrikan "Wilma" hat an der mexikanischen Küste eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Nun ist der Monstersturm auf dem Weg nach Florida. Kuba wird von zwei Wirbelstürmen eingekeilt. Mehr als eine halbe Million Menschen sind allein dort auf der Flucht vor den Naturgewalten.

Havanna/Mexiko-Stadt - Im Westen Kubas streifte Hurrikan "Wilma" heute auf seinem Weg nach Florida die Nordküste Kubas. Im Osten erreichte der Tropensturm "Alpha" die Nachbarinsel Hispaniola. Sturmwarnungen wurden auch für Haiti, die Dominikanische Republik, die südöstlichen Bahamas sowie die Caicos- und Turks-Inseln ausgegeben.

Mit "Alpha" wurde nach Angaben von Meteorologen ein neuer Rekord bei der Anzahl der Stürme in einer Hurrikan-Saison erreicht. Im Falle des 22. Sturms "Alpha" wurde erstmals ein Buchstabe aus dem griechischen Alphabet gewählt, da die übrigen Namen aufgebraucht waren. Der bisherige Rekord von 21 Stürmen in einer Saison stammte aus dem Jahr 1933 - die Hurrikan-Aufzeichnungen begannen vor 150 Jahren.

Cancun: "Wilma" hinterläst eine Spur der Verwüstung
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AFP

Cancun: "Wilma" hinterläst eine Spur der Verwüstung

Insgesamt sind in Kuba über 620.000 Menschen auf der Flucht vor den Unwettern. Die kubanische Zivilverteidigung gab auch für östliche Gebiete der Antilleninsel eine Sturmwarnung heraus. Mehr als 100.000 Menschen wurden dort aufgefordert, ihre Hütten und Häuser zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Im Osten der rund 1000 Kilometer langen Insel wird vor allem befürchtet, dass Regenfälle schwere Erdrutsche und Überschwemmungen auslösen.

In den westlichen Provinzen, in denen schon einige Tornados als Vorboten von "Wilma" Schäden verursachten, hatten die Behörden bereits am Wochenende mehr als 500.000 Menschen in Sicherheit bringen lassen. Es wird erwartet, dass "Wilma" mit Windgeschwindigkeiten von rund 100 Stundenkilometern über die Provinzen Pinar del Rio, Stadt und Land Havanna und Isla de la Juventud stürmen wird.

"Als trampelte ein Riese herum"

Zuvor fegte "Wilma" mit sintflutartigem Regen und Geschwindigkeiten von mehr als 200 Kilometern pro Stunde über die mexikanische Halbinsel Yucatan hinweg und riss mindestens acht Menschen in den Tod. Die meisten der Opfer des verheerendsten Wirbelsturms in der Geschichte Mexikos seien ertrunken oder von herumwirbelnden Ästen oder Metallteilen erschlagen worden, berichten TV-Sender unter Berufung auf Behörden.

Demnach starb ein Mensch durch Glassplitter, als er den Sturm durch ein Fenster beobachten wollte. Die Scheibe sei durch den Wind förmlich "explodiert" und habe sich in tödliche Glasprojektile verwandelt. Zwei Jugendliche starben bei einem Feuer, das eine herumfliegende Gasflasche ausgelöst hatte.

Über das Ausmaß der Zerstörungen in Cancun mit 600.000 Einwohnern berichtete ein Augenzeuge: Es sieht aus, als ob "ein Riese in der Stadt herumgetrampelt sei" und nach Lust und Laune Zerstörungen angerichtet habe. "Cancun ist zerstört", wurde auch Vizeadmiral Martín Fernández zitiert.

In Yucatan wurden heute Lebensmittel und Trinkwasser knapp. Nachdem sich das Wetter einigermaßen beruhigt hatte, verließen viele Menschen ihre Notunterkünfte. Nach etwa 30 Stunden in den engen und stickigen Räumen waren die Vorräte für zehntausende Menschen, darunter viele Touristen, aufgebraucht. Die Infrastruktur war jedoch weitgehend zusammengebrochen, die meisten Geschäfte waren zerstört.

"Wir wollten das Programm durchziehen"

Im Badeort Cancun standen Hotels unter Wasser, auch in Notunterkünften mussten Menschen höhere Stockwerke aufsuchen. Wassertanks flogen ebenso durch die Luft wie Bretter und Dachziegel, die Straßen waren mit Trümmern übersät. Autos standen bis zum Dach im Wasser. Mehrere kleinere Geschäfte wurden geplündert. Rund 30.000 Touristen wurden in Notunterkünften und Hotels in Sicherheit gebracht.

Ausländische Touristen verbrachten mit vielen Bewohnern Cancuns damit eine dritte Nacht ohne Strom und fließendes Wasser. Viele waren frustriert. "Wir wollten das Programm durchziehen - Hummer-Essen, Trinkgelage", sagte Dwayne Redmond aus Chicago. Sorgen machten sich die Urlauber wegen Gerüchten, ihre Rückflüge seien für mehrere Tage verschoben worden und sie müssten mit Bussen aus der Krisenregion gebracht werden. Das Auswärtige Amt schätzte die Zahl deutscher Touristen in der Region Cancun auf rund 4000.

Die deutschen Reiseveranstalter sagten alle Flüge in das vom Hurrikan betroffene Gebiet ab. Eine Sprecherin des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalterverbandes sagte am Sonntag, diese Regelung gelte bis einschließlich 2. November. Die Veranstalter nähmen Kontakt zu Kunden auf. Diese könnten sich über Hotlines informieren, die auf Internet-Seiten der Veranstalter zu finden sind.

Der mexikanische Präsident Vicente Fox kündigte die Entsendung von Soldaten mit Hilfsgütern an. In Cancun kam es derweil zu Plünderungen. 50 Menschen wurden bislang festgenommen.

Angst in Florida

Cancun: "Als trampelte ein Riese herum"
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AFP

Cancun: "Als trampelte ein Riese herum"

Heute schwächte sich Hurrikan "Wilma" zunächst weiter ab. Die Meteorologen erwarteten, dass er am Montagmorgen den Golf von Mexiko erreicht und dann nach Nordosten Richtung Kuba und Florida zieht. Die Zerstörungen sind nach Ansicht der Fachleute vor allem darauf zurückzuführen, dass "Wilma", jetzt Kategorie zwei, sich so langsam fortbewegte und ihre zerstörerische Kraft auf eine Region konzentrierte. In Yucatan dauerten der Sturm und der heftige Regen noch am Abend an.

Angst auch in Florida: "Wilma" wird nach Angaben des nationalen Hurrikan-Zentrums der USA über den warmen Gewässern des Golfs von Mexiko wieder an Stärke zulegen. Am Montagmorgen wird "Wilma" im Süden des US-Staates erwartet. Die Behörden gaben eine Hurrikan-Warnung aus und ordneten für die Inselgruppe der Keys Zwangsevakuierungen an. Der Flughafen und viele Geschäfte wurden geschlossen. 8000 Armeeangehörige sowie Regierungsmitarbeiter wurden in Alarmbereitschaft versetzt. Erste Ausläufer setzten bereits Straßen in Fort Lauderdale unter Wasser. Mindestens 50 Wohnungen und Häuser mussten geräumt werden.

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