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28.10.2005
 

Hochstapler

Falscher Fürst foppt den Bundestag

Als falscher Fürst hinterging er die Düsseldorfer High Society, als vermeintlicher Praktikant ging er im Bundestag ein und aus: Ein 21-jähriger Betrüger soll sich monatelang ungehindert Zutritt zu diversen Abgeordnetenbüros erschlichen haben.

Osnabrück - Der junge Mann habe sich als Neffe des früheren Parlamentspräsidenten Rudolf Seiters und als Praktikant des damaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse ausgegeben, berichtete die "Neue Osnabrücker Zeitung". Auf Abendveranstaltungen sei er auch als "Prinz Jörg-Wilhelm-Ernst-Friedrich von Hohenzollern zu Sigmaringen" aufgetreten.

Zunächst habe der vorbestrafte Betrüger Anfang des Jahres ein Praktikum beim heutigen Wehrbeauftragten des Bundestags, Reinhold Robbe, begonnen, hieß es in dem Bericht. Als der Polizeidienst des Bundestages auf die früheren Verurteilungen des Mannes hingewiesen hatte, sei er allerdings nach wenigen Tagen entlassen worden.

Dem Blatt zufolge erlangte der 21-Jährige wegen seines sicheren Auftretens auch danach noch Zugang zu den Abgeordnetenbüros. Mehrfach habe der Hochstapler darauf verwiesen, ein Neffe von Rudolf Seiters zu sein. Als vorgeblicher Praktikant von Wolfgang Thierse habe er auf zahlreichen Abendveranstaltungen Kontakte zu Verbänden und Botschaften geknüpft. Seine Parlaments-Karriere endete dem Bericht zufolge Mitte Mai, als ihm der Pfortendienst auf die Schliche kam und ihn beim Fälschen eines Bundestags-Ausweises ertappte.

In Düsseldorf hatte sich der Betrüger als "Jörg Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein zu Berleburg" das Vertrauen der High Society erschwindelt. Er war laut Polizei an seinem 21. Geburtstag festgenommen worden, als er unbezahlte Lieferungen von einer Postfiliale abholen wollte. In seiner Wohnung fanden die Ermittler unbezahlte Waren im Wert von 15.000 Euro, darunter Luxuskleidung und Plasmabildschirme. Den Düsseldorfer Ermittlern zufolge war der Mann zuvor auch als falscher Arzt und falscher Polizeibeamter in Berlin aufgefallen.

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