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22.11.2005
 

Verdorbenes Fleisch

Behörden durchkämmen Kühlhäuser

Der zweite Skandal um ungenießbares Fleisch innerhalb weniger Wochen weitet sich aus. In Nordrhein-Westfalen haben die Behörden mit Kontrollen in Hunderten Kühlhäusern begonnen. In Niedersachsen wurden erste verdorbene Fleischlieferungen nachgewiesen.

Düsseldorf - Zu den kontrollierten Einrichtungen gehörten rund 40 große Lagerhäuser mit EU-Zulassung sowie alle Kühlhäuser von Fleischereien und weiterverarbeitenden Betrieben, berichtete ein Sprecher des Verbraucherministeriums von Nordrhein-Westfalen (NRW). Die Untersuchungen werden voraussichtlich mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Unterdessen wurden in Niedersachsen erste verdorbene Fleischlieferungen nachgewiesen. Nach Angaben des Agrarministeriums in Hannover handelt es sich um 90 Tonnen Geflügel-, Schweine-, Rind- und Pferdefleisch. Es hatte im Kühlhaus zweier Firmen aus NRW und Baden-Württemberg gelagert. Die Ware war durch unklare Auszeichnungen sowie wegen fehlender Haltbarkeitsdaten aufgefallen. Tests des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Oldenburg hatten ergeben, dass 11 von 16 Proben ranzig, überlagert oder verdorben und damit eindeutig genussuntauglich waren. Das Fleisch stamme ursprünglich aus Deutschland, Brasilien, Dänemark, Spanien und Italien.

Ende vergangener Woche hatten die Behörden in einem Großbetrieb in Gelsenkirchen 60 Tonnen möglicherweise verdorbenes Fleisch sichergestellt. Die Untersuchung des beschlagnahmten Fleisches dauere an, teilte die Essener Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. Auch in Hamburg, wo am Montag elf Tonnen möglicherweise verdorbenes Fleisch sichergestellt worden waren, wird die Ware auf Bakterien und Keime untersucht. Der erste Augenschein habe jedoch keine Anhaltspunkte erbracht, dass das Fleisch verdorben sei, sagte ein Hamburger Behörden-Sprecher am Dienstag.

Der Deutsche Bauernverband hat unterdessen Vorwürfe gegen die Behörden erhoben. In Deutschland hätten sich Händler darauf spezialisiert, Fleisch kurz vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums aufzukaufen, sagte Richard Bröcker, Referatsleiter für Vieh und Fleisch beim Deutschen Bauernverband, dem Bielefelder "Westfalenblatt". Diese Fleischgroßhändler seien von den Behörden bislang kaum kontrolliert worden.

Die jüngsten Fleischskandale sind nach den Erkenntnissen der Verbraucherorganisation "Foodwatch" nur die Spitze eines Eisberges. "Betrügereien im Fleischgeschäft sind an der Tagesordnung", sagte deren Sprecher in einem Interview. In der Regel würden die Schwindeleien mit verdorbenem Fleisch von den Behörden allerdings geheim gehalten. Der Bürger erfahre so gut wie nichts davon.

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