Münster/Osnabrück - Zwar haben die Schneefälle in der vergangenen Nacht deutlich nachgelassen, die Lage in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens und Niedersachsens entspannte sich jedoch nur leicht. Sechs Gemeinden in den am schlimmsten betroffenen Kreisen Steinfurt und Borken konnten im Laufe der Nacht wieder an das Stromnetz angeschlossen werden, teilte die Polizei mit. Dennoch mussten hunderttausende Menschen die zweite Nacht in Folge bei Temperaturen unter null Grad ohne Strom verbringen.
Am späten Samstagabend waren nach Angaben des Energieversorgers RWE Energy rund 250.000 Menschen in insgesamt 25 Gemeinden von den Stromausfällen betroffen, vor allem im westlichen Münsterland. Eine Sprecherin der Bezirksregierung erklärte dagegen, man gehe inzwischen davon aus, dass insgesamt eine halbe Million Menschen ohne Strom seien. Betroffen seien weiterhin insbesondere die Kreise Steinfurt und Borken.
Etwa 4000 Einsatzkräfte seien vor Ort, 600 Notstrom-Aggregate seien im Einsatz, insbesondere in Krankenhäusern, Altenheimen und den Notunterkünften. Notunterkünfte wurden in Ochtrup, Emsdetten und Metelen eingerichtet. Allerdings nahmen sie viele Menschen nur in Anspruch, um warmes Essen zu bekommen und übernachteten in ihren Häusern. Der Stromausfall werde sich noch in den Sonntag hineinziehen.
"Überlandleitungen hängen bedenklich tief"
Im Kreis Coesfeld blieb die Stromversorgung weitgehend stabil. Wegen der unter der Schnee- und Eislast tief hängenden Stromleitungen hatten die Einsatzkräfte dort mit weiteren Ausfällen gerechnet. "Die Überlandleitungen hängen bedenklich tief", sagte eine Sprecherin des Kreises. Polizei und Feuerwehr seien durch die Orte gefahren und hätten entsprechende Warnungen über Lautsprecher durchgegeben. Es bestehe Lebensgefahr. Die Menschen wurden ausdrücklich davor gewarnt, sich den Stromleitungen zu nähern.
"Wir hoffen, dass wir im Laufe des Sonntags viele Orte wieder ans Stromnetz bekommen", sagte der RWE-Sprecher. Noch seien rund 50 Strommasten beschädigt. Bei Tageslicht sollen in einigen Regionen provisorische Leitungen verlegt werden. Wie schnell die Reparaturen vorangehen können, hänge jedoch von den Wetterverhältnissen ab. Viele Hochspannungsleitungen drohten noch immer, bei weiteren Schneefällen zu reißen.
In Vreden kam es wegen des Stromausfalls zu einem Feuer. Die Bewohner eines Einfamilienhauses hatten Kerzen aufgestellt, die einen Schwelbrand auslösten. Die sieben Bewohner, unter ihnen zwei kleine Kinder, flüchteten auf den Balkon, wo sie von der Feuerwehr gerettet und ins Krankenhaus gebracht wurden.
A 31 gesperrt
Die Autobahn 31 sollte zwischen den Anschlussstellen Heek und Ahaus noch bis 10 Uhr vormittags in beiden Richtungen voll gesperrt bleiben. Dort waren mehrere Stromkabel unter der Schneelast aus ihrer Verankerung gerissen und schwebten gefährlich knapp über der Fahrbahn.
Tief "Thorsten" hatte seit Freitagabend den Straßen-, Bahn und Flugverkehr in Teilen Deutschlands lahm gelegt. Allein in Nordrhein-Westfalen krachte es seit Beginn des Wintereinruchs mit heftigen Schneefällen 1266 Mal. Ein Mensch kam ums Leben, 64 wurden verletzt. Auf den Autobahnen in der Region mussten Tausende stundenlang im Auto ausharren, weil die Fahrbahnen blockiert waren. Auch viele Bahnreisende saßen in Zügen fest.
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