Münster - In den frühen Morgenstunden konnten weitere 15.000 Menschen wieder mit Strom versorgt werden. "Vielerorts sorgen Notstromaggregate für Licht und Wärme und die Reparaturen laufen auf Hochtouren", sagte eine Sprecherin der Bezirksregierung Münster. Alle Orte seien erreichbar und die Versorgung der Menschen werde gewährleistet. In vielen Orten soll noch im Laufe des Tages wieder Normalität einkehren. Bereits gestern Abend waren die Autobahnen wieder befahrbar.
Die Behörden richteten Notunterkünfte ein, die jedoch in der Nacht relativ selten in Anspruch genommen wurden. Dagegen funktioniere die Nachbarschaftshilfe großartig, sagte ein Sprecher der Bezirksregierung. Die Leute rückten in der dritten Nacht ohne Heizung, warmes Wasser und Licht näher zusammen.
Einzig Ochtrup müsse weiter auf Strom warten, hieß es. Die einzige Leitung in den Ort mit rund 18.000 Einwohnern an der niederländischen Grenze sei auf einer Länge von drei Kilometern zerstört worden. Die Stromleitungen waren nach starken Schneefällen am Freitag unter der Last abgerissen. 50 Hochspannungsmasten im Münsterland waren eingeknickt oder nicht mehr funktionstüchtig. Es sei noch nicht abzusehen, wann in Ochtrup die Stromversorgung wieder hergestellt werden könne, sagte Sebastian Ackermann, Sprecher des Energieversorgers RWE Energy.
Auch in der vergangenen Nacht sorgten teils kräftige Schneefälle und Straßenglätte vor allem in Hessen und Rheinland-Pfalz für Behinderungen auf Straßen und Autobahnen. Bei Oldenburg in Niedersachsen starb ein 34-Jähriger, der beim Überholen auf schneeglatter Straße die Kontrolle über seinen Wagen verloren hatte und gegen einen Baum gerast war. Auf der A3 im Westerwald bei Bad Honnef staute sich der Verkehr in beide Richtungen stundenlang auf 15 Kilometern Länge. An mehreren Steigungen waren Lastwagen auf glatter Fahrbahn liegen geblieben. Erneut registrierte die Polizei zahlreiche witterungsbedingte Unfälle, bei denen es aber zumeist bei Blechschäden blieb.
Hunderttausende hatten das erste Adventswochenende ohne Licht und Heizung verbracht. In dem Winterchaos in der Region zählte die Polizei mehr als 2000 Unfälle, etwa 140 Verletzte, Millionenschäden und bis zu 250.000 Menschen, deren Haushalte viele Stunden lang ohne Strom waren. Laut Wetterdienst Meteomedia gab es solche Schneemassen zuletzt vor mehr als 100 Jahren. In Dortmund erfror ein 52 Jahre alter Obdachloser unter einer Fußgängerbrücke. Auch über weite Teile Europas fegten Schneestürme und Eisregen, bei klirrender Kälte starben mindestens neun Menschen in Frankreich, Großbritannien und Tschechien.
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