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28.11.2005
 

Winterchaos im Münsterland

RWE schaltet erneut Strom ab - jetzt wegen Regen

Das Winterchaos geht weiter: Wegen starken Regens mussten Zehntausende Haushalte vorsorglich erneut von der Stromversorgung abgeschaltet werden. Insgesamt droht rund 60.000 Betroffenen die vierte Nacht ohne Heizung, Warmwasser und Licht.

Münster - Nach Angaben des Energieversorgers RWE hingen zwischen Gronau und Stadtlohn sowie zwischen Metelen und Laer zwei vereiste Leitungen wegen des Regens deutlich durch. Betroffen von der Abschaltung waren die Gemeinden Metelen, Borghorst und Steinfurt. In Horstmar-Leer mussten rund 500 Anwohner aus ihren Häusern evakuiert werden, weil erneut ein Strommast umzukippen drohte.

Im Vergleich zum Wochenende entspannte sich die Lage am Montag aber langsam wieder. Die Zahl der Menschen ohne Strom habe sich seit dem späten Nachmittag um 30.000 reduziert, sagte Wolfgang Weber, Sprecher der Bezirksregierung Münster. Zudem hoffe man, weitere 35.000 Menschen bis zum frühen Morgen wieder mit Strom versorgen zu können.

Die Mitarbeiter des RWE arbeiteten mit Nachdruck daran, die Versorgung provisorisch wiederherzustellen. Besonders kritisch war die Lage allerdings weiter in der Gemeinde Ochtrup. Dort war der Großteil der rund 19.500 Einwohner ohne Strom. Nach Angaben des RWE ist die Versorgung in dieser Region besonders schwierig, da eine komplett neue Leitung inklusive Masten über die A 31 am Kreuz Gronau installiert werden müsse.

Im Katastrophengebiet wurden rund 750 Notstromaggregate aus dem gesamten Bundesgebiet eingesetzt. Rund 440 Schulen blieben geschlossen. Morgen soll der Unterricht aber wieder stattfinden. In den betroffenen Gemeinden waren weiter Notunterkünfte geöffnet. Diese wurden aber nur vereinzelt genutzt. Die meisten Bürger versorgten sich dort tagsüber mit Essen und heißen Getränken und schliefen zu Hause, wie ein Sprecher des Krisenstabes Münster sagte. Bis zu 3000 Hilfskräfte waren im Einsatz.

RWE schloss Schadenersatzzahlungen an die Betroffenen aus, weil weder Vorsatz oder Fahrlässigkeit vorliege. Auch Landesinnenminister Ingo Wolf (FDP) sieht Forderungen nach Schadenersatz skeptisch. Pauschalkritik an den Stromversorgern sei unangebracht, weil eine derartige unvorhersehbare Situation in der Region "seit Menschengedenken nicht vorgeherrscht" habe, sagte Wolf weiter.

Die Bundesregierung hingegen wolle Konsequenzen aus dem chaotischen Stromausfällen prüfen, so Regierungssprecher Ulrich Wilhelm heute in Berlin. Zunächst würden auf Staatssekretärsebene die Erfahrungen der Helfer und Energieversorger ausgewertet. Danach werde entschieden, "welche weiteren Schlussfolgerungen daraus zu ziehen sind", so Wilhelm. Auch die Bundesnetzagentur will sich mit möglichen Versäumnissen bei den Stromversorgern befassen. Derzeit werde ein Schreiben verfasst, mit dem sich die Agentur über die Geschehnisse "im Detail informieren" lasse, sagte der Referatsleiter Energie bei der Bundesbehörde, Wolfgang Vedder.

Nach ersten Schätzungen entstand bei Unfällen im Winterchaos der vergangenen Tage ein Gesamtschaden von rund 7,2 Millionen Euro. Von Donnerstagabend bis heute Morgen zählte die Autobahnpolizei nach Angaben des Düsseldorfer Innenministeriums mehr als 2700 Unfälle. Fast 180 Menschen wurden verletzt, Todesopfer waren nicht zu beklagen.

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