Vatikanstadt/Berlin - Der Erlass sieht vor, dass die katholische Kirche nur solche Männer für das Priesteramt zulässt, die ihre Homosexualität weder ausleben noch eine entsprechende Neigung offen zur Schau tragen oder die sogenannte Schwulenkultur unterstützen. Falls ein Priesteramtskandidat in der Vergangenheit homosexuelle Tendenzen gezeigt hat, müssen diese vor einer Weihe zum Diakon mindestens drei Jahre lang klar überwunden sein. Der Text betrifft nicht Priester, die bereits im Amt sind.
Die ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) und der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) erklärten, der Vatikan setze "ein weiteres fatales Zeichen in seinem Kampf gegen die Akzeptanz von Homosexuellen". Es betreffe die Priesteranwärter, ziele aber auf alle Homosexuellen. Die Weisung werde dazu führen, dass schwule Kandidaten, "selbst wenn sie wie gefordert zölibatär leben, ihre Identität verleugnen und versuchen werden, sich eine heterosexuelle Persönlichkeit zuzulegen", heißt es in der gemeinsamen Erklärung weiter.
"Mit Ignorieren heutiger Erkenntnisse der Humanwissenschaften und mit Verboten setzt der Vatikan auf die Dominanz einer einseitig auf Fortpflanzung gerichteten Sexualmoral. "Der Weisung fehle es an Weisheit, erklärten die Organisationen. Es sei zu fürchten, dass die Forderungen zu einem Klima der "Einschüchterung und des Versteckens" führen.
Der Münchner Jesuit und Psychotherapeut Hermann Kügler hat sich indes mit seiner deutlichen Kritik an dem Erlass offensichtlich in Schwierigkeiten gebracht. Laut "Radio Vatikan" bedauerte er Formulierungen in einem SPIEGEL-ONLINE-Interview. Insbesondere der Satz, die katholische Kirche sei "die größte transnationale Schwulenorganisation", sei eine polemische Entgleisung gewesen, die er sich nur aus der Hektik der Gesprächssituation erklären könne, soll Kügler gegenüber dem Provinzial der Jesuiten in Deutschland, Stefan Dartmann, erklärt haben. "Diese Worte sind ein denkbar falsches Signal gewesen, mit dem ich meiner Kritik an der Vatikan-Instruktion keinen guten Dienst getan habe", zitiert "Radio Vatikan" den Jesuiten. "Ich bedauere sehr, dass sich dieses Zitat mittlerweile verselbstständigt hat und bei vielen Menschen, die sich sachlich mit der Problematik auseinander setzen wollen, Irritationen hervorgerufen hat."
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