Frankfurt am Main - Laut Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zieht das Tiefdruckgebiet bereits in der Nacht über den Nordosten Deutschlands. Die Meteorologen erwarteten 15 Zentimeter und mehr Neuschnee und warnten vor allem vor starken Schneeverwehungen.
Für den ganz Osten und weite Teile Norddeutschlands wurden Unwetterwarnungen ausgegeben. In Schleswig-Holstein wurden vorsorglich alle Schwertransporte auf Autobahnen gestoppt. In Dänemark wurden Straßen auf den Ostsee-Inseln Lolland und Mön gesperrt, die dänischen Streitkräfte wurden in Alarmbereitschaft versetzt.
Heute hatte es von Nordfrankreich bis Kroatien geschneit. Es gab zum Teil schwer wiegende Verkehrsprobleme; die französisch-italienischen Grenzübergänge in den Alpen waren bis zum Nachmittag stundenlang geschlossen, und auch Slowenien machte seine Grenze für Lkw über 7,5 Tonnen dicht.
In Österreich wurde bei einer Massenkarambolage von zehn Fahrzeugen eine Person verletzt, im Großraum Wien sorgten zehn Zentimeter Neuschnee für zahlreiche Unfälle und Stromausfall für 300 Haushalte. In Niederösterreich kam ein Autofahrer ums Leben, der von einer schneeglatten Straße gegen einen Baum prallte.
In der Schweiz kam es auf schnee- und eisbedeckten Straßen zu zahlreichen Unfällen. Die Temperaturen fielen nachts auf Werte bis minus 22,9 Grad im Engadin. Weil wegen der frostigen Temperaturen sämtlicher Niederschlag als Schnee liegen bleibt, sanken die Wasserstände von Seen und Flüssen weiter. Nach Angaben der schweizerischen Landeshydrologie weist der Bodensee derzeit mit 394.60 Metern über dem Meer den tiefsten Dezemberstand seit Beginn der Messungen auf.
Jörg Kachelmann, Chef des Wetterdienstes Meteomedia, sagte, er erwarte für morgen einen "Schneesturm der gröberen Sorte" mit bis zu 30 Zentimetern Neuschnee in Nordostdeutschland: "Wir müssen davon ausgehen, dass nicht jedes Haus am Donnerstag erreichbar ist und dass der Verkehr sicherlich stark beeinträchtigt wird", warnte der Meteorologe.
In Schleswig-Holstein behinderten bereits heute starke Schneefälle den Berufsverkehr. Auf der Autobahn 23 stellte sich auf der Brücke über den Nord-Ostsee-Kanal ein Tanklaster quer. Die Autobahn musste in Richtung Hamburg gesperrt werden. Insgesamt hatten sich aber die Autofahrer auf die Witterungsverhältnisse eingestellt, wie ein Polizeisprecher sagte.
Tanklaster rutscht auf Gegenfahrbahn
Schneeglatte Straßen sorgten auch in zahlreichen anderen Bundesländern für Unfälle, die jedoch laut Polizei überwiegend glimpflich abliefen. Die Autobahn 4 in Nordrhein-Westfalen zwischen den Autobahnkreuzen Kerpen und Köln-West wurde den ganzen Vormittag über komplett gesperrt, nachdem ein Lastwagen die Mittelleitplanke durchbrochen hatte und auf der Gegenfahrbahn mit drei Autos zusammengestoßen war. Bei dem Unfall wurden laut Polizei drei Personen leicht verletzt.
Außerhalb der Reichweite des Sturmtiefs liegen laut Vorhersage der Süden und der äußerste Westen Deutschlands. Am Alpenrand gibt es demnach nur wenig Neuschnee, dafür kommt die Sonne gelegentlich hervor. Am Freitag soll das Wetter bei nachlassenden Schneefällen heiter bis wolkig werden, bevor in der Nacht zum Samstag von Westen her wieder Schnee heranzieht.
Zu Silvester können die Schneefälle erneut heftig sein, gehen aber dann in Regen über. Die Neujahrsnacht wird demnach regnerisch, in einigen Lagen fällt Schnee. Mit Tiefstwerten zwischen plus 2 und minus 9 Grad wird es ziemlich kalt, am Alpenrand sind sogar minus 15 Grad drin. Auch die ersten Tage des neuen Jahres sollen unbeständig und nasskalt werden.
Großbritannien und Frankreich haben bereits mit den plötzlichen Schneemassen zu kämpfen. In England legten heftige Schneefälle mehrere Bahnlinien lahm und führten zu Behinderungen auf den Straßen. Auch in Frankreich kam es teilweise zu chaotischen Szenen. Die Autobahn A84 in der Normandie wurde zeitweise in beide Richtungen gesperrt. Hunderte Fahrer mussten in ihren Fahrzeugen oder in Notunterkünften übernachten.
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