Hamburg - Schatz, Liebling, Mausi, Hase - der Deutsche an sich, so verriet der Nation vor wenigen Wochen ein Umfrageinstitut im Auftrag einer Frauenzeitschrift, lässt sich für die Frau oder den Mann seines Herzens eher langweilige Kosenamen einfallen. Nicht jeder, so das Ergebnis der Demoskopen, nennt sich wie Bayerns First Couple Muschi und Edelmann.
Mangelt es uns an Originalität? Wir halten es da schon lieber mit Winston Churchill, dem das Zitat "Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast" zugeschrieben wird ( vermutlich völlig zu unrecht, aber das soll uns nicht weiter stören), und melden Zweifel an. Wir haben diese Statistik schließlich nicht gefälscht.
Mit der Umfrage muss also etwas nicht stimmen. Ist die Fragestellung vielleicht zu eng gefasst? Haben die Demoskopen etwa außer Acht gelassen, dass der Trend zum Zweitkosenamen geht und dass Liebende neben dem "Schatz" für den Alltagsgebrauch noch weitere Namen für die/den Liebste(n) im Repertoire haben. Wir haben unsere Leser befragt: Wie nennen Sie Ihre süßen Schatzihäschen? Das Ergebnis war, nun ja, sagen wir: erstaunlich.
Zärtliche Beleidigungen
An Originalität jedenfalls - nichts anderes hatten wir erwartet - fehlt es den SPIEGEL-ONLINE-Lesern keineswegs. So bezeichnen sie sich gerne mal als Champagnertrüffel, Enzymchen, Flauschi, geliebter Waldschrat, Hatschepsut, mein kleines Sahnekännchen, Mums, Popsofa, Zonk oder Radieschen. Wenn klar ist, wie's der andere meint, kann selbst manche sonst eher weniger schmeichelhafte Bezeichnung zum Ausdruck größter Zuneigung werden. So schwärmt Leser Ben K., wie zärtlich ihn seine Ex-Freundin "Arschloch" nannte.
Auch Drecksau, Nervtöle, Schuft und Waschmaschinchen finden sich unserer unrepräsentativen Erhebung zufolge unter deutschen Kosenamen. Julian Budke nennt seine "sehr schlanke" Ex-Freundin - zu der er, wie er betont, noch ein sehr gutes Verhältnis hat - seit acht Jahren "dicke Sau". "Dies führt zwar in der Öffentlichkeit immer wieder zu erhobenen Augenbrauen", schreibt er, "aber abgewöhnen kann ich mir es nicht, sie noch heute so zu rufen."
Einer der längsten und sicher auch ausgefallensten Kosenamen, die bei uns eingingen, war mit Sicherheit "mein kleines grünes Pupskartöffelchen" - ein Name, der den damit zärtlich Angehauchten bestimmt jedesmal wieder in Entzückung versetzt.
Mit leichtem Befremden haben wir festgestellt, dass sich unter den Einsendungen ein gewisser Hang zum Analen fand - ein Phänomen, das zwar aus dem deutschen Schimpfvokabular wohlbekannt ist. Dass es aber auch den Kosewortschatz entscheidend mitprägt, überraschte uns dann doch. Ob Stinker, Pupsi, Scheißi, Hasenpo, Marzipanärschlein, Arscherl oder Hasiefurz - Liebe geht offensichtlich nicht nur durch den Magen, sondern kommt oftmals auch hinten wieder raus.
Bleibt neben der Frage, was eigentlich ein Kleinkantschil ist (nämlich der kleinste Paarhufer der Welt, eine Art Mini-Hirsch), nur noch ein kleiner Warnhinweis: Ausgefallene Kosenamen bergen nämlich auch Gefahren. So kam erst vor wenigen Monaten eine Studie der US-Universität Louisville zu dem Ergebnis, dass Kleinigkeiten wie eben die penetrante Benutzung eines falschen Kosenamen viel öfter Scheidungen nach sich ziehen als etwa Seitensprünge.
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