London - Das Tier erlag trotz aller Rettungsversuche seinen Verletzungen und den Folgen einer enormen Stress-Situation, teilten Tierschützer mit. Er sei zu lange aus dem Wasser gewesen und hätte eine Serie von schlimmen Krämpfen erlitten. Der Arzt, der den Entenwal auf seinem Weg zum Meer begleitete, sagte, er sei gegen 20 Uhr (19 Uhr Ortszeit) gestorben.
Zuvor hatte sich der Zustand des Wals stetig verschlechtert. "Es sieht nicht gut aus", hatten Tierärzte, die den Wal begleitet hatten, gewarnt. Die Atmung des Tiers sei sehr schwer, Muskelpartien würden sich mehr und mehr verkrampfen.
Die Rettungsmannschaft wollte das stark gestresste Tier dann schon vor der Flussmündung in der Themse aussetzen, da es einen Aufenthalt außerhalb des Wassers kaum noch durchhalten konnte. Zu diesem letzten Rettungsversuch kam es nicht mehr. Der Entenwal war bereits dehydriert, als er auch noch die Krämpfe bekam, sagte Leila Sadler, von der Königlichen Vereinigung zum Schutz der Tiere. Er hatte nichts gegessen und die lange Zeit auf dem Trockenen habe die Organe des Tieres angegriffen.
"Es war von vornherein ein Wettlauf, wie weit es uns der gesundheitliche Zustand des Wals erlaubt, ihn in tiefes Wasser zu bringen", sagte Tony Woodley von der Rettungseinheit der britischen Marine-Taucher. Der Themse-Weg von London zum Meer ist 70 Kilometer lang. Während der Fahrt schütteten Helfer Wasser über den Körper des Entenwals, um seine Haut feucht halten.
Am Nachmittag hatten Helfer den fünf Meter langen Meeressäuger, der sich in die Themse verirrt hatte, mit Hilfe eines aufblasbaren Pontons aus dem flachen Wasser des Flusses befreit. Anschließend wurde das tonnenschwere Tier in eine aufblasbare Hülle verpackt und mit einem Kran auf den Lastkahn gehievt.
Weltweit verfolgten Millionen Menschen die dramatische Rettungsaktion im Fernsehen. Tausende Londoner standen am Themse-Ufer. Experten kritisierten, dass auch viele Schaulustige in Booten in unmittelbarer Nähe des orientierungslosen Wals unterwegs waren. Das sei großer zusätzlicher Stress für das Tier gewesen.
Alte, kranke oder verletzte Wale verlieren nach Angaben der Gesellschaft zum Schutz von Walen und Delfinen häufig die Orientierung und verlassen ihre Gruppe. Augenzeugen berichteten am Freitag noch von einem weiteren Wal in der Themse-Mündung. Bereits in der vergangenen Woche waren zwei Entenwale an für die Jahreszeit untypischen Orten im Nordosten Schottlands gesehen worden.
Diese Entwicklungen könnten nach Einschätzung der Tierschützerin Sadler auf Störfaktoren für die Wal-Population in der Nordsee hinweisen. Nördliche Entenwale sind gesellig und leben normalerweise in Schulen bis 50 Tieren. Ihre Verbreitung ist auf den Nordatlantik beschränkt.
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