Frankfurt am Main - Mit Russland-Hoch "Claus" haben in Deutschland die kältesten Tage dieses Winters begonnen. In Teilen Sachsens und Brandenburgs sowie in Bayern soll es in der Nacht zum Montag minus 20 Grad und kälter werden. "Vor allem im Osten Deutschlands wird es knackig frisch", kündigte Roland Reiter vom Wetterdienst Meteomedia an. Die tiefsten Temperaturen werden für die Zwickauer Mulde und die Niederlausitz in Sachsen erwartet: minus 22 Grad. Im Westen werden sich die Temperaturen zwischen minus sechs und minus 13 Grad bewegen.
Wegen Glatteis und nassen Straßen gab es in ganz Deutschland zahlreiche Verkehrsunfälle. Dabei starb in Hille bei Minden ein 19-Jähriger, zwei Menschen wurden bei dem Unfall schwer verletzt. Auf der A 9 in Thüringen bei Triptis kam ein Mensch bei einer Karambolage ums Leben, an der insgesamt sechs Fahrzeuge beteiligt waren. Ursache war nach Polizeiangaben Blitzeis.
In Ostdeutschland, wo die Nächte besonders kalt werden sollen, sind die Behörden auf die Versorgung Obdachloser vorbereitet. Die Polizei sei sensibilisiert worden, einschlägige Treffpunkte abzufahren und Betroffene in Unterkünfte zu bringen, sagte ein Sprecher des Lagezentrums im sächsischen Innenministerium. Auch in Brandenburg ist die Polizei angewiesen, Obdachlose in kommunalen Einrichtungen unterzubringen oder - falls diese überfüllt sein sollten - auf der Polizeiwache, wie es im Lagezentrum des Innenministeriums in Potsdam hieß.
Der Osten und der Norden Europas sind schon seit Tagen fest im Griff der arktischen Kälte. In der Ukraine stieg die Zahl der Toten seit Beginn der Kältewelle auf 18. Mindestens 86 Menschen wurden in Folge der eisigen Temperaturen ins Krankenhaus eingeliefert. Am Samstag lagen die Temperaturen in weiten Teilen des Landes nach Angaben von Meteorologen bei minus 25 Grad. In Estland, wo die Temperaturen am Samstag auf minus 33 Grad fielen, starben im Zusammenhang mit der Kältewelle vier Menschen. Im Nordosten Polens schnitten heftige Schneestürme einige Dörfer von der Stromversorgung ab. Im südpolnischen Ostrowiec brach das Dach einer Fabrikhalle unter der Schneelast zusammen. Dabei starben zwei Menschen, ein weiterer wurde verletzt.
In der Türkei waren laut der Nachrichtenagentur Anadolu von der Kälte besonders der Osten Anatoliens sowie die Schwarzmeerregion betroffen: Hier waren insgesamt 3600 Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten. In der östlichen Provinz Bitlis kamen acht Menschen ums Leben, als ihr Bus von einer Lawine in einen Fluss gerissen wurde. 15 Menschen wurden verletzt. Wegen der Nutzung defekter Kohleöfen starben am Samstag laut Anadolu sieben Menschen, darunter ein sechs Monate altes Baby, an einer Kohlenmonoxidvergiftung. Weitere 61 Menschen wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Ein Mann, der am Samstag bei schweren Schneefällen zu Fuß in einer Bergregion unterwegs war, starb laut Anadolu in der Kälte.
In den skandinavischen Ländern kam es bei Temperaturen von bis zu 42,6 Grad zu erheblichen Behinderungen im Flug-, Straßen- und Bahnverkehr. Nachdem in Kopenhagen der Flughafen am Freitagabend mehr als zwei Stunden lang gesperrt war, kam es zu erheblichen Verzögerungen. In Norwegen wurden bei schweren Stürmen rund 700 Gebäude beschädigt. Rund 30.000 Haushalte waren ohne Strom.
In der russischen Hauptstadt Moskau erfroren in der Nacht zum Sonntag nach Angaben des ärztlichen Notdienstes drei weitere Menschen. In der Nacht zum Samstag waren bei Temperaturen von unter minus 20 Grad fünf Menschen gestorben. Die Zahl der Kältetoten in Moskau stieg damit auf 79. Die russischen Behörden sorgten sich um das Heizungssystem. Es habe seine Grenzen erreicht, sagte der Chef des Energiekonzerns UES, Anatoli Tschubais. Der russische Energieversorger Gasprom gab erstmals Störungen zu. In Russland seien 15 Regionen nicht auf den Temperatursturz vorbereitet gewesen.
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