Traunstein - Der Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Traunstein, Volker Ziegler, sagte, erst nach dem Gutachten könne entschieden werden, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird. Bislang gebe es allerdings keinerlei Anhaltspunkte für strafbares Verhalten.
Um 11 Uhr vormittags war das Dach des 20 mal 40 Meter großen Gebäudes der örtlichen Feuerwehr zufolge auf einer Fläche von 16 mal sieben Metern eingesackt. Die Angestellten des Netto-Supermarkts und eine Kundin hätten sich in Sicherheit bringen können und seien mit dem Schrecken davon gekommen. "Nachdem Suchhunde keine Verschütteten gefunden haben, steht ziemlich sicher fest, dass niemand zu Schaden kam", sagte ein Polizeisprecher am Mittag. Teile der eingestürzten Decke waren von Warenregalen aufgefangen und abgestützt worden.
Laut Ziegler befindet sich ein Mitarbeiter der Ermittlungsbehörde vor Ort. Nach Polizeiangaben untersucht zudem die Kriminalpolizei Mühldorf im Auftrag der Staatsanwaltschaft die Unglücksursache. Auch eine bayerische Firma, die die Stahlträger des Geschäfts geliefert hatte, kündigte gegenüber SPIEGEL ONLINE an, einen Statiker zum Unglücksort zu schicken.
Das erst rund fünf Jahre alte Gebäude hatte ein Flachdach. In den Stunden vor dem Dacheinsturz hatte es in Oberbayern stark geschneit. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes gab es in der betroffenen Region bis zu 18 Zentimeter Neuschnee. Die Meteorologen hatten vor ergiebigen Schneefällen und Schneebruch gewarnt.
Untypisches Flachdach
Die Discounterkette Netto wurde im April 2005 an Edeka verkauft. Edeka-Sprecher Alexander Lüders sagte, das Flachdach des Supermarktes sei nach "stadtplanerischen Vorgaben" gebaut worden. Es sei von einem Generalunternehmer errichtet und von Netto 2001 angemietet worden. Das für den Netto-Süd-Standard untypische Flachdach sei wegen einer Auflage der Kommune konstruiert worden.
Von der Gemeinde oder dem Landratsamt war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Unternehmenssprecher Lüders betonte: "Wir setzten jetzt alles daran zu klären, was genau passierte und warum." Dabei werde auch geprüft, ob auf dem Dach Schnee gelegen habe, der eventuell hätte geräumt werden müssen.
Die Bundesvereinigung der Prüfingenieure (VPI) forderte angesichts des Einsturzes in Töging, alle öffentlichen Gebäude regelmäßig auf ihre Sicherheit hin zu überprüfen. Die Betreiber öffentlicher Gebäude sollten in regelmäßigen Abständen der Baubehörde einen Prüfbericht vorlegen, forderte die Vereinigung. Bauminister Wolfgang Tiefensee hatte angekündigt, alle Bundesbauten kontrollieren zu lassen. "Was nützt allerdings ein Gebäude-Check allein bei Bundesbauten, wenn die Menschen beim Einkaufen im Supermarkt Angst haben müssen, dass ihnen das Dach auf den Kopf fällt?", fragte VPI-Präsident Hans-Peter Andrä heute in Berlin
Mehrere Einstürze in Polen und Tschechien
Eine zu hohe Schneelast war vermutlich heute die Ursache eines Halleneinsturzes im polnischen Zabrze. In der Halle hatte sich zum Zeitpunkt des Unglücks dem Eigentümer zufolge niemand aufgehalten. Das Gebäude liegt nur wenige Kilometer von Kattowitz entfernt, wo beim Einsturz einer Messehalle vor anderthalb Wochen 63 Menschen getötet worden waren. Im bayerischen Bad Reichenhall war Anfang Januar das Dach einer Eisporthalle unter der Last der Schneemassen zusammengebrochen, dabei waren 15 Menschen getötet worden.
Auch in Tschechien gaben mehrere Dächer dem Gewicht des Schnees nach, es gab jedoch Behördenangaben zufolge keine Verletzten. Am tschechisch-deutschen Grenzübergang Zelezna Ruda brach ein Kontrollhaus teilweise ein, auf dessen Dach sich der Schnee 1,30 Meter hoch getürmt hatte. In Hranice in Mähren stürzte das Dach einer Lagerhalle ein.
rom/AFP/AP/ddp/dpa
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