München/Hamburg - Die Einsatzkräfte in Bayern kündigten an, bis in die Nacht von zahlreichen Dächern die tonnenschweren Schneemassen zu räumen. Nachdem die Meteorologen bis zum Wochenende ergiebige neue Schneefälle ankündigten, befürchten die Krisenstäbe, dass weitere Gebäude unter der Last zusammenbrechen könnten. Eine 17-Jährige wurde heute schwer verletzt, als sie beim Schneeräumen auf dem Dach eines Reiterhofes einbrach und fünf Meter in die Tiefe stürzte.
Dutzende von Schulen, Kindergärten, Fabriken, Supermärkten und anderen Gebäuden blieben in Bayern wegen der Schneemassen auf den Dächern gesperrt. Mehr als 3000 Helfer von Feuerwehren, der Bundeswehr, dem Technischen Hilfswerk, der Bundespolizei und dem Roten Kreuz waren damit beschäftigt, die Dächer frei zu schaufeln. Für morgen werden weitere Einsatzkräfte zum Schneeräumen erwartet.
In Deggendorf stürzten zwei Lagerhäuser ein, darunter das Kühlhaus der im vergangenen Herbst wegen des Gammelfleischskandals bekannt gewordenen Deggendorfer Frost GmbH. In Inzell wurde das Dach eines Einfamilienhauses teilweise eingedrückt. In Vilshofen mussten die Helfer ein internationales Logistikzentrum abschaufeln. Im Raum Passau waren auch zwei Möbelhäuser und ein Ersatzteillager eines Autokonzerns gefährdet.
Pegelstände der Flüsse steigen rasant
Auf dem Brocken im Harz fiel bei heftigem Sturm 25 Zentimeter Neuschnee. Wegen meterhoher Schneeverwehungen stellte die Harzer Schmalspurbahn ihre Fahrten ein. An der Nordseeküste wurden nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia in der Nacht zu Donnerstag auf der Insel Helgoland und in Hörnum auf Sylt Windgeschwindigkeiten von bis zu 111 Stundenkilometer gemessen. Die Fehmarnsund-Brücke wurde für Autos mit Anhängern und leere Lastwagen gesperrt.
Tauwetter und umhertreibende Eisschollen ließen die Pegelstände von Flüssen in Sachsen und Sachsen-Anhalt teilweise rasant steigen. Vor allem auf den Unterläufen von Spree, Mulde und der Schwarzen Elster staute sich Eis an Brücken und Wehren. Zwei Ortsteile von Elsterheide waren überflutet, Helfer pumpten Keller aus und verstärkten Dämme. An den Pegeln Bad Düben und Löben wurde die Hochwasseralarmstufe 2 ausgerufen.
In ganz Deutschland rutschen Autos bei Schneetreiben und glatten Straßen in Leitplanken und prallten gegen Bäume. Der schwerste Unfall ereignete sich in Coppenbrügge in Niedersachsen, wo ein Lastwagen mit einem Bus kollidierte. Drei Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren kamen ums Leben, zwölf Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Bei einem Serienunfall in der Nähe des Regensburger Autobahnkreuzes kam eine Mann ums Leben.
Auf der A 9 München-Berlin kam es bei Triptis in Thüringen zu einer Massenkarambolage. 15 Fahrzeuge fuhren im Schneesturm ineinander, mehrere Menschen wurden verletzt, ein Mann starb. Die A 9 war über Stunden gesperrt. Weiter südlich auf der A 9 verunglückten im Bereich Holledau zwischen Ingolstadt und München mehr als 40 Fahrzeuge im dichten Schneetreiben.
har/dpa
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