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05.03.2006
 

Wetter im Süden

Das Chaos ist weiß

30 Stunden Dauerschnee, Übernachtungen im Auto und stehengebliebene Bahnen: In Süddeutschland und der Schweiz bestimmen derzeit die Schneetiefs "Xandra" und "Yuna" das Leben. Die Baseler fürchten sogar um ihre Fasnacht. Freuen können sich vor allem Schüler.

München - Meteorologisch gesehen ist es bereits seit fünf Tagen Frühling. Davon freilich haben die Menschen in Süddeutschland und der Alpenregion am Wochenende herzlich wenig bemerkt. Rekordschneefälle legten vielerorts den privaten wie den öffentlichen Verkehr lahm.


In München und Augsburg wurde der öffentliche Nahverkehr komplett eingestellt, nachdem in der Nacht zum Sonntag mehr als ein halber Meter Schnee gefallen war. In der Schweiz herrschte nach fast 30 Stunden Dauerschneefall Chaos auf den Straßen sowie höchste Lawinengefahr auf den Bergen. Auch in Österreich gab es massive Schneefälle. ( Einzelheiten im aktuellen SPIEGEL-ONLINE-Wetterbericht!)

Zahlreiche Unfälle hielten Polizei und Feuerwehr in Atem. Bei wetterbedingten Verkehrsunfällen wurden am Wochenende mindestens sieben Menschen getötet. Allein in Baden-Württemberg wurden nach Angaben des Innenministeriums zwischen Samstag und Sonntag bei 634 Unfällen vier Menschen getötet und 104 verletzt. In der Schweiz wurden zwei Tote gezählt.

In München waren vor allem die Zustände auf den Straßen chaotisch, da die Räumdienste nicht hinterher kamen. Busse und Bahnen blieben heute in den Depots. Im Stadtgebiet fielen 83 Ampeln aus. Seit Samstag zählte die Polizei in der Landeshauptstadt mehr als 300 schneebedingte Einsätze - vor allem Verkehrsunfälle. Wegen der Schneelast stürzten zwei Hallen ein, verletzt wurde niemand. Wegen der Gefahr durch umstürzende Bäume warnten die Behörden vor dem Betreten öffentlicher Grünanlagen. Der Tierpark Hellabrunn blieb deshalb geschlossen - zum ersten Mal in seiner knapp 100-jährigen Geschichte.

Auf den südbayerischen Autobahnen lag fast überall eine geschlossene Schneedecke, auf der sich stellenweise der Urlauberverkehr staute. Bereits am Samstag hatte es auf der Autobahn Frankfurt-Nürnberg bei dichtem Schneetreiben 70 Kilometer Stau gegeben, auf der A8 bei Augsburg waren es mehr als 50 Kilometer.

Die Bahn stellte den ganzen Tag über den Zugverkehr in Teilen West- und Südbayerns ein. In München fuhr zeitweise nur die S-Bahn zum Flughafen. Dort wurden zwischen gestern und heute Nachmittag rund 265 Flüge annulliert, zudem kam es zu zahlreichen Verspätungen. Auf dem Flughafen kam gestern Abend ein Passagierflugzeug mit zirka 170 Passagieren beim Beschleunigen von der Startbahn ab und rutschte auf den Rasen. Verletzt wurde niemand. Rund 10.000 Menschen in Bayern waren heute zeitweise ohne Strom.

Freuen über den vielen Schnee können sich vor allem viele Schulkinder. In einigen der besonders betroffenen Kreisen werde morgen die Schule ausfallen, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums.

Meteorologe sieht "richtig normalen Winter

In der Schweiz brach in Zürich und Basel der öffentliche Verkehr zusammen. Der Flughafen Basel-Mühlhausen war bis zum späten Nachmittag lahm gelegt. In Zürich-Kloten gab es 70 Flugausfälle und stundenlange Verspätungen. In der Ostschweiz fiel seit Messbeginn vor 75 Jahren noch nie so viel Schnee innerhalb von 24 Stunden. Der Rekordwert wurde in St. Gallen mit 65 Zentimetern gemessen. Unter den Schneelasten knickten reihenweise Bäume ein und versperrten Straßen und Schienen. Auf den Straßen herrschte nacktes Chaos, Hunderte Autofahrer mussten in Notunterkünften übernachten.

In Österreich fiel mit rund 25 Zentimetern etwas weniger Schnee, dennoch kam es zu Unfälle, Verkehrsbehinderungen und Straßensperren, wie die Nachrichtenagentur APA berichtete. Bei Warth wurde ein deutscher Wanderer von einem Schneebrett verschüttet.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sagt für die nächsten Tage Schneeschauer voraus. Am Mittwoch soll es aber im Süden und Südwesten erneut länger schneien. Schuld an dem Chaos waren die Schnee-Tiefs "Xandra" und "Yuna". Ungewöhnlich sei vor allem der späte Zeitpunkt, erklärte DWD-Meteorologe Helmut Malewski. Dennoch sei 2005/2006 insgesamt "ein richtiger normaler Winter, wie ihn viele schon abgeschrieben haben".

Die Basler lassen sich indes die schönsten drei Tage im Jahr nicht vom Schnee vermiesen. Mit vereinten Kräften werde versucht, die Stadt "fasnachtstauglich" zu machen, teilten die Behörden mit. Der "Morgestraich" 4 Uhr morgen früh dürfte damit nicht in Gefahr sein.

Entlang der Route und in der Innenstadt wurde der Schnee mit schwerem Gerät weggeräumt und in den Rhein gekippt. Ob der Schnee aber bis morgen vollständig weggeräumt werden kann, war vorerst allerdings noch nicht klar. Das Fasnachts-Comite und die Kantonspolizei appellierten an die Vernunft der Fasnächtler und Besucher: Möglicherweise müssten wegen vereister Straßen oder herunterstürzender Dachlawinen einige Gassen gesperrt werden. Den Anordnungen der Polizei sei unbedingt Folge zu leisten.

dab/AP/ddp

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