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14.03.2006
 

Pinguine

Kleiner Flauschball watschelt in Togas Fußstapfen

Von Anika Schulz

Es ist noch so klein, dass es auf eine Hand passt. Aber schon jetzt ist das Pinguinbaby im britischen Zoo "Amazon World" ein Star. Nachdem sein Bruder Toga spurlos verschwand, macht der putzige Nachwuchs seine Eltern wieder glücklich und versetzt Tierfreunde in Entzücken.

Newchurch - Unsicher und tapsig kommt er daher. Noch kann der kleine Pinguin nicht aufrecht watscheln. Dennoch erkundet er neugierig jeden Winkel seines Geheges. Und wenn es mal nicht weitergeht, stützt er sich einfach mit seinen Flügeln ab. "Er wächst sehr schnell, nimmt jede Woche ungefähr 200 Gramm zu", erklärt Zoo-Managerin Katherine Bright SPIEGEL ONLINE. "Nur sind seine winzigen Beine noch nicht stark genug, sein Körpergewicht zu tragen. Darum fällt er beim Laufen noch so oft auf den Schnabel."

Bisher sind die Mitarbeiter des Zoos die einzigen, die den Mini-Pinguin täglich bei seinen ersten, wackeligen Schritten beobachten können. Nur ein Reporter der "Washington Post" durfte der Kinderstube schon mal einen Besuch abstatten und sogar ein kleines Filmchen drehen (siehe Video). Denn der Kleine kommt erst Ostern ins Freie.

Bis dahin bleibt er bei seinen Eltern Oscar und Kyala im Nest und kann sich auf seine momentanen Lieblingsbeschäftigungen konzentrieren: "Essen und schlafen", sagt Bright. Aber wenn es soweit ist, erwartet der Zoo an der Isle of Wight einen riesigen Besucheransturm. Denn der Kleine ist bereits eine richtige Berühmtheit in England. Einige Gäste haben sogar schon gefragt, ob sie ihm etwas zu Ostern schenken können. "Ein Schokoladenei bekommt er wohl nicht. Aber seinen Eltern schenken wir an dem Tag einen großen Fisch, mit dem sie ihren Nachwuchs verwöhnen können."

Das einzige, was dem Kleinen nun noch fehlt, ist ein Name. Aber der muss noch warten, bis man das Geschlecht des kleinen Pinguins kennt. Das kann erst in gut vier Wochen per DNA-Analyse bestimmt werden, wenn der Vogel seinen Babyflaum gegen richtige Federn getauscht hat. Eine britische Tageszeitung veranstalte derzeit einen Wettbewerb unter ihren Lesern, um einen Namen für den Vogel zu finden, so Bright. Nur eines stehe fest: Er wird nicht wieder Toga heißen, denn der sei unersetzlich. "Es ist für uns noch immer ein Schock, dass er weg ist."

Bewegungsmelder sollen vor Pinguindieben warnen

Nach etlichen rührenden, traurigen und lustigen Tiergeschichten des vorigen Jahres hat das Schicksal von Toga kurz vor Weihnachten die ganze Insel in Aufruhr versetzt. Der Pinguin verschwand über Nacht aus dem Zoo auf der Isle of Wight. Doch die Suche nach dem drei Monate alten Brillenpinguin blieb erfolglos. Die Zoomitarbeiter nahmen an, dass jemand das Tier als Weihnachtsgeschenk mitgenommen hat, motiviert durch den Dokumentarfilm "Die Reise der Pinguine". Seitdem war die Welt in "Amazon World" nicht mehr so, wie sie war. Togas Eltern wirkten niedergeschlagen. Oscar und Kyala verweigerten das Essen, rannten panisch in ihrem Gehege hin und her - immer auf der Suche nach ihrem kleinen Schützling.

Verschollener Toga: Sein Schicksal ist ungewiss
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DPA

Verschollener Toga: Sein Schicksal ist ungewiss

Pinguinfreunde spendeten über 10.000 Euro, die als Belohnung auf "ihren" Toga ausgesetzt wurden. Ein Mädchen bot dem Entführer sogar ihr Weihnachtsgeschenk, eine teure Spielkonsole, im Tausch gegen den Vogel an. Doch der einzige ernstzunehmende Hinweis war niederschmetternd. Ein Mann meldete sich beim Zoo und behauptete, er habe Toga in einer Plastiktüte im Hafen von Portsmouth versenkt.

Weil der Kadaver nie gefunden wurde, gibt Katherine Bright die Hoffnung nicht auf, dass das Tier eines Tages zurückkehren wird. Auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist. "Wenn ihn jemand geklaut hat, der sich mit Pinguinen nicht auskennt, ist Toga wohl tot. Erstens stinken die Tiere fürchterlich. Das hält keiner auf Dauer aus. Und zweitens wurde Toga noch von seinen Eltern gefüttert, so dass er keine Nahrung von Menschen annimmt."

Einen Monat lang war es still um die trauernden Eltern. Dann die freudige Nachricht: Sie legten ein neues Ei. "Pinguine zeugen normalerweise nur alle sechs Monate Nachwuchs. Und zwar genau dann, wenn ihr aktuelles Junges alt genug ist, alleine zu überleben", sagt Katherine Bright. Toga war bei seinem Verschwinden erst drei Monate alt, also noch viel zu jung für ein Geschwisterchen. "Doch als er weg war legte Kyala außer der Reihe ein neues Ei." Am 14. Februar war es dann soweit: Die Zoowärterin Lisa Simpkins entdeckte bei ihrem morgendlichen Rundgang durch das Gehege das frisch geschlüpfte Pinguinküken. Es habe unter dem Flügel seines Vaters gekauert, sagte sie der amerikanischen Tageszeitung "Washington Post".

Damit sich das Drama um Toga nicht wiederholt, hat der Zoo laut Zeitung seine Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Bewegungsmelder und Kameras sollen bald rund um das Pinguingehege angebracht werden. Sicher ist sicher.

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