London - Raste Khan, 23, sagte der "Sun", er sei einer der beiden Probanden gewesen, der nur Placebos eingenommen habe. Die anderen Testpersonen seien "umgefallen wie Dominosteine", sagte er dem Blatt. "Sie rissen sich die Hemden vom Leib und klagten über Hitzeschübe. Dann schrien einige, dass sich ihre Köpfe anfühlten, als würden sie platzen", wird der junge Mann zitiert. Er habe große Angst ausgestanden, dass ihm dasselbe bevorstehe. "Aber mir ging es gut, und ich wusste nicht, warum."
Die Angehörigen der Opfer sind entsetzt. Ihr Freund sei dermaßen aufgequollen, dass er nicht mehr zu erkennen sei, sagte Myfanwy Marshall dem "Guardian". Die Ärzte hätten ihr wenig Hoffnung gemacht, dass der Patient überlebe. "Er braucht ein Wunder, das haben sie gesagt", berichtete sie. Andere Angehörige beklagen sich, die Pharmafirma habe widersprüchliche Angaben gemacht, wie es zu dem Unglück gekommen sei.
Sechs Versuchspersonen sind nach der Erprobung des neuen Medikaments noch immer in lebensbedrohlichem Zustand, zweien geht es extrem schlecht. Der deutsche Hersteller TeGenero AG hat sich bei den Betroffenen und ihren Angehörigen inzwischen entschuldigt. Thomas Hanke, wissenschaftlicher Leiter der Firma, sagte gestern Abend in London, das Unternehmen sei "erschüttert" über die "erschreckenden Entwicklungen". Das Medikament habe vorher keine ungünstigen Nebenwirkungen gezeigt, und die Tests hätten den Vorschriften entsprochen. Die ersten Tests an dem Medikament mit dem Namen TGN1412 hätten 1997 begonnen, seit 2000 sei es weiterentwickelt worden. Die klinische Erprobung sei jetzt gestoppt worden.
Auch die Durchführung des Tests steht in der Kritik. Ärzte sagten der britischen Zeitung "The Times", die Erprobung des Medikaments habe nicht den höchsten medizinischen Standards entsprochen. So sei es allen Probanden zur gleichen Zeit gegeben worden, was den allgemeinen Leitlinien widerspreche. Laut Fachliteratur sei diese Praxis "schwer zu steuern", zudem würden die Versuchspersonen einem "unnötigen Risiko ausgesetzt".
Die sechs erkrankten Männer werden auf der Intensivstation des Northwick-Park-Krankenhauses in London behandelt. Zwei von ihnen schweben in Lebensgefahr, der Zustand der übrigen vier ist "ernst". Laut BBC versagten mehrere Organe. Die britische Arzneimittelaufsicht MHRA löste internationalen Alarm aus und warnte die Zulassungsbehörden der übrigen EU-Staaten.
Mit den Medikamententests hatte das Würzburger Unternehmen die US-Firma Parexel International beauftragt, die auf derartige Untersuchungen spezialisiert ist. An dem bezahlten Test hatten sich acht Freiwillige im Alter zwischen 18 und 40 Jahren beteiligt, die laut MHRA vor der Einnahme kerngesund waren. Wie bei solchen Studien üblich, erhielten zwei der Teilnehmer nicht das fragliche Medikament, sondern Placebos.
ffr/AFP
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