Von Georg Bönisch
Düsseldorf - Zwar gilt als sicher, dass die Vertreter jener elf Staaten, die eine Art Aufsichtsrat über den "Internationalen Suchdienst" bilden, auf ihrer Sitzung morgen in Luxemburg eine Einigung über den Zugang zu den Daten von 17,5 Millionen NS-Opfern erzielen – zumal das US-Außenministerium inzwischen schriftlich versichert hat, die Dokumente nicht ins Internet stellen zu wollen.
Knapp 200 Vorgänge – etwa die Unterlagen renommierter Firmen über Zwangsarbeiter – bleiben jedoch unter Verschluss, weil es darüber vertragliche Zusicherungen gibt. Unklar ist, wie sich das Gremium zur Freigabe ungezählter medizinischer Daten verhält – darunter sind beispielsweise Hinweise auf angebliche Erbkrankheiten oder pseudomedizinische Versuche. Derzeit werden in Arolsen sämtliche Dokumente digitalisiert, bis Ende 2007 soll die Aktion abgeschlossen sein.
Nach jahrelangem Widerstand hatte sich Deutschland im April bereiterklärt, das Archiv für die Forschung zu öffnen. Die Direktorin des Washingtoner Holocaust-Museums, Sara Bloomfield, hatte dies als Entscheidung von großer "moralischer und historischer Bedeutung" gewürdigt. Die Bundesregierung hatte sich lange gegen die Öffnung für die Forschung gewehrt, da die Archive auch sensible Persönlichkeitsdaten wie etwa Angaben zu Vorstrafen und sexueller Orientierung enthalten.
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