Hamburg - "Einen heftigen Tag des Betens" haben niederländische Christen vorsichtshalber heute organisiert. Die evangelische Organisation "Ambassadors Ministries" rechnet mit 2000 Teilnehmern allein in Holland, in 23 weiteren Ländern seien ähnliche Abwehrgottesdienste geplant, sagte der Organisator Mathijs Piet der BBC. "Wir wissen, dass der Teufel es hasst, wenn wir Gott verehren." Los ging der Gebetsmarathon bereits gestern Abend in Israel.
Die Angst der Gemeinde geht auf die Offenbarung des Johannes in der Bibel zurück. Der Evangelist hatte demnach eine furchtbare Vision von einem Tier mit "zehn Hörnern und sieben Köpfen", das aus dem Meer steigt und Gott lästert. "Wer Verstand hat, berechne den Zahlenwert des Tieres. Denn es ist die Zahl eines Menschennamens; seine Zahl ist sechshundertsechsundsechzig", heißt es kryptisch. Theologen zufolge meinte Johannes mit der Zahl wahrscheinlich einen Menschen: den Christenverfolger Nero. Wenn man dessen Namen auf Hebräisch schreibt und den Buchstaben dem Alphabet nach Ziffern zuordnet, lassen diese sich zur Zahl 666 addieren.
Doch weder Christen noch Satanisten sind durch solcherlei vernünftige Erklärungen von ihrer Weltsicht abzubringen. Und so bibbern die einen - und feiern die anderen. Die sinnesfreudige Satanistengemeinde "Church of Satan" zelebriert heute mit Jüngern aus der ganzen Welt in Los Angeles ihr 40-jähriges Jubiläum. Der Satanistensender "Radio Free Satan" hatte schon gestern Abend die Teufelsanbeter bei einem "Satan's Rockin' 666 Eve" auf das Ereignis eingestimmt - mit teuflisch harter Metalmusik und blutverschmierten Nackttänzerinnen.
Das Geschäft mit der 666
Mit 666 lässt sich auch Geld verdienen. Erst kürzlich wurde im Wüstenstaat Katar die Handynummer 6666666 für zwei Millionen Euro versteigert. Und so beschränkten sich die Satanisten nicht darauf, auf ihrer Website für die satanistische Radioparty zu werben, sondern veröffentlichten anlässlich des Datums auch noch ein paar schreckliche Bücher, unter anderem eins über besonders gruselige Verbrechen.
Damit nicht genug der Premieren: So bringt die Metal-Band "Slayer", die zu deutsch "Mörder" heißt und gerne mal den Satan besingt, heute eine neue Single heraus. Auf der CD befindet sich außer dem Song "Dead Skin Mask" ein Videoclip, das einen Fan dabei zeigt, wie er sich den Bandnamen in den Unterarm ritzen lässt. Auch die Macher des Films "Das Omen 666" hielten das heutige Datum für besonders Premieretauglich. Das Werk ist ein Remake einer der erfolgreichsten Horrorklassiker. Er handelt von einem Regierungsmitarbeiter, der erkennen muss, dass sein Adoptivsohn möglicherweise eine Teufelsgeburt ist.
Ungeachtet der Horrorszenarien denken hierzulande etliche vor allem nur an das eine: ans Heiraten. Überall in Deutschland melden die Standesämter regen Betrieb. So heiraten etwa in Hamburg der "Bild" zufolge 133 Pärchen, an normalen Dienstagen dagegen nur 20. Wie auch immer die Chancen für eine heute geschlossene Ehe stehen mögen: Das Datum dürfte auf jeden Fall unvergessen bleiben.
str
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