Frankfurt am Main - Die Falle wurde im Auftrag des WWF von einem US-Spezialunternehmen aus den Rocky Mountains gebaut und von Denver (Colorado) über Frankfurt eingeflogen, wie die Naturschutzorganisation heute mitteilte. Erster Einsatzort des "Bärenmobils" ist Bayern, wo der Braunbär an Pfingsten zwei Mal Schafe gerissen hatte. Damit sind nun zwei Spezialfallen im Einsatz. In Kürze sollen außerdem finnische Bärenjäger mit Hunden nach "Bruno" suchen; der Vertrag wurde bereits nach Finnland geschickt.
Der Bär hinterließ seine letzte Spur gestern am frühen Morgen: In einem Hasenstall im österreichischen Weidach bei Leutasch tötete er nach Angaben von WWF-Sprecher Jörn Ehlers zwei Kaninchen. Der Stall habe sich direkt an einer Hauswand befunden. In derselben Nacht gegen 3 Uhr wurde Bruno nach Angaben des bayerischen Umweltministeriums von Jugendlichen auf Straße von Scharnitz an der deutsch-österreichischen Grenze nach Leutasch gesehen.
Seit Wochen legt er große Strecken im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet zurück und hat bei deutschen Landwirten bisher 16 Schafe und zwölf Hühner getötet und zahlreiche weitere Schafe und Ziegen verletzt. Ein Sprecher des bayerischen Umweltministeriums sagte, der Druck, den Bären "aus der Natur rauszubringen", werde größer. Schließlich streune das Tier immer häufiger in Siedlungsgebieten herum und sei eine Gefahr für die Bewohner. "Das ist keine Kuscheltieratmosphäre mehr", sagte der Sprecher. Nach wie vor sei das Tier in Bayern im Notfall zum Abschuss freigegeben.
Die neue Falle ist eine in den USA erprobte Spezialanfertigung und wurde von Bob Facklam in Choteau (Montana) eigens für den WWF gebaut. Wie die Umweltstiftung erklärte, wird die extrem stabile Röhre aus Aluminium auch für den Transport des Bären benötigt und lässt sich per Auto oder Hubschrauber als Außenlast an Trag-Ösen befördern, wenn es besonders schnell gehen muss. Sobald der Bär in die mit einem Köder bestückte Falle getappt ist, werden die sogenannten Bärenanwälte umgehend von einem Sender alarmiert. Nur sie können die Falle wieder öffnen.
Damit der Bär auch in seiner vorübergehenden Behausung ausreichend versorgt ist, wurde ein Wasserspender angebracht. Sauerstoff erhält das Tier durch drei vergitterte Fenster. Der Abstand der Gitterstäbe ist so berechnet, dass der Bär sich daran nicht die Zähne ausbeißen kann, wenn er sie mit seinen Zähnen umfasst.
WWF-Bärenanwalt Georg Rauer nahm Wagen und Falle bei München in Empfang: "Wenn man einen Bären fangen will, benötigt man Erfahrung, einen langen Atem und eine vernünftige Ausrüstung." Unternehmen unterstützen die Umweltstiftung bei ihrem "Bärenmanagement".
Aufgestellt wurde die Falle aber noch nicht. Das Problem ist, dass "Bruno" anders als viele Artgenossen nicht wieder zu den Orten zurückkehrt, wo er Tiere gerissen hat. Man brauche einen langen Atem, sagte WWF-Sprecher Ehlers. Die letzte Jagd auf einen Bären in Tirol habe sechs Jahre gedauert, bis sie im Jahr 1899 erfolgreich war.
dab/ddp/AP/dpa
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