Von Sebastian Knauer
Hamburg - "In den nächsten Jahren werden noch mehr Brunos kommen", prophezeit Roland Melisch, Leiter der Artenschutzabteilung der Umweltstiftung WWF in Frankfurt. Sowohl aus Südtirol und Slowenien als auch aus dem benachbarten Österreich seien "grenzüberschreitende Wanderungen" zu erwarten.
Alleine im Nachbarland Österreich lebt eine Population von 20 Braunbären. Insgesamt sind im Alpenraum nach Zahlen der Alpenschutzkommission Cipra zwischen 500 und 600 Tiere angesiedelt. Zwischen 1990 und 2004 verursachten die österreichischen Braunbären pro Jahr Schäden in Höhe von 12.700 Euro.
Der bayerische Umweltminister Werner Schnappauf bleibt jedoch bei seiner Ankündigung wildernde Tier abschießen zu lassen, da auch Menschen gefährdet werden können. Bereits im April wurde der Bär "Moritz" aus dem Toten Gebirge nur einen Tagesmarsch von der bayerisch-österreichischen Grenze bei Salzburg entdeckt. Jungbären "ohne Streifgebiet“ legen bis zu 25 Kilometer täglich zurück, dabei überqueren sie selbst Autobahnen oder breite Flüsse wie den Inn.
Diese Woche werden erstmals Vertreter des bayerischen Umweltministeriums an Beratungen der österreichischen Koordinierungsstelle für ein "grenzüberschreitendes Bärenmanagement" teilnehmen. Die Artenschützer hoffen weiterhin den in Tirol abgetauchten Bär Bruno (Fachbezeichnung JJ1) unverletzt, mit Hilfe von US-amerikanischen Spezialfallen und finnischen Suchhunden, einfangen und in ein Gehege bringen zu können. "Wenn der Bär allerdings zu gefährlich wird", sagt WWF-Experte Melisch, "dann muss auch ein Abschuss erwogen werden."
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